Untied States - Instant Everything, Constant Nothing - Cover
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Untied States Instant Everything, Constant Nothing


  • Label: Distile Records
  • Laufzeit: 45 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Wie viel Psycho darf in Post-Punk herein? Ist es vielleicht sogar die Quintessenz dieses Genres? Wo ist der Unterschied zwischen Art-Post-Punk und lautem Thrash? All diese Fragen werden mit großzügiger Freude von den entfesselten Staaten, den Untied States, beantwortet. Die Band aus Atlanta wird mit allen großen und verrückten Namen der amerikanischen Musikgeschichte in Verbindung gebracht und die Lobeslieder finden kein Ende. Im Gegenzug bekommt der Hörer elf energiegeladene Kunstwerke aus der Garage, an welchen man die frische Farbe noch riechen kann, was einige high werden lässt und bei anderen Übelkeit erzeugen könnte.

„Instant Everything, Constant Nothing“ kann und will gar nicht jedem gefallen. Das haben Punk, Post und besonders Art-Bands so an sich. Das alles in einem vereint klingt etwas überheblich, doch schon nach spätestens zwei Liedern hat man keinen Zweifel daran, dass Untied States dem Soll gerecht werden. „Gloria Bull“ ist laut und kracht, wie ein unbarmherziges Ungewitter, welches aus schmetterndem Regen, knallendem Donner und zuckenden Blitzen immer wieder die Grenzen zwischen Kunstwerk und Chaos durchbricht. So rau und an anderen Stellen wieder kunstvoll waren zuletzt die frühen „…And You Will Know Us By The Trail Of Dead“. So Post-Rockig ging es letztes Mal vielleicht bei At The Drive-In von Statten. Besonders der Instrumntal-Abschluss in „Not Fences, Mere Masks“ fegt den Hörer einfach nur noch erbarmungslos aus dem Sessel.

„Unsilvered Mirrors“ klingt da beinahe schon sanft und melodisch, wenn diese Musik nicht so viele Kanten hätte, dass man sich einfach stoßen muss. Wer auf musikalisch aufgekratzte Knie steht, wird allerdings nach immer mehr lechzen. Jeder Song übertrifft den vorigen mit neuen krassen und ganz besonders psychedelischen Ideen. Auf Härte wird ausnahmslos nicht verzichtet und so sind für zart besaitete Art-Fans Kopfschmerzen vorprogrammiert. Gerade bei „These Dead Birds“ und „Delusions Are Grander“ gibt man sich nur allzu früh der Illusion hin, es könnte etwas ruhiger werden. Untied States machen keine Gefangenen. Man muss sich komplett auf diesen Psycho-Trip einlassen.

Besonders das letzte Drittel des Albums kracht und knattert nur noch so vor sich hin und man merkt, dass die Jungs aus Atlanta endgültig den Erdboden verlassen haben und auch vor der Stratosphäre nicht halt machen. Unausweichlich muss man sich eingestehen, dass die Untied States eine der interessantesten Bands dieses Jahres sind, auch wenn das Gespür fürs Ohr noch nicht vollends ausgereift ist, sowie sie sich in manchen Liedern verlieren und kein Ziel mehr vorhanden scheint. Allerdings muss man gleichzeitig zugeben, dass diese Krachgewaltexplosionen mit ihrem vierten Album inzwischen so gut kanalisiert und geordnet sind, dass sie inzwischen für beinahe jeder Mann mit starken Nerven zugänglich sein sollten. Wie The Mars Volta legen sie es aber von Berufung aus schon darauf an, nicht von allen verstanden zu werden. Gut so.

Anspieltipps:

  • Not Fences, Mere Masks
  • Bye Bye Bi-Polar
  • Delusions Are Grander.

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