Unkle - Where Did The Night Fall - Cover
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Unkle Where Did The Night Fall


  • Label: Surrender All/INDIGO
  • Laufzeit: 57 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Stetig stoisch fabriziert James Lavelle seine dunkel wabernde Musik für die Nacht nun seit mehr als 15 Jahren. Anfangs noch mit DJ Shadow in Trip-Hop-Nähe, transzendierte sein Projekt Unkle stetig und mit wechselnden Partnern in Richtung psychedelische Rockstrukturen verkleidet in Elektrosounds.

Auf „Where Did The Night Fall“ vollendet Lavelle scheinbar seine tendenzielle Fokussierung zum Alternative Rock – Trip-Hop ist daran gar nichts mehr, Elektronisches findet sich auch nur marginal und additiv. Dafür ist das vierte Werk Lavelles (zählt man „End Titles… Stories For Film“ nicht als Album) umso psychedelischer und progressiver. Sofern man dabei nicht an Rhythmisierung denkt, könnte Trip-Rock ein ganz stimmiges Kategoriechen lauten. Womit wir bei Lavelles Konstanz wären. Sphärisches, finsteres, mystisches Kopfkino lautet die Klammer um sein Oeuvre, unabhängig vom Genre und hier nun so gut wie gänzlich im Rockgewand.

Wie bei Massive Attack ist die Formel also Konstant, zumal Lavelle ebenfalls grundsätzlich mit Fremdsängereinfluss operiert; Neuartigkeits-Junkies können also getrost die Augen verdrehen, Gähnen und den nächsten Blog-Hype suchen gehen, denn es ist die altbekannte Crux: Unkle legen mit „Where Did The Night Fall“ starke Musik vor, die man tendenziell aber von ihnen kennt und erwarten durfte.

Diesmal haben die Tracks mit dem weiblichen Gesang dem Rest etwas voraus, etwas faszinierend Hypnotisierendes, dass den Unkle-Sound fast schon düster-erotisch wirken lässt. „Follow Me Down“ mit Sleepy Sun, „The Runaway“ mit Elle J oder „Caged Bird“ mit Katrina Ford von Celebration laufen hinterhergucktechnisch allen davon. Die großflächigen Synthie-Soundwände, Chöre und Tempiwechsel auf „The Answer“ berauschen auch verdammt ordentlich, während der Closer mit Mark Lanegan einen Untergang, der schöner nicht sein könnte, heraufbeschwört.

Stete Tradition neigt zu Verkrustung, nun, davon ist Unkle noch weit entfernt mit seinem Trip-Rock für spezielle Anlässe, aber ein paar wohl gestreute elektronische Ausflüge hätten durchaus gut getan, mehr noch aber hätte diesem starken Stück Musik ein wenig Mut und Lust auf Neuland gut gestanden.

Anspieltipps:

  • The Runaway (Featuring Elle J)
  • Follow Me Down (Featuring Sleepy Sun)
  • The Answer (Featuring Big In Japan (Baltimore))
  • Caged Bird (Featuring Katrin Ford)

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