Keep Of Kalessin - Reptilian - Cover
Große Ansicht

Keep Of Kalessin Reptilian


  • Label: Nuclear Blast/WEA
  • Laufzeit: 57 Minuten
Artikel teilen:
7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Nach vier oder fünf Hördurchgängen dem fünften Album der Norweger wegen fehlender Inspiration deswegen den Rücken zu kehren, wäre falsch.

Gestartet als reinrassige Black Metal Band sind Keep Of Kalessin immer mehr der Versuchung verfallen mehrere Stilrichtungen in ihr Schaffen einzubeziehen, was neben den verschiedenen Schubladen des Heavy Metal auch den Einsatz von Piano, Synthesizer und Keyboard mit einbezog. Torbjörn Schei (Gesang), Arnt Ove Gronbech (Gitarre), Robin Isaksen (Bass) und Vegar Larsen (Schlagzeug) sorgen daher stets für ausgedehnte Diskussionen unter den Fans, wenn ein allzu popiger Refrain das Schwarzmetall nötigt oder bunte Keyboardteppiche eine verträumte Melodie offenbaren, denn schließlich sollte sich eine Truppe wie Keep Of Kalessin (nach Meinung der Fans) doch einigermaßen selbst treu bleiben und kommerzielle Ausflüge vermeiden.

Die stehen auf „Reptilian“ jedoch weiterhin an der Tagesordnung, obwohl die Norweger ihre Knüppelpassagen noch immer ausgiebig zelebrieren und es mitunter vielleicht sogar besser gewesen wäre, Thebon, Obsidian Claw, Wizziac und Vyl hätten das brutale Schwarzmetall öfter aus dem Konzept gestrichen und stattdessen einen stimmigeren Aufbau präsentiert. Das fünfte Oeuvre geizt nämlich ganz und gar nicht mit sturem Geprügel in Bleifußmanier, dem bei „Dragon iconography“ noch mit einem angemessenen Gleichgewicht aus Dynamik und Tempo im oberen Drehzahlbereich entgegengewirkt wird und „The awakening“ nach genialer Einleitung erst im Schlussdrittel durch bombastische Unterstützung eines mehrstimmigen Chors etwas Lockerung erfährt, denn „Judgement“, Leaving the mortal flesh“ und „The divine land“ jagen ohne detaillierte Zwischentöne unbeirrt auf der Black Metal-Raubsau durch norwegische Wälder und werden gerade einmal von ein paar Soundtrackcollagen und kürzeren Midtempo-Gebärden gebremst.

Das zerstört natürlich die Spannung und Überraschungen bleiben weitestgehend auf der Strecke, doch glücklicherweise durchbrechen das mit packendem Rhythmus und leichtem Folk-Einschlag ausgestattete „The dragontower“ und die schleppende Atmosphärenwalze „Dark as moonless night“ das knüppelnde Korsett und gehen einen gänzlich anderen Weg, der zugänglichere, aber auch wesentlich abwechslungsreichere Kost bietet als die restlichen Kompositionen. Mit dem viertelstündigen „Reptilian majesty“ versuchen Keep Of Kalessin dann so ziemlich jede Facette von „Reptilian“ unter einen Hut zu bringen, geben in den ersten vier Minuten ordentlich Stoff, nehmen das Tempo raus, gewähren kurzzeitig leichtfüßigen Synthie-Klängen die Oberhand und lösen diese mit einer längeren Heavy Metal Jam Session und erneuten Chorpassagen auf um letztendlich wieder in einer drückenden Black Metal-Schleife zu landen.

Nach vier oder fünf Hördurchgängen dem fünften Album der Norweger wegen fehlender Inspiration deswegen den Rücken zu kehren, wäre trotzdem falsch. „Reptilian“ will als wachsende Platte verstanden werden und erfüllt seine Bestimmung nach längerer Auseinandersetzung. Die andauernd gleichen und sturen Knüppel aus dem Sack-Parts werden dadurch zwar nicht besser oder vergessen, aber eine Nummer wie „Reptilian majesty“ entfaltet ihre Wirkung eben erst nach genauerer Beschäftigung, was in ähnlicher Weise auch vom restlichen Material behauptet werden kann und für eine kurze Abrechnung mit dem Wohnzimmermobiliar eignen sich die flotteren Tracks sowieso bestens.

Anspieltipps:

  • The Awakening
  • The Dragontower
  • Dragon Iconography
  • Dark As Moonless Night

Neue Kritiken im Genre „Black Metal“
7/10

International Blackjazz Society
  • 2015    
Diskutiere über „Keep Of Kalessin“
comments powered by Disqus