Woven Hand - The Threshingfloor - Cover
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Woven Hand The Threshingfloor


  • Label: Glitterhouse/INDIGO
  • Laufzeit: 46 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

„The Threshingfloor“ ist schwer greifbar, keinem Genre zuzuordnen.

Dass es 16 Horsepower nicht mehr gibt, ist schmerzlich. Wovenhand sind kein Ersatz, sie sind anders und das ist gut so. Noch besser, dass sie nach dem zurecht gefeierten „Ten Stories“ wieder zu Hause sind und zu Hause heißt Glitterhouse Records. Für ihr sechstes Album „The Threshingfloor“ gilt die altbekannte Formel: das aktuellste ist immer das beste.

David Eugene Edwards, der frühere 16-Horsepower-Frontmann (Gesang, Gitarre, Banjo), hat mit Wovenhand eine Band formiert, in der er all seine Facetten ausleben kann. All seine Dämonen, seine guten und bösen Geister dürfen hier ihr Wesen und Unwesen treiben. Das Getriebene in seiner unverkennbaren Stimme hat immer etwas Spirituelles, Rituelles und Manisches. Sein Gesang ist Predigt, lyrischer Vortrag und eindringliche Performance. Man muss die Texte gar nicht verstehen, um zu begreifen, dass hier Themen wie Schuld, Sühne, Buße und Hingabe gesät werden und dem Hörer wird eine devote, aufmerksame und geistige Haltung abverlangt, damit er in den magischen Wovenhand Zirkel abtauchen kann.

Mit „Sinking Hands“ wird gleich zu Anfang um Gnade ersucht. Ein tiefschwarzer Bass (Pascal Humbert) wiegt mit dunkel gestrichenem Cello, akustischer Gitarre und Edwards von einem Trichter (Vocoder?) verschluckten Stimme. Auf dem Titelstück werden arabisch gefärbte Keyboardklänge von dringlichen Rhythmen angetrieben, die zurückgenommener auf „Holy Measure“ nachhallen. Mystische Indianer-Rhythmen begleiten „Raise Her Hands“, das Cello malt ein schwarzes Loch, vor dem uns Edwards’ beschwörende Stimme bewahrt und wie von Zauberhand weist uns der Song den Weg ans Licht, wo „His Rest“ und „Singing Grass“ uns an die Hand nehmen bis wir erkennen, dass die Schönheit eines Wovenhand-Songs immer mit einem dunklen Rahmen gezimmert wird. Hinter dem – ja atemberaubenden „Behind Your Breath“ finden wir den New Order Song „Truth“. Dem fast vergessenen Debüt „Movement“ der Joy Division Nachfolger entnommen und hier in einer finster erhabenen und donnernden Version dargeboten. Selbst die Flöten auf „Terre Haute“ verfehlen nicht ihre Wirkung, David Eugene Edwards als manischer Rattenfänger im Dschungel. Danach spazieren wir auf einem perkussiven Teppich durch das „Orchard Gate“, straucheln durch „Wheatstraw“ und landen zu guter Letzt in „Denver City“, einem befreienden, für Wovenhand Verhältnisse beinahe konventionellem Stück Rock.

Dennoch bleibt man ziemlich sprachlos zurück, denn „The Threshingfloor“ ist schwer greifbar, keinem Genre zuzuordnen. Begriffe wie Alternative- oder Prog-Rock erscheinen geradezu lächerlich in Anbetracht dieses musikalischen Gemäldes. Kein einfaches Werk, eher eine Herausforderung und tiefere Bewusstseinsschichten ansprechend. Wovenhand-Songs waren und sind eine intensive und inspirierende Erfahrung!

Anspieltipps:

  • Holy Measure
  • Raise Her Hands
  • Truth
  • Terre Haute
  • Denver City

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