Hamel - Nobody´s Tune - Cover
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Hamel Nobody´s Tune


  • Label: Decca/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 43 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Was ist denn hier los? Zeitgleich mit Amanda Jenssen bringt auch der Niederländer Hamel ein Jazz-Pop-Album heraus. Ist irgendeine Musikmanie ausgebrochen, ohne dass es jemand gemerkt hat? Das ganze muss inzwischen Jahre zurückliegen, denn genau wie Amanda ist Hamel ein langjähriger Anhänger der Jazzmusik. Im Gegensatz zur Schwedin bringt er die Erfahrung eines Debüts schon mit sich und legt Album Nummer zwei vor. Mika twittert, dass er ihn mag und das „Land Unter“ Europas feiert ihn frenetisch. Die Musik hört sich dabei gar nicht so an, sondern ist vielmehr entspannt, sodass man im ersten Moment an eine jazzige Abwandlung von Jason Mraz denkt.

Hamel ist niemand der Superhits schreibt oder die Massen mitreißt. Er beruhigt sie vielmehr auf lebendige Weise. Genau wie Mraz sorgt er für Glückshormone ohne jegliches Adrenalin und Stress. Der Auftakt „Don’t Ask“ klingt noch brutal normal, während dann „March, April, May“ und ganz besonders „Breezy“ das Surfergefühl ausstrahlen, wie es so schnell keiner nachmacht. Das ist Relax-Pop voller Leben vom Feinsten. Auch akustisch verliert Hamel nichts von seiner Faszination für den Hörer. Sei es das verquerte Indiestück „One More Time On The Merry-Go-Round” oder der zuckersüße Titeltrack.

Dass Mika den Niederländer mag, rührt wohl besonders an so herrlich verrückten Jazznummern wie „See You Once Again“ her. Hier wird hohes Tempo gehalten und der Gesang fast bis zum Klischee gehalten und bei „In Between“ wird ebenso wenig auf die große Show verzichtet. Nachdem der Beginn des Albums relaxt oder ruhig war, überzeugt der Holländer nun schon mit der dritten Sorte Song: der Soul-Jazz-Nummer mit ordentlich Popeinschlag. Teilweise wird es schon zu verrückt und man fühlt sich an den Jahrmarkt erinnert, wie in „Big Blue Sea“, dass im Chorus dann aber wieder alles rausbügelt mit schönem Rhythmus und Chor.

Hamel liefert wirklich viel ab, was man auf den ersten Blick von so einem jungen Mann nicht erwartet hätte. „Details“ ist eine Stimme die zu Beginn die kräftige und klare Stimme des Mannes untermalt und diese Stimme ist, richtig eingesetzt, eine Wunderwaffe, die einem Cullum ähnlich die Charts problemlos stürmt. Was Hamel allerdings fehlt sind die großen Lieder. Wahrscheinlich wird das Album im Strudel des weiten Musikangebotes untergehen, wenn nicht ein wenig an der PR-Kurbel gedreht wird. „Nobody’s Tune“ weist keinen einzigen schlechten Song auf und doch fehlt es dem Aushängeschild. Das Gesamtwerk wird bei unbekannten Musikern leider oft übersehen. Schön, dass in Japan die Mädchen nach ihm kreischen, so heißt es, doch Deutschland tut sich ohne Werbung immer etwas schwerer, Musiker für sich zu entdecken.

Anspieltipps:

  • Amsterdam
  • See You Once Again
  • Breezy

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