The Bambi Molesters - As The Dark Wave Swells - Cover
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The Bambi Molesters As The Dark Wave Swells


  • Label: Glitterhouse/INDIGO
  • Laufzeit: 38 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Surf-Rock aus Kroatien? The Bambi Molesters? Ein Movie für Kids? Nein, kein neuer Familien-Blockbuster, tatsächlich sind The Bambi Molesters eine kroatische Surf-Rock-Band. Und nicht nur irgendeine, sondern die Surf-Rock-Band der Neuzeit schlechthin. Von aktuellen Bands fallen mir lediglich The Woggles ein, die ihnen das Wasser reichen können. Gegründet 1995, erschien 1997 ihr Debüt „Dumb Loud Hallow Twang“, das nach drei Stunden im Kasten war und bei Kritikern und Indie-Publikum für Begeisterung sorgte. Die Folge waren Touren mit den Cramps, Chrome Cranks, Flaming Sideburns und REM.

Auf ihrem dritten Album „Sonic Bulletts: 13 From The Hip“ wirkten Walkabouts-Frontmann Chris Eckman, Terry Lee Hale, Peter Buck und Scott McCaughey mit. Zu Eckman entstand eine intensivere Beziehung, die im gemeinsamen Projekt The Strange mündete. Heraus kam die EP „Comin’ Undone“ und das Album „Nights Of Forgotten Films“, beide von 2004.

Nach langer Zeit liegt nun endlich das neue Album der Bambi Molesters vor. Das schlägt natürlich Wellen und nicht ausschließlich dunkle oder blau-türkise wie Coverartwork und der Titel „As The Dark Wave Swells“ suggerieren. Chris Eckman hat produziert, die Streicher arrangiert und der Ex-Green-On-Red-Mann Chris Cacavas hat auf drei Songs in die Tasten der Orgel gegriffen. Des weiteren kommen Bläser und die besagten Streicher hinzu, die bereits auf dem Album eröffnenden Titelsong für Furore sorgen. Mit ganz feinem Händchen arrangierte Chris Eckman die Streicher an den Horizont, wo vibrierende Stromgitarren, Midtempo-Rhythmik, Morricone Soundtrack, Surf-Rock und Mariachi-Trompeten aufeinandertreffen.

Der vielversprechende Titelsong ist aber lediglich der Start zu einer Tour, besser: zu einem Ritt de Force. Die mit- und ineinander verschlungenen Elektro-Gitarren von Dalibor Pavicic und Dinko Tomljanovic sind das reinste Vibrato- und Twangwunder, das seine Duane-Eddy-, Dick-Dale- und Link-Wray-Lektionen längst in die eigene Gefühls- und Erfahrungswelt hat fließen lassen. Lada Furlan Zaborac an Bass, Piano und Orgel sowie Hrvoje Zaborac am Schlagzeug steuern der vorzüglichen Saitenarbeit ein adäquates Rhythmusgerüst bei. Der Ritt durch die kroatische Wüste ist ein glühend heißer, der Staub aufwirbelt bis zum Himmel, der manchmal voller Geigen hängt, horizont- und bewusstseinserweiternden, die auch die ein oder andere Fata Morgana hervorrufen können.

„As The Dark Wave Swells“ ist der Morricone- und Tarantino-Soundtrack für das Kopfkino, ein Trip durch die Nacht auf einem imaginären Surfbrett, dessen Untergrund zwischen Wasser, Beton und Wüstensand wechselt. Ein Album voller Melodie, Rhythmus und Fantasie. Hach diese schmetternden, vor Sehnsucht berstenden Mariachi-Trompeten, diese raumgreifenden, donnernden Westerngitarren, diese eindringlichen Bassläufe, diese wirbelnden Trommelgewitter. Das strahlt und funkelt unter der kroatischen Sonne, unter der Chris Eckman produktionstechnisch alles in Einklang gesetzt hat. Die Wüste und der Surf-Rock lebt!

Anspieltipps:

  • As The Dark Wave Swells
  • Wrong Turn
  • Siboney
  • Thunderin’ Guitar
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