Melvins - The Bride Screamed Murder - Cover
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Melvins The Bride Screamed Murder


  • Label: Ipecac Recordings
  • Laufzeit: 46 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
4.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Buzz Osborne for president, Dale Crover for vice-president. Verrückter als die Melvins geht nun wirklich nicht. Man höre nur den ersten und den letzten Titel des neuen Albums „The Bride Screamed Murder“. 27 Jahre huldigen die Melvins nun schon Exzess, Wahn und Ironie, die letzten beiden Alben sorgten für eine kleine Kritiker-Renaissance und gingen wieder manisch heftig ab und in die Fresse, da kommt „The Bride Screamed Murder“ als hübscher Zerstörer dessen daher, was die letzten Alben wiederetabliert haben. Frank Zappa, The Residents und eine Doom-Grunge-Metal-Band à la, sagen wir, Dozer: diese Grundkoordinaten melvinscher Abstraktion sind zwar gewiss nicht neu, und dennoch erschaffen Osborne, Crover und ihre Mitstreiter wiederum Einmaliges.

Eingängigkeit darf sich dabei hinten anstellen, Tempiwechsel werden hier nicht wohl gestreut, sie werden zu einem manischen Folterinstrument. Und wieder ist das freilich nicht neu, doch wenn es vielleicht eine Band gibt, die mit dem Kennenlernen nur eines ihrer Werke nicht einordbar ist, dann sind es die Melvins. Das eventuell, vielleicht, ungefähr zwanzigste Studioalbum weiß freilich erneut weh zu tun, aber nicht mittels durchgängiger, penetrierender Härte, sondern durch seine absolute weirdness. Armee- und tatsächlich südafrikanische WM-Assoziationen weckt der Call-&-Response-Opener, Labelchef Mike Patton stand vielleicht für „Pig House“ Nacktmodell und „Hospital Up“ überrascht gegen Ende mit spaßigem Free-Jazz, gar nicht unähnlich dem auf Helmets einzig gutem Album „Betty“, damals 1994. In „Inhumanity And Death” sind dann doch noch die Headbanger am Zug alles zu Schütteln was die Matte hergibt, „My Generation“ wird natürlich, selbstverständlich und mit Ansage dekonstruiert und der Abschluss ist wieder feinste Ironie, die besserwisserisches Kopfschütteln hervorrufen wird.

Dale Crover prügelt wieder besonders eindrucksvoll auf sein Schlagwerk, und Buzz ist halt Buzz, völlig krank im Kopf, genial bescheuert und kompromisslos engstirnig. „The Bride Screamed Murder“ entzieht sich klassischen Einordnungsversuchen. Es ist mal wieder eine gewollte Dekonstruktion der letzten Lobpreisungen. Eine unnachahmliche zudem. Die Wertung ist an dieser Stelle ausnahmsweise mal nicht aussagekräftig, dort könnte auch eine 1 oder eine 10 stehen und es wäre genauso wahr. Die Melvins sind schlicht ein Unikat, die keine schlechten Alben machen, deren gute aber auch nicht unbedingt Gut sein müssen, sehr wohl aber in der richtigen Situation sein können. Alles klar soweit? Melvins eben.

Anspieltipps:

  • The Water Glass
  • Inhumanity And Death
  • Hospital Up
  • I’ll Finish You Off

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