Anathema - We´re Here Because We´re Here - Cover
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Anathema We´re Here Because We´re Here


  • Label: KScope/EDEL
  • Laufzeit: 58 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
7.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Engländer zeigen auf „We´re Here Because We´re Here“ eine nie da gewesene Nähe zum Art-Rock.

Gut Ding will Weile haben. Was haben sich die Herren und die nun fest als Bandmitglied integrierte Sängerin Lee Douglas Zeit gelassen. Sieben Jahre sind seit „A Natural Disaster“ ins Land gezogen, sieben Jahre mit immer wieder falschen Verheißungen, die das Warten zu einer unerträglichen Last machten. Das erste Lebenszeichen mit dem 2008 erschienenen Akustikalbum „Hindsight“ konnte die Wartezeit nicht nachhaltig abmildern. Die Enttäuschung, dass es immer noch kein neues Material gibt, hat die Oberhand gewonnen. Schluss mit den Standardinfos mit denen wahrscheinlich jede Kritik dieses Albums anfängt. Anathema beliefern uns endlich mit neuem Material und all die Ungeduldigen und die Nörgler brauchen erst gar nicht auf eine Erklärung der langen Abwesenheit zu hoffen, weil der Albumtitel in seiner ironisch simplen Art eine unschlagbare Antwort auf nahezu alles liefert. Wir sind hier, weil wir eben hier sind. Egal ob der Sinn der Musik oder des Lebens gesucht wird: We're here because we're here. Eine klare Aufforderung das Leben zu genießen, frei nach dem Motto: Sorge dich nicht, lebe!

Einmal das Cover betrachtet und es überkommt einen die Erinnerung an „A Fine Day To Exit“, als ob der Mann, der damals im Meer seinem Leben ein Ende bereiten wollte, es sich doch anders überlegt hat. Im Wasser ist eine neue Hoffnung in ihm aufgekeimt und er entsteigt dem kühlen Nass wie neugeboren. Die fast eine Stunde Musik vermittelt genau diese Botschaft, weil Anathema sich mehr als je zuvor von ihrem Ursprung entfernt haben. Kein düsterer Metal und auch keine morbiden Texte, vielmehr eine neue Philosophie mit Lebensmut, denn trotz gedrückter Stimmung ist die Hoffnung das prägnanteste Element. Der Blick wird nach vorne gerichtet und die Dinge des Lebens aus einer optimistischeren Sicht betrachtet. In dem gesprochenen Zwischenstück „Presence“ heißt es: „Life is not the opposite of death. Life is eternal.“

Musikalisch zeigen die Engländer eine nie da gewesene Nähe zum Art-Rock. Ihre Stücke klingen viel dichter, gefüllt mit so vielen neuen Elementen, ja geradezu orchestral („Universal“). An jeder Minute dieses Albums wurde lange gearbeitet, an jeder Ecke gefeilt bis alles eine runde Form angenommen hat. Gesangstechnisch hat sich Vincent Cavanagh sehr gesteigert. Er singt deutlich differenzierter. Lee Douglas ergänzt dabei Vincent sehr passend und verleiht den Songs eine eigene Färbung. Auf dem Album befinden sich fast ausschließlich hervorragende Songs, die alle eine intime Atmosphäre ausstrahlen. Die beeindruckende Entwicklung von Ballade zu Rockausbruch in „A Simple Mistake“ oder das emotionale, Gänsehaut verursachende „Angels Walk Among Us“ (von Ville Vallo ist nicht viel zu hören). Nicht zu vergessen das instrumentale Feuerwerk in „Hindsight“, die Ballade „Dreaming Light“ und noch so viel mehr.

Zunächst meint man zu erkennen, dass Anathema einen Hang zum zu langen leben von der aufgebauten Stimmung besitzt, aber das verflüchtigt sich wieder. Einige Songs hätten ein wenig kürzer ausfallen können, aber den Prog-Fan wird es wohl kaum stören. Übrigens hatte Mr. Steven Wilson einmal mehr seine Finger im Spiel und hat den Mix des Albums übernommen. Interessant wie zwei Bands einer ähnlichen musikalisch offenen Herangehensweise sich gegenläufig entwickeln können. Während Porcupine Tree sich in Richtung Metaleinschläge und Düsterkeit bewegt, hat Anathema von jenen Eigenschaften Abstand genommen. Bestes Anathema Album? Wenn es genug Zeit zur Entfaltung bekommt, vielleicht. Der Titel ist jedenfalls ein Understatement vom Feinsten und die Scheibe Anwärter auf Prog-Album des Jahres. „We're not just a moment in time...“

Anspieltipps:

  • A Simple Mistake
  • Angels Walk Among Us
  • Hindsight
  • Universal
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