The Haunted - Road Kill - Cover
Große Ansicht

The Haunted Road Kill


  • Label: Century Media/EMI
  • Laufzeit: 192 Minuten
Artikel teilen:
6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein souveränes Paket für The-Haunted-Jünger!

Wenn sich Anders Björler austobt, sieht das ungefähr so aus wie auf dem fetten 3 DVD-Package „The flames of the end“ (02/2010), wo der At The Gates-Mitbegründer und nunmehr bei The Haunted zockende Gitarrist seine Filmleidenschaft an einer zweistündigen Dokumentation auslassen durfte, die den Werdegang der einflussreichen Death Metal-Truppe bebildert. Um jedoch nicht ausschließlich in Nostalgie zu schwelgen, gibt es mit „Road kill“ jetzt eine ebenfalls von Björler inszenierte The Haunted-Doku über die unterschiedlichsten Themenkreise, die vor, während und nach einer Tour in den Mittelpunkt treten. Als mehr oder minder kleine Draufgabe gibt es zusätzlich (getrennt oder als CD/DVD-Doppelpack) ein Best Of in Liveform, garniert mit den sechs, bereits bekannten Promovideos zu „All against all“, „No compromise“, „The flood“, „The drowning“, „Moronic colossus“ und „Trenches“. Fanherz, was willst du mehr?

Die Antwort auf diese Frage müsste für eine amtliche Vollbedienung logischerweise „Nichts“ heißen, doch bei „Road kill“ liegt der Teufel im Detail und aus diesem Grund bleibt die Veröffentlichung nur den hartgesottenen The Haunted-Anhängern vorbehalten, die ihre Lieblinge beim Plaudern, Zusammensitzen und eher gelegentlichen Feiern beobachten wollen. Dabei ist der anfängliche Warnhinweis „This documentary is compiled from footage taken between 1999 – 2008. It´s a rough and non-glamorous presentation of life on the road.” durchaus vielversprechend und man erwartet sich eine feuchtfröhliche Stunde voll mit schlüpfrigen Witzen, kantigem Esprit und überbordendem Elan, bis sich nach etwa zehn bis fünfzehn Minuten der Verdacht erhärtet, mit dem rohen und wenig glamourösen Leben „on the road“ sind nicht pausenlose Exzesse und Ausschweifungen gemeint, sondern der eigentlich recht langweilige Ablauf hinter den Kulissen. Zumindest bei The Haunted.

„Road kill“ deswegen als überflüssig abzutun wäre trotzdem Blödsinn, denn an und für sich ist die Dokumentation, bei der nicht nur Peter Dolving (Gesang), Patrik Jensen (Gitarre), Jonas Björler (Bass), Per Möller Jensen (Schlagzeug) oder Mitglieder anderer Bands (Funeral For A Friend, Darkest Hour, Lyzanxia, Killswitch Engage, Municipal Waste, Soilwork) Wortmeldungen abliefern, sondern auch bereits ausgestiegene Member wie Ex-Sänger Marco Aro, Soundmixer oder Bühnentechniker das Mikrophon in die Hand gedrückt bekommen und über „Partying“, den Tourbus-Mikrokosmos, Essen, Hygiene, spezielle Feierlichkeiten oder dem Leben bei The Haunted plaudern dürfen, zumindest als „Sekundärliteratur“ interessant. So erfährt man unter anderem, dass es beim Ozzfest ein wenig wie bei der Einwanderungsbehörde zugeht und der dicht gedrängte Terminplan bisweilen an ein Boot Camp erinnert, es nichts besseres gibt als sich mit Fernsehen und Videospielen auf Tour die Zeit zu vertreiben oder Interviews aufgrund der immergleichen Fragen ganz schön nerven können. Nackte Titten, Ärsche oder minutenlanges Gerülpse sind demzufolge woanders zu suchen (z.B. bei Black Dahlia Murders „Majesty“) und der nüchterne bzw. schon fast melancholische Stil der Doku, der lediglich mit kurzen Livemitschnitten aufgepeppt wird, sowie das hauptsächlich in Schwedisch mit englischen Untertiteln gebotene Material, dürfte wohl nicht jedermanns Sache sein.

Der die komplette Diskographie von The Haunted umfassende Live-Querschnitt, der auf der DVD mit neun Songs plus dem Intro „Premonition“ zu Buche schlägt und auf CD sogar eine ganze Stunde läuft, ist hingegen weniger zwiespältiger Natur. Die Schweden jagen ein kompaktes Set durch den Äther, rufen zum Moshen („Hate song“, „Faultline“, „Tresspass“) und Birne schütteln („Moronic colossus“, „D.O.A.“, „Trenches“) auf und liefern mit der Aufzeichnung aus dem Amsterdamer Melkweg einen unverfälschten Mitschnitt, bei dem weder das minutenlange Geschwafel von Dolving, noch frenetisches Fanfeedback rausgeschnitten wurde. Die anschließenden fünf Bonustracks ordnen sich kompositorisch dann entweder beim groovenden „The dead eye“ („Sacrifice“) ein oder könnten von einer Studiosession der bislang letzten, härter agierenden Scheibe „Versus“ („Meat wagon“, „Walk on water“, „Seize the day“) stammen. „Infernalis mundi“ hingegen ist nur ein zähes, 44 Sekunden langes Outro und somit ein vergessenswerter Platzverschwender. All das macht „Road kill“ zu einem souveränen Paket für The-Haunted-Jünger, eine Offenbarung sollte man sich allerdings nicht erwarten.

Anspieltipps:

  • The Flood
  • Hate Song
  • Bury Your Dead
  • Moronic Colossus
Neue Kritiken im Genre „Thrash Metal“
7/10

Seasons Of The Black
  • 2017    
6/10

The Devil Strikes Again
  • 2016    
Diskutiere über „The Haunted“
comments powered by Disqus