The Pineapple Thief - Someone Here Is Missing - Cover
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The Pineapple Thief Someone Here Is Missing


  • Label: Kscope/EDEL
  • Laufzeit: 45 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
7.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Letztes Mal habe ich sie noch in Schutz genommen. Nein, habe ich geschrieben, The Pineapple Thief sind kein Porcupine Tree Klon, denn der kreative Schöpfer Bruce Soord schreibt viel subtilere Musikstücke. Sie lassen die Katze nicht einfach so aus dem Sack, sondern öffnen diesen einen Spalt breit nur für kurze Momente. Der wilde Blick des Vierbeiners (eigentlich 4x Zweibeiner) ist kurz zu erhaschen aber er bekommt nicht die Gelegenheit auszubüchsen und sein Unwesen zu treiben. So viel zur grauen Theorie von früher. Die Praxis von heute spricht eine ganz andere Sprache, denn die Ananasdiebe packen eine ordentliche Portion Härte und Dynamik in viele der neuen Stücke. Ist das jetzt die New Wave Of British Heavy Prog-Rock?

Der Auftakt gerät mit dem treibenden, geradeaus rockenden „Nothing At Best“ sehr simpel und untypisch, aber verfehlt seine Wirkung nicht, da seine neue Härte den Hörer regelrecht mit offenem Mund vor der Stereoanlage zurück lässt. Vorbei ist es mit typisch seichten Albumopenern. Zur kurzzeitigen Kieferschließung gibt es mit „Wake Up The Dead“ deutlich mehr Elektronik, bevor das Rockgewitter dann doch noch losbricht. Die Toten sind sicherlich aufgewacht, werden aber gleich mit einer typischen Ballade dieser Band wieder beruhigt. Die Reihenfolge der Musikstücke ist gezielt kontrastreich gewählt mit einem ständigen Auf und Ab. Zum Einschlafen jedenfalls ungeeignet. Schon eher etwas für morgens, um das Gesicht vor dem Fall in die Müslischüssel zu schützen.

Die größten Momente der Scheibe finden sich in „Preparation For Meltdown“, einer genialen Verzahnung vieler Facetten dieser Band zu einem Musikstück voller Dramaturgie und Dynamik, sowie einem kunstvollen Anschwellen eines Motivs in „So We Row“, welches subtilen mit druckvollem Prog-Rock vereint. Viele Songs hören sehr abrupt auf. Wurde hier etwa eine Verkürzungskur angewandt? Die längsten zwei Stücke des Albums bewegen sich bei einer 8-Minuten-Marke und das ist doch nichts für The Pineapple Thief. Einen 27minütigen Titel wie „What Have We Sown?“ zaubert Herr Soord natürlich nicht bei jedem Album aus dem Hut, aber ein typischer Longtrack fehlt diesmal. Dieser Umstand lässt die Silberscheibe nicht nur kurz erscheinen, sie ist es tatsächlich für The Pineapple Thief Verhältnisse. Sei es darum, so dürfte die Neigung zum wiederholten Konsum deutlich steigen.

„Someone Here Is Missing“ - in der Tat, es fehlt der Melancholiker, denn das Album trieft nicht mehr so vor Melancholie wie seine Vorgänger. Es ist rebellischer und strotzt vor neuer Kraft. Wie ein dunkler Begleiter, der versucht seine Traurigkeit immer wieder abzuschütteln, der immer wieder aus der Nörgelei ausbricht um auch mal zu leben. Passend dazu verbirgt sich hinter den Post-it Zetteln des von Storm Thorgerson inszenierten Covers natürlich Bruce Soord. Ist dieses Album nun der erste Schritt in eine neue Richtung oder nur eine Phase? Eins ist klar, weder Stillstand noch Ideenarmut kann den Engländern vorgeworfen werden. Die neue Härte steht den Ananasdieben gut zu Gesicht, auch wenn sie den eingefleischten Fans eher ein Dorn im Auge sein wird. Ich nehme die Herren Soord, Skyes, Harrison und Kitch weiterhin nicht nur in Schutz, sondern empfehle sie aus Überzeugung.

Anspieltipps:

  • Preparation For Meltdown
  • So We Row
  • Someone Here Is Missing
  • 3000 Days

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