Exodus - Exhibit B: The Human Condition - Cover
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Exodus Exhibit B: The Human Condition


  • Label: Nuclear Blast/WEA
  • Laufzeit: 74 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
7/10 Leserwertung Stimme ab!

Eine Stunde lang zelebrierten Exodus auf „The atrocity exhibition: Exhibit A“ (10/2007) feinsten Old School Thrash Metal in modernem Gewand, pausierten dann für zehn Minuten und schoben eine Country-infizierte Fassung ihres Klassikers „Bonded by blood“ nach, die unter dem Titel „Banjoed by blood“ einen Heidenspaß machte. Der etwas länger als veranschlagt in Entwicklung befindliche Nachfolger „Exhibit B: The human condition“ (sollte schon Anfang 2008 in den Läden stehen) hat derartige Scherze nicht zu bieten. Ganz im Gegenteil, das neunte Riffmassaker von Rob Dukes (Gesang), Gary Holt (Gitarre), Lee Altus (Gitarre), Jack Gibson (Bass) und Tom Hunting (Schlagzeug) prügelt jedem Individuum die Seele aus dem Leib, rammt es ungespitzt in den Boden und pisst letzten Endes noch ungeniert auf die zerschmetterten Überreste. Bei dem neuen Silberling aus Kalifornien nicht von einem überdimensionalen Blutbad zu sprechen, wäre also eine glatte Untertreibung

„Our goal in Exodus is just basically to defy time, to defy age, to have every album just get more furious and more angry and more intense“ gibt Gary Holt zu Protokoll und trifft damit den Nagel auf den Kopf. „Exhibit B: The human condition“ ist die aggressivste, brutalste und intensivste Erfahrung, die in den letzten Jahren im Genre unternommen werden konnte. Bei all dieser Zerstörungswut räumen sich Exodus allerdings mehrere Längen ein, die der Vorgänger durch unterschiedliche Geschwindigkeitsbegrenzungen zu umfahren wusste, was dort wiederum in ein limitiertes Riffarsenal gipfelte, das dieses Mal gehörig aufgestockt wurde. Was die Herrschaften Holt und Altus dieses Jahr ihren Äxten entlocken, ist nämlich (wie sonst auch) nicht nur technisch über jeden Zweifel erhaben, sondern wird außerdem mit einer Hingabe präsentiert, das es jedem angehenden Saitenzupfer das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt.

Einen ordentlichen, aber stets im Schatten von Holt und Altus bleibenden Job verrichtet hingegen Drummer Hunting, der das Dutzend Songs durchaus stimmungsvoll mit seinen Fellen bearbeitet, aber eben auch keine herausragenden Meisterleistungen abliefert. Im Gegensatz zum angepissten Geschrei von Dukes, das endlich mit mehreren Nuancen außer „aggressiv“ und „noch aggressiver“ aufwarten kann und in Stücken wie „Downfall“, Democide“ oder „Nanking“ sogar melodische Stimmfärbungen besitzt, während in „The sun is my destroyer“ noch einige derbe Growls hinzustoßen. Bassist Gibson komplettiert den druckvollen Reigen mit feinen, bodenständigen Licks, sorgt aber eher für den tieftönenden Kick in den zwölf Abrissbirnen anstatt außergewöhnliche Akzente zu setzen.

Einen Sprung nach vorne haben zudem die Lyrics gemacht, die sich nach der religiösen Tendenz vom Vorgänger (z.B. „Man creates the god and the god destroyes the man“ aus „Iconoclasm“) einer anderen, allseits bekannten Seite des Menschen angenommen haben: Seiner Tendenz zu Brutalität, Grausamkeit, Unmenschlichkeit und Ignoranz. Dies wird nicht nur stimmig am Cover als alternative Fassung des vitruvianischen Menschenbildes von Leonardo Da Vinci thematisiert, sondern in weiterer Folge mit Nummer wie „Nanking“ (über das Massaker vom 13.12.1937, wo zigtausende Kriegsgefangene und Zivilisten ermordet und etwa 20.000 Mädchen und Frauen vergewaltigt wurden), „Democide“ (übersetzt bedeutet es soviel wie Völkermord und ist dahingehend selbsterklärend) oder dem keine weiteren Erläuterungen bedürfenden „Burn, Hollywood, burn“ behandelt.

„Exhibit B: The human condition“ ist formal gesehen ein ordentlicher Schritt nach vorne für die Bay Area Thrasher geworden, schrammt aber durch etwas behäbigen Songaufbau in einigen Nummern an der Höchstnote vorbei. Gibt es mit der nächsten Abrissbirne dann das Songwriting von „Exhibit A“ und ähnlich geniale Riffkanonaden wie auf „Exhibit B“ dürfen wir uns für „Exhibit C“, oder wie der nächste Output der Kalifornier auch immer heißen mag, auf ein Thrash-Manifest freuen, das alle anderen Genre-Vertreter nur noch Staub fressen lässt. Zum Abschluss hat Shouter Duker noch ein paar passende Worte aus dem Albumender parat: „Good riddance, goodbye / So long to this fucking world, sit back and watch it fry!”

Anspieltipps:

  • Nanking
  • Downfall
  • Democide
  • Good Riddance
  • March Of The Sycophants

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