Lena - My Cassette Player - Cover
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Lena My Cassette Player


  • Label: Usfo/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 43 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
7.8/10 Leserwertung Stimme ab!

In der Kürze der Zeit entstand ein locker-flockiges Popalbum, das offenbar auf Lenas musikalischen Geschmack zugeschnitten wurde.

„Unser Star für Oslo” ist gefunden und ganz Deutschland steht kopf. Und wieder einmal hat Stefan Raab (43) seine Finger im Spiel gehabt, wenn es darum geht, ein neues Gesicht und eine neue Stimme für die hiesige Musiklandschaft zu finden. Nach Max Mutzke und Stefanie Heinzmann ist es diesmal die 18jährige Schülerin Lena Meyer-Landrut aus Hannover, die eine besondere Vorliebe für Musik britischer Herkunft zu haben scheint, wie man bereits während ihrer TV-Casting-Auftritte erkennen konnte, als sie u.a. Songs von Kate Nash, Paolo Nutini und Adele coverte – und das Ganze mit einem ebenso eigenartigen wie charmanten englischen Akzent tat, dass sich der geneigte Hörer verwundert am Öhrchen kratzte.

Unser Song für Oslo ist der Titel „Satellite“ aus der Feder von Julie Frost und John Gordon (u.a. Michelle Hunziker, Fady Malouf, Mike Leon Grosch), die damit einen Song präsentieren, der mindestens fünf Anläufe benötigt, um irgendwie ins Gedächtnis zu gelangen. Ist diese Hürde aber erst einmal geschafft, entwickelt das Stück echte Ohrwurmqualitäten, zumal es sich nicht um ein rund gelutschtes Nummer-Sicher-Lied handelt, sondern tatsächlich etwas Abwechslung im Pop-Einerlei bietet. Zusammen mit der eigenwilligen Performance von Lena Meyer-Landrut ergibt dies einen verdienten Hit – und vielleicht auch eine Rehabilitation beim Grand Prix in Oslo.

Gedanken machen muss man sich schon eher um das erste Album von Lena Meyer-Landrut machen, das wie bei jedem Casting-Act in Rekordzeit entstanden ist und im schlimmsten Fall aus einer ganzen Batterie an Lückenfüllern besteht. Dass der Löwenanteil der Produktion zudem auf die Kappe von Stefan Raab geht, trägt ebenso wenig zur Beruhigung bei. Doch mit dem Charisma der jungen Gesangsnovizin, einem guten Händchen für Coverversionen – „My same” (im Original von Adele), „Mr. Curiosity” (Jason Mraz) sowie „Not following” (extra von Ellie Goulding für Lena geschrieben) – sowie einem Stefan Raab, der sich mit seinen Kompositionen keinen Ausrutscher leistet, gerät „My Cassette Player“ nicht zu dem Fiasko, das es hätte werden können. Ganz im Gegenteil!

In der Kürze der Zeit entstand ein locker-flockiges Popalbum, das offenbar auf Lenas musikalischen Geschmack zugeschnitten wurde, der sich u.a. an Kate Nash orientiert. Die Kompromisslosigkeit der britischen Kollegin erreichen Lenas Songs zwar nicht, aber mit Titeln wie „I like to bang my head“, „Touch a new day“ und „I just want your kiss“ befinden sich durchaus weitere Singlekandidaten auf der Platte. Mit der Single-B-Seite „Love me“ und der Ballade „Caterpillar in the ran“ unterstreicht Lena zudem ihr Gesangstalent, mit dem sie nicht zum Stimmwunder erklärt wird, aber im Pop-Business eine überzeugende Vorstellung abliefern kann.

Kleine Jugendsünden in Form von diversen Auftritten als Komparsin in Trash-TV-Sendungen wie „Richter Alexander Hold“ oder „K 11 – Kommissare im Einsatz“ (inklusive viel nackter Haut!) verzeiht man der 18-Jährigen gerne, zeigen sie doch, dass hier jemand offensichtlich ganz heiß auf das Showbusiness ist – und dieses durchaus bereichern kann. Also sollten wir uns alle locker machen und den Rummel um Lena Meyer-Landrut nicht überbewerten. Fazit: Auch wenn ein Album wie „My Cassette Player“ im Grunde harmlos ist, hat es mehr Charme und Leben als jede einzelne Veröffentlichung eines DSDS-Siegers.

Anspieltipps:

  • Satellite
  • Love me
  • Mr. Curiosity
  • Touch a new day
  • I just want your kiss

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