Taproot - Plead The Fifth - Cover
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Taproot Plead The Fifth


  • Label: Victory Records
  • Laufzeit: 40 Minuten
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3/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Taproot waren mal so etwas wie die Rettung des Nu-Metal oder anderes ausgedrückt der Kapitän auf einem sinkenden bzw. bereits untergegangenen Schiff. Nach ihrem Durchbruch in den amerikanischen Charts mit „Welcome“ (11/2002) und dem darauffolgenden, ambitionierten „Blu-Sky research“ (08/2005), das sich unter anderem Billy Corgan als unterstützenden Songschreiber schnappte, war der Höhenflug jedoch erst einmal beendet. „Our long road home“ (09/2008) erschien nicht mehr beim Majorlabel Warner und künstlerisch zeigte man sich ebenfalls von einer geschwächten Seite. „Plead the fifth“ soll nun alte Tugenden reaktivieren und Stephen Richards (Gesang, Gitarre), Mike DeWolf (Gitarre), Phil Lipscomb (Bass) und Jarrod Montague (Schlagzeug) eine fulminante Rückkehr bescheren.

Bevor die letzte Sekunde vom aufgekratzten, wild um sich schlagenden Opener „Now rise“ verklungen ist, fragt man sich allerdings, wo die feinsinnigen Melodien und das sensible Gespür für großartige Melodiebögen hin verschwunden ist, das Nummern wie „Fault“, „Poem“, „Violent seas“, „Forever endeavour“, „April suits“ oder „Lost in the woods“ hervorgebracht hat. Die Riffs fetzen einem um die Ohren, Richards schreit ohne jeglichen Tiefgang ins Mikro und ansonsten wütet ein unbarmherziges Massaker aus den Boxen, das im anschließenden „Game over“ sogleich seine Fortsetzung findet, auch wenn ein besänftigender, mehrstimmiger Refrain das aggressive Korsett sprengen will und letztendlich unter Anstrengung zusammenbricht.

Glücklicherweise schicken Taproot „Fractured (Everything I said was true)“ als erste gelungene Komposition ins Rennen, die sofort einen Stammplatz im Gehörgang beansprucht, während „Release me“ ähnliche Tendenzen verfolgt, „Stolage“ und „911 Ost“ mit ermüdender Laut/Leise-Dynamik punkten wollen, aber keine ausreichenden Gründe dafür liefern und „Trophy WiFi“ erneut als tiefenlastiger Rammbock sämtliche Häuserblöcke in Schutt und Asche legen will, jedoch bereits am Fundament scheitert. Rock mit etwas stärker aufgedrehten Stromgitarren bieten Taproot dann mit „Words don´t mean a thing“ an, rennen gegen die nächste überfrachtete Wall Of Sound („Left behind“) und irren zum Abschluss ziel- („Stares“) und zahnlos („No view is true“) umher.

Bei aller Liebe zu den früheren Alben der Ann Arbor-Truppe, aber „Plead the fifth“ ist nicht nur ein extremer Schuss in den Ofen geworden, der zudem die scheinbare Unfähigkeit der Truppe an den Pranger stellt im neuen Jahrzehnt etwas von Relevanz zu Tage zu fördern, sondern lässt auch daran zweifeln, ob eine durchwegs hervorragende Platte wie „Blu-sky research“ nicht eher ein Glücksgriff war denn wirkliches Können. Hiermit ist jedenfalls der letzte würdige Vertreter aus der ausklingenden Hochzeit des Nu-Metal gefallen. Ob das bedauert wird, bleibt jedem selbst überlassen.

Anspieltipps:

  • Release Me
  • Words Don´t Mean A Thing
  • Fractured (Everything I Said Was True)

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