Orphaned Land - The Never Ending Way Of ORwarriOR - Cover
Große Ansicht

Orphaned Land The Never Ending Way Of ORwarriOR


  • Label: Century Media/EMI
  • Laufzeit: 78 Minuten
Artikel teilen:
8/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Orphaned Land aus Israel ist wohl eine der wenigen Bands, die neben der musikalischen Bedeutung noch eine nicht minder wichtige, weltpolitische ansprechen. Die einzigartige Verknüpfung von arabischen Instrumenten und der jüdisch geprägten Musik Israels, gemeinsam mit althergebrachtem Progressive Metal, der wiederum eine Mischung aus Death, Doom und Folk Metal beinhaltet, betritt nämlich auf der Metaebene den andauernden Glaubenskrieg zwischen diesen beiden Richtungen und verbindet diese als friedliche Koexistenz miteinander. Wer jetzt glaubt, dass die Band von Kobi Farhi (Gesang, Growls, Erzählungen), Matti Svatizky (Gitarre), Uri Zelha (Bass) und Yossi Sassi Sa´aron (Gitarre, Saz, Bouzouki, Chumbush, Piano) dort keine Beachtung findet, der irrt. Orphaned Land sind z.B. im mittleren Osten wahrscheinlich die bekannteste Metalformation und wollen mit ihrem vierten Longplayer „The never ending way of ORwarriOR“ den künstlerischen Siegeszug fortsetzen, der bereits vor sechs Jahren mit „Mabool: The story of the three sons of seven“ (02/2004) große Wellen geschlagen hatte.

Den Nachfolger zu einem fast einheitlich als Meisterwerk titulierten Album zu schreiben, fällt mit Sicherheit alles andere als leicht und auch die vier Israeliten wollten ihren Fans erneut keinen Schnellschuss liefern. 600 Stunden im Studio, etliche Monate im Songwritingprozess und langwierige Feinabstimmungen später liegt mit „The never ending way of ORwarriOR“ nun ein wahrhaft monumentales, grenzenüberschreitendes Werk vor, dessen Vielfalt und verzwickte Ader den Hörer beim ersten Durchgang regelrecht erschlägt. Dass Orphaned Land die in drei Abschnitte geteilte Geschichte rund um den Kampf des Kriegers des Lichts (der Orwarrior) gegen die Dunkelheit mit mehreren verschachtelten Longtracks beginnen lässt, hilft beim Erschließen dieses 78-minütigen Epos ebenfalls recht wenig und so heißt es erst einmal Herr über die verschiedenen Eindrücke und Ingredienzen zu werden.

Im Vergleich zur Exodus-Nacherzählung mit Hörspielcharakter „Slaves for life“ (06/2008) der ebenfalls israelischen Truppe Amaseffer, haben Farhi & Co. jedoch einen anderen Weg eingeschlagen und lassen lieber Instrumente wie Shofar (ein Horn, das im Judentum Anwendung findet), Santur (eine Art Hackbrett), Saz (eine türkische Laute), Bouzouki (eine Langhalslaute aus Griechenland), Chumbush (eine türkische Gitarre mit kreisrundem Korpus) oder Flöten statt längerer Spoken Word-Einlagen sprechen und beschränken sich auf kurze, soundtrackartige Collagen oder einen stärker in den Vordergrund gemischten Sprecher, der wichtige Stationen der Geschichte kommentiert. Zusammen mit neun Sessionmusikern, darunter Porcupine Tree-Vorstand Steven Wilson, der für das Album die Keyboards und die Produktion übernahm, sowie dem Nazareth Arabian Orchestra weben Orphaned Land einen farbenfrohen bis düsteren Klangbogen, dessen langer Entstehungszeitraum in fast jeder Sekunde hörbar wird.

Die fünfzehn, teilweise in Englisch, Hebräisch, Arabisch und Jemenitisch dargebotenen Stücke sind demzufolge kein Fastfood für zwischendurch, sondern benötigen die volle Aufmerksamkeit. Abgesehen von traditioneller jüdischer und arabischer Folklore, die die meisten Kompositionen mit Wiedererkennungswert ausstattet und sie von ähnlich gelagerten Metal-Veröffentlichungen abgrenzen lässt, bietet vor allem die Sängerin Shlomit Levi, die in den Stücken „New Jerusalem“, „Sapari“, „The warrior“ oder „In thy never ending way (Epilogue)“ zwar nicht unaffektiert, aber mit keineswegs übertriebener Stimmfärbung eine solide Performance leistet, den nachhaltigsten Eindruck. Die Growls von Farhi sind nämlich meist nicht mehr als schmückendes, abstraktes Beiwerk oder dienen lediglich dazu den Death Metal-Aspekt deutlicher hervorzukehren.

Über einen längeren Zeitraum richtig flott zur Sache wie in „Codeword: uprising“ geht es ziemlich selten, da der Vierer ein ausgewogenes Verhältnis aus Atmosphäre, Tempo und Soundtrack-Kulisse im Auge hatte, dass allerdings nach dem starken Auftakt mit „Sapari“ oder „The path part 1 – Treading through darkness“ im Mittelteil etwas flöten gegangen scheint, denn hier mäandern viele Ideen umher, treffen sich jedoch nicht auf einen gemeinsamen Nenner. Dafür ziehen Orphaned Land im hinteren Drittel die Daumenschrauben wieder an, verkürzen die Länge der Songs und beschließen ihr Epos über den Kampf zwischen Licht und Dunkelheit mit einer besänftigenden Pianomelodie im Epilog „In thy never ending way“. Alles in allem ist „The never ending way of ORwarriOR“ ein ambitioniertes Werk einer herausragenden Band, die mit ihrer Musik religiöse und musikalische Grenzen einreißen will und das zwar nicht ohne Längen, dafür mit viel Herzblut und Hingabe erreicht.

Anspieltipps:

  • Sapari
  • Barakah
  • Olat Ha Tamid
  • New Jerusalem
  • The Path Part 1 – Treading Through Darkness
Neue Kritiken im Genre „Progressive Metal“
Diskutiere über „Orphaned Land“
comments powered by Disqus