Wintersleep - New Inheritors - Cover
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Wintersleep New Inheritors


  • Label: One Four Seven Records/SOULFOOD
  • Laufzeit: 54 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein Songwriting, das im weitläufigen Feld des Indie-Rocks derzeit seinesgleichen sucht.

Bereits im Jahre 2001 gegründet, konnten die Kanadier von Wintersleep in Deutschland mit dem dritten Album „Welcome To The Night Sky“ zumindest in Indie-Kreisen von sich reden machen. Neben Festivals und Club-Konzerten bejubelte auch so manches Printmagazin die Herren mit einem Platz in der Jahresbestenliste aus 2009. Dabei erschien dieses maßgebliche Werk, ihm zuvor kamen noch „Wintersleep“ sowie „Untitled“, in den USA und Canada bereits 2007. Doch gut Ding will Weile haben und zu der späteren, hiesigen Veröffentlichung kam noch ein immenser Suchtfaktor, der zum Beispiel durch die Songs „Oblivion“ oder „Weighty Ghost“ so gar nicht weichen wollte.

Also hat man noch die Großartigkeit von „Welcome To The Night Sky“ im Kopf, das Album vielleicht sogar noch auf Dauereinsatz in der Stereoanlage und schon kommt Nachschlag in Form von „New Inheritors“, dem vierten Album, welches Wintersleep neue, prächtige Türen aufstößt. In Montreal aufgenommen und von Tony Doogan (Mogwai, Malcolm Middleton, Dirty Pretty Things) im schottischen Glasgow gemischt, erstaunt „New Inheritors“ erst einmal. Dunkler und ausgedehnter im Sound erklingen beim ersten Hören noch wenige herausstechende Songs, von Ausnahmen abgesehen, dafür aber ein mit kraftvollen Streicher- und Bläser-Arrangements wohl dosierter, komplexer Klang, der in seiner weit ausholenden Art überzeugt.

Keineswegs die stets charismatischen Songs zwischen Indie-Rock und reibungsfreudigem Folk mit Hymnenfaktor und der unglaublichen Wirkung von Paul Smiths Stimme in den Hintergrund rückend, haben Wintersleep eine Mischung gefunden, deren schlüssiges Ergebnis sogar noch den Vorgänger überstrahlt. Fängt „Encyclopedia“ noch als Orgel-Rocker mit zwingendem Gitarren-Einsatz und der typischen, einen umarmenden Wirkung an, wird das Tempo überraschend gedrosselt, die Rhythmik verschoben und kurzzeitig virtuose Klassik geboten, um gleich danach munter die Dringlichkeit weiter voranzutreiben.

Während der Titelsong sonnig durchflutet entspannt seine Ausstrahlung auch nach dem x-ten Hören nicht verliert, drängt sich „Black Camera“ förmlich für die ohnehin schon gut bestückte Song-Galerie im Hause des Quintetts auf. Gerade weil er es sich nicht einfach macht, sondern tief verschlungen dunkle, melodische Gitarren neben Chor-Gesang und Smiths Stimme stellt, mit Sound-Collagen und psychedelischen Breaks pausiert, um dennoch voller Wucht ins Schwarze zu treffen, wie das gesamte Album. Ein Fest aus Akustik- wie E-Gitarren, wirbelnden Drums, wundervollem Orgel-Sound, wichtigen aber nie dem Rock die Hartnäckigkeit raubenden Streicher-Beigaben und ein Songwriting, das im weitläufigen Feld des Indie-Rocks derzeit seinesgleichen sucht.

Anspieltipps:

  • Encyclopedia
  • New Inheritors
  • Black Camera
  • Mausoleum

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