Phosphorescent - Here´s To Taking It Easy - Cover
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Phosphorescent Here´s To Taking It Easy


  • Label: Dead Oceans/CARGO
  • Laufzeit: 45 Minuten
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9.5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Mit seinem neuen Album „Here’s To Taking It Easy” hat Matthew Houck, der unter dem Namen Phosphorescent veröffentlicht, nicht weniger als einen Americana-Klassiker vollbracht. Das wird schon beim ersten Hören des Openers „It’s Hard To Be Humble (When You’re From Alabama)“ klar. Die Erwartungshaltung ist groß nach so einem Song und kaum ein Interpret schafft es ein solch hohes Niveau über die lange Distanz zu halten. Hier jedoch ist jeder einzelne Titel ein wertvoller Edelstein.

Matthew Houck wurde in Alabama geboren und lebt nun, nach einem Zwischenstopp in Athens, Georgia, in New York City. Als er beim Farm Aid 2009 mit Willie Nelson, Neil Young und Wilco auftrat, ging für ihn ein Traum in Erfüllung. Außerdem tourte er mit den Bowerbirds, Akron/Family und Deer Tick.

Phosphorescents „Pride“ (2007) war persönlich und eindringlich, das wundersame “To Willie” (2009) Hommage (an Willie Nelson) und außerordentliche Interpretationskunst. Das aktuelle “Here’s To Taking It Easy” ist ein Meisterwerk, man muss das so sagen, denn anders wird man diesen neun Songs nicht gerecht. Wenn das Adjektiv ‚zeitlos’ jemals Sinn im Kontext der Musikrezension gemacht hat, dann hier. Da steckt Herzblut selbst im noch so kleinsten Äderchen drin, jede gespielte Note ist so frisch, luftig und leicht, dass man den Sauerstoffmolekülen beim Tanzen zusehen kann.

Nach oben erwähntem „It’s Hard To Humble“, das einen in den Glauben versetzt The Band wäre 2010 in Form von Phosphorescent wiedergeboren, dringt „Nothing Was Stolen (Love Me Foolishly)“ als harmonisches Gesangs- und Klangparfum in die Ohren, das nur mit der hohen Kunst der Komposition und Inspiration zu erklären ist und das Erstaunliche: dies gilt für alle Songs! Auf „We’ll Be Here Soon“ wähnt man sich an einer frisch sprudelnden Quelle, in der das Sonnenlicht reflektiert und „The Mermaid Park“ ist von märchenhafter Schönheit. Die traumwandlerische Herrlichkeit, die Jesse Anderson Ainslie (Gitarre) und Ricky Ray Jackson (Pedal Steel) mit den Saiten herbeizaubern, ist mit der Kunst der ganz Großen gesegnet. Bei einem Song wie „I Don’t Care If There’s Cursing“ weint man vor Glück, nicht nur weil hier die besten Zutaten eines Gram-Parsons- und Van-Morrison-Songs aufeinandertreffen, sondern Phosphorescent immer ganz nach sich selbst klingen. Wie zum Beweis lassen sie „Tell Me Baby (Have You Had Enough)“ in der Luft schweben, sanft geerdet vom relaxt federnden Bass (Jeff Bailey) und Schlagzeug (Chris Marine).

Lässt sich das noch steigern? Nein, denn das Niveau ist von gleichbleibender Höhe, der Spannungsbogen des Albums zieht wie eine Karawane am Horizont weiter und „Hej, Me I’m Light“ ist pure Spiritualität, die mit ihrer Schwester namens Gelassenheit spazieren geht. Darf man das Gospel-Africa-Americana nennen? Bevor man die Frage zu Ende denkt, umschlingt uns wieder die unwiderstehliche Pedal Steel, entführt uns mit „Heaven, Sittin Down“ in den Cosmic American Country Himmel, wo Scott Stapeltons Piano wieder diese funkelnden Pianotakte vorführt, die so typisch für einige Van Morrison Alben der 1970er waren. Als Seelenverwandte gelten auch Iron And Wine sowie Bon Iver. Das beinahe neunminütige Finale „Los Angeles“ versetzt einen in den Glauben, dass Neil Youngs Stray Gators und Crazy Horse gemeinsam zu den Sternen greifen. Matt Houck singt (wie bei allen Songs) so beseelt, inspiriert und zärtlich, dass Schmerz und Leid in Freud und Gold fließen

Aufgenommen wurde „Here’s To Taking It Easy“ in Brooklyn. Es mag seltsam klingen, aber in New York schlägt von nun an das schönste aller Americana-Herzen. Diese Album ist ein Wunder, ein strahlend blauer, magischer Himmel mit güldner Sonne und im Americana Genre das Album des Jahres 2010. Im Namen des Youngs, des Morrisons und des heiligen Bobs. Amen!

Anspieltipps:

  • Nothing Was Stolen
  • I Don’t Care If There’s Cursing
  • Hej, I’m Light
  • Los Angeles

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