Pain Of Salvation - Road Salt One - Cover
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Pain Of Salvation Road Salt One


  • Label: InsideOut/EMI
  • Laufzeit: 51 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Pain Of Salvation zeigen sich einmal mehr als Innovatoren, die keinen Stillstand dulden.

Liebe Prog-Metaler, falls ihr euch angesprochen fühlt und diese besondere schwedische Band nicht schon bei ihrem letzten Werk „Scarsick“ abgeschrieben habt, dann werdet ihr es diesmal mit großer Sicherheit tun. Wollt ihr auch wissen wieso? Ganz einfach, auf der neuen Scheibe von Pain Of Salvation werdet ihr weder Metal noch Prog finden. Zugegeben, Metal spielen die Jungs schon lange nicht mehr, aber so ruhig ging es noch nie zu. Der lauteste Song ist der Titeltrack von der „Linoleum“ EP, der ebenfalls seinen Weg auf „Road Salt One“ gemacht hat. Falls euch das alles nicht abschrecken kann, willkommen in der großen bunten Welt von Pain Of Salvation.

Daniel Gildenlöw leitet in seiner Musik in gewisser Hinsicht die Bedeutungen des Wortes progressiv her. Angefangen bei den typischen Stilmerkmalen des Prog-Metal („Entropia“) und später Prog-Rock („The Perfect Element“) hin zur Deutung als Komplexität („Be“) und nun zum Ursprung, der ständigen musikalischen Weiterentwicklung und der Vielfalt. Erstaunlich ist, dass die Vorgehensweise ähnlich wie auf dem Vorgänger „Scarsick“ ist. Es wird eine möglichst große Bandbreite aufgefahren, nur bewegt sich diese in einem völlig anderen musikalischen Rahmen. War es auf dem letzten Werk Prog-Rock mit Einflüssen aus Hip-Hop, Disco, West-Side-Story und vielem mehr, sind es diesmal vor allem Balladen, die mit Blues, Rock und auch französischem Chanson angereichert wurden.

Gleich zwei Songs bleiben besonders im Gehörgang kleben. Die Rocknummer „Curiosity“ mit ihrem lang gezogenen Refraingesang und „Tell Me You Don't Know“, ein Blues basierter Song mit Akustikgitarre, der mit simplen aber eingängigen Akkorden und einem aufgekratzten Gesang überzeugt. Interessant ist „Sleeping Under The Stars“, das mit seinem ungewöhnlichen Musikstil (französisches Chanson), durch Bläser punktierte Töne und der Thematisierung von Sex eine gewisse Analogie zu „Disco Queen“ aufweist. Mastermind Gildenlöw hat einen Drang zu neuen Ufern, er ist stets auf dem Pfad neuer musikalischer Lösungen. Immer wieder scheint er seine Fans zu fragen, wie offen sie für neues, anderes, unerwartetes sind. Ohne Frage ist seine Gesangsleistung mal wieder grandios, unglaublich intensiv und intim, wie in dem nur von Rhodes Piano untermalten „Road Salt“, einem im schwedischen Vorentscheid für den Eurovision Song Contest vorgetragenen Stück, das von einem von Selbstzweifel zerfressenem Wanderer erzählt.

Vieles auf dem Album ist wohl aus spontanen Kopfgeburten entstanden, die nicht durch Komplexität verbaut wurden, sondern ihre nackten Intentionen darbieten. Hat der Sparzwang nun auch Pain Of Salvation erreicht? Ist deshalb der Songaufbau des öfteren vernachlässigt worden? Natürlich nicht, es ist die neue Feinfühligkeit, eine neue Dimension der emotionalen Tiefe. Dadurch fehlen in einigen Liedern wie „Sisters“, „Of Dust“ und „Where It Hurts“ wiederum die Kontrapunkte. Gegenbeispiel ist „No Way“, welches von einem Gefühlsbad ins nächste taucht und mit Pianozwischenparts und Gitarrensolo viele Facetten zeigt. „Darkness Of Mine“ lässt die dunkle Seite sehr gut zum Vorschein treten. Zum Schluss kommt mit „Innocence“ doch noch eine „Scarsick“-Note, ein düsterer Anflug einer gesunkenen Seele, die ihre Unschuld zurück fordert, beendet durch Angst verbreitende Streicher. Wahrscheinlich wird uns hier die Stimmung für „Road Salt Two“ suggeriert, ein Album das sicherlich wieder ein anderes Gesicht der Schweden zeigen wird.

Pain Of Salvation zeigen sich einmal mehr als Innovatoren, die keinen Stillstand dulden. Die Qualität vom Vorgänger, bei dem unglaublich sozialkritische und intelligent zweideutige Texte das Gesamtbild stark prägten, erreicht „Road Salt One“ nicht. Der direkte Vergleich ist aber auch unsinnig, berührt dieses Album den Hörer auf einer ganz anderen Ebene. Es könnte ein Soundtrack für den Jakobsweg sein, denn der Weg ist das Ziel.

Anspieltipps:

  • No Way
  • Road Salt
  • Tell Me You Don't Know
  • Innocence

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