Heaven Shall Burn - Invictus - Cover
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Heaven Shall Burn Invictus


  • Label: Century Media/EMI
  • Laufzeit: 45 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Nach „Iconoclast Part One: The final resistance“ (01/2008) und „Bildersturm: Iconoclast II“ (01/2008) folgt nun mit „Invictus“ der dritte Teil der Iconoclast-Reihe, in der die Thüringer „unkonventionelle Heldengeschichten erzählen, etablierte Idole von anderen Seiten beleuchten und gefeierte Legenden hinterfragen“. Der Fünfer begnügt sich eben nicht mit platter Gesellschaftskritik, anprangernden Texten zu aktuellen Themen oder stützt sich auf ein loses Weltkriegskonzept, wie es schon etliche Bands vor ihnen gemacht haben, sondern liefert individuelle Eindrücke und Meinungen zu Topics wie z.B. Kindersoldaten, dem Mord an Sozialist und Revolutionär Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg, den Gräueltaten des chilenischen Diktators Pinochet und der Rolle der CIA während dieser Schreckensherrschaft, Euthanasie oder Ausbeutung in Beruf und Arbeit.

Musikalisch werden die Lyrics wie gewohnt von einer massiven, undurchdringlichen, schwedisch geprägten Death Metal-Mauer umgeben, die nach zwischenzeitlichen Experimenten seit „Deaf to our prayers“ (08/2006) nahezu unverändert geblieben ist. Shouter Marcus Bischoff kotzt den Text aggressiv und hasserfüllt aus sich heraus, die Gitarrenabteilung (Maik Weichert und Alexander Dietz) wechselt zwischen technischen Solos und niederschmetternden Riffs, Bassist Eric Bischoff unterstützt die beiden, geht im apokalyptischen Klanggewitter aber öfters unter und Schlagzeuger Matthias Voigt drischt so hart auf seine Felle, dass kein Stein auf dem anderen bleibt. Dieses altbekannte Rezept legt unter der Aufsicht von Tue Madsen (Dark Tranquillity, The Haunted, Cataract) zwar jeden Häuserblock in Schutt und Asche, da Heaven Shall Burn aber großteils in Mach 3 durch ihre Songs knüppeln, bleiben die Unterscheidungsmerkmale zu den Vorgängern gering und die Erschließung von „Invictus“ fällt kürzer aus als gedacht.

Ein weiterer Fixpunkt im Kosmos des Fünfers ist Olafur Arnalds, der erneut melancholische Instrumentalnummern („Intro“, „Outro“) für die Thüringer schreiben durfte. Allerdings harmonierte diese Kollaboration auf „Iconoclast Part One: The final resistance“ wesentlich besser, denn im Vergleich zum brachialen Ungetüm „Endzeit“ ist „The omen“ fast schon gewöhnlicher Schwedentod, der den atmosphärischen Einstieg durch den Isländer nicht zu nutzen weiß. Elektronische Spielereien haben die Deutschen nach „Murderers of murderers“ ebenfalls zu bieten, jedoch wirken der stumpfe NDH-Beat der Marke Rammstein und der oszillierende Rave-Loop in „Combat“ eher befremdlich, sodass „The lie you bleed for“ mit dezentem Crossover-Einschlag einen wesentlich stimmigeren Eindruck hinterlässt. Der größte Schritt, den Heaven Shall Burn mit „Invictus“ getätigt haben, ist trotzdem ohne Frage die zweite Gesangsstimme in „Given in death“, die von Sabine Weniger (Deadlock) geführt wird. Hier reiben sich in inniger Verbundenheit brutale Manneskraft und sinnliche Weiblichkeit, was dieser Hauch von Kommerz allerdings für die weiteren Outputs der Truppe bedeuten könnte, will man lieber nicht so genau wissen.

Alles in allem bekommt der Heaven Shall Burn-Fan mit „Invictus“ auf ein Neues deutsche Maßarbeit, die jedoch kaum über das in den letzten Jahren geschaffene Klangbild des Quintetts hinausgeht. Der Moshpit brennt, das Trommelfell liegt in Fetzen und nach drei Runden sind auch die letzten Haare von der Birne gebangt, aber bitte, sehr verehrte Thüringer, beim nächsten Mal darf es dann wieder ruhig ein bisschen mehr Abwechslung und weniger stures Gedresche sein.

Anspieltipps:

  • Of Forsaken Poets
  • The Lie You Bleed For
  • Against Bridge Burners
  • Buried In Forgotten Grounds

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