El Boy Die - The Black Hawk Ladies & Tambourins - Cover
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El Boy Die The Black Hawk Ladies & Tambourins


  • Label: Semprini Records
  • Laufzeit: 34 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Frankreich ist die Heimat von El Boy Die, ihre Musik jedoch führte sie schon bis nach Nordamerika. 2007 erschien ihr selbst verlegtes Debüt „How The Way Is Long“, das Folk-, Grunge- und Psychedelic-Elemente zum Inhalt hatte und doch viel mehr als die Summe seiner Einzelteile war. Dementsprechend teilten sie schon die Bühne mit Devendra Banhart, Herman Dune, Kimya Dawson, Julie Doiron und einigen anderen. Auch auf Festivals waren sie zu sehen, beispielsweise beim Mo’Fo in Paris. Das Duo setzt sich aus Sänger und Gitarrist Emmanuel sowie Schlagzeugerin Cab zusammen. So etwas wie die umgekehrte Besetzung von Scout Niblett, die zu Ely Boy Dies MySpace-Freunden zählt.

Für ihr zweites Album wurden sie beim Label Semprini Records gesignt, das von Cargo vertrieben wird. Das Material wurde von El Boy Die in Montreal zum Abschluss gebracht, es trägt den Titel „The Black Hawk Ladies & Tambourins“ und wurde von Orson Presence (The Monochrome Set) produziert.

Sie eröffnen mit dem Intro „This Is The Sound“, dem „Dead Kings“ folgt. Zu einer akustischen Gitarre setzt mehrstimmiger Gesang ein, dann klimpert ein Piano und zu dumpf monotonen Percussions gesellt sich eine flächige Orgel. Auf „Moona Luna Tears“ flüstert Emmanuel zur Akustischen, dem gleichförmigen Trommeln wird eine zirpende Violine entgegengesetzt. Cab singt die hohe Zweitstimme. Man sieht den geheimnisvollen Mond im finsteren Wald weinen. Danach unternehmen wir die „Journey Of A Lame Deer“, die mit fernen Gewittergeräuschen und Regen beginnt bis dann die zart gezupfte Gitarrenmelodie ins Land der Fantasie und ein Break in einen kurzen, aber kontrollierten Lärm führt, der wiederum von mysteriösen Chorstimmen abgelöst wird.

Wieder sind es männlich-weibliche, beinahe gotisch anmutende Gospelchorstimmen, die auf „Under My Broken Tree“ in den Himmel wachsen, dazu die sanften A- und E-Gitarrenklänge und hallend pochendes Schlagwerk. Mysteriöser mittelalterlicher Folk, das Sphärische wird zum Atmosphärischen, das Leise zum Lauten. „Man Eagle“ greift auf ähnliche Ingredienzien zurück, während „Take Me Away“ alleine mit Cabs Stimme, die über Synthesizerflächen schwebt, auskommt. Da ist Julee Cruise (Twin Peaks Soundtrack) gar nicht so weit weg. Das Finale nimmt den „Pathway To Heaven“ ohne Pauken, aber mit Trompeten. Ohne Gesang, fast hymnisch, wären da nicht die anschwellenden Störgeräusche und lärmendes E-Gitarrenfeedback.

Die Laut-Leise-Amplitude wird dann auch zu einem nahezu durchgehenden Element dieser interessanten Aufnahmen, die einen zunächst etwas ratlos zurücklassen. Ein Album für die Nacht unter den Kopfhörern. Mit geschlossenen Augen läuft dann der Film im Kopf mit Dämonen im flackernden Vollmondlicht. Musik zwischen Trance und aufwühlend bis zum letzten Takt, der dich aus allen Träumen und Albträumen reißt. Vergleiche? Dead Man’s Bones mit ihrem titellosen Album von 2009 sind ein ähnlich gelagerter Fall. El Boy Dies’ „The Black Hawk Ladies & Tambourins“ lädt gleichsam zum Eintauchen und Wegdriften in fremde und seltsame Welten ein!

Anspieltipps:

  • Moona Luna Tears
  • Under My Broken Tree
  • Take Me Away
  • Pathway To Heaven

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