Sido - MTV Unplugged: Live Aus´m MV - Cover
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Sido MTV Unplugged: Live Aus´m MV


  • Label: Urban/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 157 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Vermutlich haben sich die Fans der ersten Stunde noch immer nicht daran gewöhnt, dass Sido inzwischen als Popstar firmiert.

In der mittlerweile 20-jährigen Geschichte von MTV Unplugged steht mit Sido zum zweiten Mal nach den Fantastischen Vier im Jahr 2000 wieder ein deutscher Rapper auf der großen Bühne des Musiksenders, auf der schon Superstars wie Pearl Jam, R.E.M., Eric Clapton und Nirvana gestanden haben. Es ist nach den Sportfreunden Stiller, den Toten Hosen, Die Ärzte, Xavier Naidoo, Herbert Grönemeyer und eben den Fantastischen Vier der insgesamt schon siebte Unplugged-Auftritt eines deutschen Musik-Acts und ganz sicher einer der herausfordernsten, denn HipHop/Rap adäquat in Unplugged-Form umzusetzen, ist kein Tagesgeschäft.

Sidos Unplugged-Konzert wurde am 28. Januar 2010 im Fontane Haus im Märkischen Viertel zu Berlin aufgenommen, also der unmittelbaren Heimat von Paul „Sido“ Würdig (29). Dort wurde eine stattliche Breitwandproduktion aufgefahren, so wie es sich für einen zum Popstar mutierten Ex-Gangsta-Rapper aus dem Aggro-Berlin-Stall gehört. Unter der Regie von Sven Helbig (u.a. Rammstein, Pet Shop Boys, Snoop Dogg), der den Sido-Songs neue Arrangements verpasste, zusammen mit einer erprobten Live-Band und den Gästen Stephan Remmler (Trio), Adel Tawil (Ich+Ich), K.I.Z., Doreen (Nu Pagadi) sowie Kult-Komiker Kurt Krömer lieferte Sido eine souveräne Performance ab, die ohne Maske, Netz und doppelten Boden auskommt.

So ist die Instrumentierung mit akustischen Instrumenten wie Mundharmonika, Piano, Gitarre sowie Streichern und Bläsern sehr erdig gehalten und keine stromverstärkte Mogelpackung, wie man es auch schon bei MTV Unplugged erleben musste. Sido rappt und gibt den jovialen Party-Gastgeber, der all seine Freunde eingeladen hat. Da wird mit Kurt Krömer Jägermeister gesoffen („Hey du!“), ein süßer Kinderchor angekarrt („Augen auf“), Herzdame Doreen von heimischen Herd weggeholt („Nein!“), Stephan Remmler aus der Versenkung ausgebuddelt („Da da da“) und mit Chartstürmer Adel Tawil die Singleauskopplung eingesungen („Der Himmel soll warten“).

Vermutlich haben sich die Fans der ersten Stunde noch immer nicht daran gewöhnt, dass Sido inzwischen als Popstar firmiert und in einer ganz anderen Liga spielt als zu seligen Aggro-Berlin-Zeiten. Mit der Einladung zu MTV Unplugged erhielt der 29-Jährige den Pop-Ritterschlag, den er mit einem starken Konzert quittiert. Adé, gute alte Gangsta-Zeit. Aber vielleicht lassen sich die Aggro-Jünger ja durch folgende Zeilen aus dem Song „Danke“ trösten: „Ich hoffe Du verstehst mich und das hier ist nicht vergeblich. Ich hoff auch nicht wirklich auf 'n weltbewegendes Ergebnis. Kein grelles Licht, kein Zeichen. Ich will mich nur nicht mehr streiten. Vergiss die alte Zeit, wenn diese Zeilen dich erreichen. Amen.“

Anspieltipps:

  • Danke
  • Augen auf
  • Straßenjunge
  • Halt dein Maul
  • Ein Teil von mir
  • Mein Testament
  • Der Himmel soll warten

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