Lilium - Felt - Cover
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Lilium Felt


  • Label: Glitterhouse/INDIGO
  • Laufzeit: 38 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Im Kopf von Pascal Humbert existiert Lilium bereits seit 1984, als er begann eigene Stücke zu schreiben. Humbert ist ein langjähriger Weggefährte von David Eugene Edwards und spielte Bass bei den inzwischen fast schon legendären 16 Horsepower. Mittlerweile greift er auch wieder für Wovenhand in die vier Saiten. Sein erstes Album unter dem Namen Lilium wurde 2000 veröffentlicht mit dem Titel „Transmission Of All Goodbyes“, das wie die düstere Version eines Calexico-Albums klang. Der Nachfolger „Short Stories“ erschien 2003 mit diversen Gastsängern: Kal Cahoone (die auch auf dem aktuellen „Felt“ zweimal als Sängerin mitwirkt), Czars-Sänger John Grant, Tom Barman von dEUS und Mister 16 HP himself David Eugene Edwards.

Das dritte Lilium-Werk hört auf den Namen „Felt“ und dessen Titel sind im weiten Feld zwischen Track und Song zu verorten. Pascal Humbert spielt hauptsächlich diverse Bassinstrumente, Piano, Akustik- und Elektrogitarre sowie vereinzelt Dobro und Melodica. Einen wichtigen Part übernimmt der feinfühlige Tindersticks Schlagzeuger Thomas Belhorn. Zudem sorgt Christian Lechevetrel für atmosphärisches Trompetenspiel und Vassilli Caillosse entlockt Pedal Steel und Dobro die wehmütig-versöhnlichen Töne.

Gleich zu Beginn darf Hugo Race (als Gastsänger hat er noch drei weitere Auftritte) seine samtdunklen Stimmbänder in Schwingung versetzen, die „Right Where You Are“ eigentlich den Stempel aufdrücken, wären da nicht die oben erwähnten Musiker und Marta Collica, die ebenfalls Gesang beisteuert. Anstelle von Race und Collica übernimmt auf dem nachfolgenden „Mama Bird“ Kal Cahoone die Vocals. Ihr ätherischer Gesang schwebt über diesem schleppend vertrackten, dennoch harmonischen Klangteppich mit den strahlenden Trompeten- und Pedal-Steel-Tönen. Dezent Belhorns Schlagzeug und vehement Humberts tief wogende Basstöne. Auf „Open“ bedient Pascal Humbert alle Instrumente (Piano, Acoustic Guitar, Dobro und Bowed Bass) und scheint in seiner finster erzeugten Klanglandschaft zu verschwinden, schafft dennoch Raum und Zeit für den instrumentalen Titelsong, der sich in verstörender Schönheit seinen Weg bahnt. Hier trifft die Beschreibung “The Dark Side Of Calexico“ zu annähernd 100%. Auf „Her Man Has Run“ sieht man Hugo Race’ Stimme förmlich in die Saitenklänge (Pedal Steel, Dobro, A- und E-Gitarre) sinken, während Vicky Brown zarte Violinentöne spinnt. „Lily Pool“ ist wieder dem Liebreiz Kal Cahoones Stimme ausgesetzt, dem Humberts Melodica wehmütig schöne Klangfarben hinzufügt.

„Amsterdam – Paris“ ist ein ambientes Instrumental, den Kontrast setzt „Miracle“ mit Hugo Race, der einfühlsam und cool, fast flüsternd singt, umgeben von einsam vibrierenden Stromgitarren und relaxter Bass-Schlagzeug-Rhythmik. Das instrumentale „One Bear With Me“ hat einen weit gespannten Bogen, gezimmert aus den bekannten Saiteninstrumenten, die auf Loops und Störgeräusche treffen. Beim finalen „Believer“ trifft Hugo Race’ Stimme auf glitzerndes Piano, dunkles Cello, sphärische E-Gitarre und verlorene Melodicaklänge, alles vom Lilium-Mann Pascal Humbert mit viel Emotion und Gefühl gespielt.

Kein einfaches Album dieses „Felt“, doch wer sich darauf einlässt wird belohnt mit Klängen die in der Zwischenwelt Track-Song schweben und im Kopf tranceartige Bilder produzieren, die man so schnell nicht vergisst. Eine Lilie macht noch keinen Sommer. Lilium spielt Musik für die nachdenklichen und dunklen Momente außerhalb jeglicher Jahreszeit.

Anspieltipps:

  • Right Where You Are
  • Felt
  • Lily Pool
  • Miracle
  • Believer
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