The Chemical Brothers - Further - Cover
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The Chemical Brothers Further


  • Label: Virgin/EMI
  • Laufzeit: 52 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Further. Weiter? Weiter als was und vor allen Dingen: Wohin? Wohin wollen die Chemical Brothers ihr Publikum bringen? In die unendlichen Weiten des Weltraums etwa? Zumindest könnte man das meinen, wenn man sich den Eröffnungtrack „Snow“ zu Gemüte führt, welcher mit verzerrten Morsezeichengeräuschen und elektronischem Gefiepe ganz allmählich wie eine Rakete abzuheben scheint („Lifting me higher“), direkt in die 12-Minuten-Walze „Escape Velocity“ übergeht und erst hier die Bass Drum suggeriert, welche Band gerade am werkeln ist. Willkommen im Universum der Chemical Brothers! Schade nur, dass sich die Reise – wie zuletzt auch schon beim Album „We Are The Night“ – nicht immer wirklich aufregend gestaltet.

Tom Rowlands und Ed Simmons, die Männer hinter der dem seit bald 20 Jahre aktivem Londoner Electro-Duo, bezeichnen „Further“ als sehr Synthesizer-lastiges Album. Die leicht psychedelische Ausrichtung der Tracks äußert sich in langsam anflutenden und abebbenden Soundcollagen mit größerem Fokus auf dem Fluss der Melodien und weniger auf Songstruktur, sodass sie sich diesmal viel Zeit lassen. Was auch dem Umstand geschuldet ist, dass sie diesmal fast völlig auf Gesang verzichten: „Schon sehr früh neigten wir zu der Idee, diesmal auf jegliche Gäste auf dem Album zu verzichten. Das hat auch den Klang des Albums in gewisser Weise gefördert.“ So ist „Further“ eben eines jener Alben, die als Komplettpaket gehört werden wollen und sollten. Aus dem Rahmen fallen das bereits erwähnte, überbordende „Escape Velocity“, das mit dem Wiehern eines Pferdes unterlegte und zackigen Beats drängende „Horse Power“ und das auf einem Percussiongerüst mäandernde „K+D+B“. Jedenfalls wird das Album mit mehrmaligem Hören zu einem immer griffiger werdendem Erlebnis, welches man nicht gleich abschreiben sollte.

„Further“ geht jedoch auch weiter im Sinne des Artworks, welches um das komplette Albumprojekt gesponnen wurde, als die anderen Alben der Chemical Brothers zuvor. „Zu jedem der acht Tracks auf „Further“ wurden bereits während der Albumaufnahmen passende Visuals produziert, die exklusiv mit dem Album veröffentlicht werden sollen und auch bei den kommenden Live-Shows zu sehen sein werden“, heißt es im Pressetext. Für die Ausarbeitung der passenden Bilder zeichnen sich Adam Smith und Markus Lyall verantwortlich, die sich seit der ersten Shows des Electro-Duos auch um derren Bühnen-Shows kümmern. Rowlands: „Von Anbeginn hatten wir die Idee, dass sich das Album perfekt zusammenfügen muss, denn wir wollten es auch als komplettes Kunstwerk präsentieren.“ „Es hat dem Ganzen jedenfalls eine zusätzliche Dimension verliehen und wir haben mit Spannung das Ergebnis abgewartet“ Schade nur, dass sich diese Bilder lediglich marginal im Booklet der CD wiederfinden und auch nicht über den bonus content im Internet, sondern lediglich in den Videos und auf Live-Konzerten zu sehen sind.

Bei „Further“ handelt es sich laut Smith „um eine abstrakte Reise, so etwas wie Alice in einem psychedelischem Wunderland. Tom und Ed wollten, dass die Live-Bilder mit dem kompletten Artwork korrespondieren, sodass das ganze Projekt von einer homogenen Ästhetik erfasst wird.“ Dies wird auch musikalisch nicht nur dann deutlich, wenn man Swoon hört, dessen Titelthema endlos durch den Raum wandert und klingt wie eine elektronisch entfremdete Gitarre. Tatsächlich ist „Further“ psychedelischer als die vorherigen Alben der Chemical Brothers, ist freier und unkonventioneller in der Ausarbeitung seiner Songs und fühlt sich an wie ein Trip durch unendliche Weiten. Wie die Reise mit den Chemical Brothers diesmal war? Wie immer interessant, aber irgendwann wurde es dann doch etwas langweilig und mir fielen auf dem letzten Rest der Strecke leider fast die Augen zu.

Anspieltipps:

  • Escape Velocity
  • Horse Power
  • K+D+B

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