Crystal Castles - Crystal Castles (II) - Cover
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Crystal Castles Crystal Castles (II)


  • Label: Polydor/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 53 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Definitiv ungesund und mit selbstzerstörerischen Tendenzen müssen Menschen gesegnet sein, die einen solchen Sound tagein tagaus zu produzieren verstehen.

Der Hype ist nicht zu Kopf gestiegen. Auf der verachtenswerten, elitäre Berühmtheit erzeugenden NME Cool List 2008 auf dem ersten Platz zu landen, weil man ein erstaunliches Debüt erzeugt hat und urplötzlich mit Beth Ditto (Gossip) oder Alex Turner (Arctic Monkeys) gleichrangiert zu werden, wirft ja nicht wenige aus der Bahn. Doch die vom New Musical Express auserwählte Stilikone Alice Glass und ihr Programmierer Ethan Kath verschanzen sich in ihrer massenunkompatiblen Herkunft. Roher, unfreundlicher, härter, weniger traurige Schönheit beinhaltend, gehen Crystal Castles auf ihrem wieder titellosen Zweitwerk den Weg der Kompromisslosigkeit.

Definitiv ungesund und mit selbstzerstörerischen Tendenzen müssen Menschen gesegnet sein, die einen solchen Sound tagein tagaus zu produzieren verstehen. Ob man so tatsächlich alt wird sei mal dahingestellt, aber schön – zunächst einmal – zu sehen, dass die verdienten Lorbeeren und Dollar, den Sound nicht harmloser machen oder ihn gar glitzern lassen. Im Gegenteil, gleich der Opener „Fainting Spells“ ist eine quer im Hals steckende Kampfansage, brutaler Electro-Punk, mit viel Gaffa gerade noch so in seiner Verpackung gehalten. Ein Statement gegen NME Cool Lists und alle anderen potentiellen Mittel zur Elitenbildung in unserer angeblich klassenbefreiten postmodernen Welt.

Als Werk indes, nagt „Crystal Castles (II)“ drei, vier Mal zu oft am Underground-Tuch. Viele Tracks sind überflüssige Härte- und Uneingängigkeitsstatements, genauso viele aber auch großes 8-Bit-Electro-Kino. Genau die Hälfte, nämlich der Prügel-Punk „Doe Deer“, die sphärischen „Baptism“ und „Year Of Silence“, sowie „Empathy“, „Vietnam“, „Birds“ und „Intimate“, stehen einer unkreativ lahmeren bisweilen erschreckend fürchterlichen Seite gegenüber (vor allem die sich viel zu ähnlichen Kitschverschnaufer „Celestica“, Suffocation“ und „Not In Love“). Ein unausgegorener Mix, ein Drogencocktail, bei dem man nicht weiß, was drin steckt und der einem Achterbahnticket ins Unbekannte gleichkommt. Als Album also hinter dem Debüt stehend, ist das Nachfolgewerk der Torontoer Electro-Wunderstürmer genau die richtige Doktrin, die richtige Pille, um den Karriereweg in den Mainstream ein dickes, fettes „fuck you!“ entgegenzuschreien. Pac-Man raved also immer noch auf Chemie, inzwischen aber mit Narben, Tattoos und Piercing im Gesicht, die unvermittelt implizieren: mit dem ist nicht zu spaßen.

Anspieltipps:

  • Doe Deer
  • Baptism
  • Year Of Silence
  • Empathy
  • Intimate
  • Vietnam
  • Birds

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