Hawksley Workman - Meat - Cover
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Hawksley Workman Meat


  • Label: Isadora/ADA
  • Laufzeit: 46 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Völlige Ratlosigkeit. Was sollte das? Es gibt keinen ersichtlichen Grund für diese Nummer. Sie passt so gar nicht. Soll man sie jetzt noch mal anhören oder gleich zum zweiten Track skippen? Hawksley Workman gibt mit „Song For Sarah Jane“ eine unaufgeregte Ballade ohne Effekte und Spielereien. Nett, tut niemandem weh und gefühlvoll ist das Ganze auch. Wenn dann aber das „French Girl In LA“ mit einer Art daherkommt, die mit Abstrichen auf dEUS’ letzter Platte hätte sein können, dann kratzt man sich schon verwundert am Kopf. Psychedelische Gitarren und Elektronik, sowie mehrstimmiger Gesang und ein Bass, der sich tiefer nicht mehr schrauben lässt. Spätestens pfeifende Flöten heißen den Hörer in der verrückten Welt von „Meat“ willkommen.

„Chocolate Mouth“ knüpft ohne großen Umschweif an dieses Konzept an und lebt von dreckigem, aber glasklar produziertem Rocksound. Rau, aber nicht ohne Hang zur Melodik entwickeln sich Tracks, die positiv durchgeknallt klingen. Wer es laut, rockig und trotzdem eingängig mag, wird vor diesen ersten beiden Nummern schon niederknien und dem Herren Workman danken. Wenn dieser Mann schon Balladen liefert, dann doch eher wie „Baby Mosquito“ mit Wilco-Verzerrer-Gitarrensoli bewaffnet macht sich so eine liebliche Nummer gleich viel passender, als der harmlose Opener. Auch der Folgetrack gibt sich erst als lahme Ballade, aber nach gut drei Minuten rasten Schlagzeuger und Gitarrist aus, Hawksley kreischt wie am Spieß und ein Gospelchor unterstützt ihn. Und sind da nicht auch noch Glocken im Hintergrund? Mit Workman geht es gerne mal durch und auch wenn er es bei „You Don’t Just Want To Break Me (You Want To Tear Me Apart)“ übertreibt, bleibt er sich streng genommen einfach nur treu.

Neben den lauten Rockern bietet der Mann aus Ontario auch relaxte Nummern. So ist „Depress My Hangover Sunday“ eine gesanglich, wie auch stimmungsmäßig anspruchsvolle Nummer, die sich am besten als White-Soul-Rock einordnen lässt. Auch hier darf der Chor wieder ran und es ist mehr oder weniger unmöglich sich der hypnotischen Wirkung, dieses langsamen, aber doch so treibenden Stückes zu entziehen. Da können der Feel-Good-Song „(The Happiest Day I Know Is A) Tokyo Bicycle“ und der Romantik-Bowie-Rocker “The Ground We Stand On” nicht wirklich mithalten. Dann doch lieber das ausgeflippte „(We Ain’t No) Vampire Bats“ mit Falsetto-Gesang, ungewöhnlichen Rhythmen und viel ironischem Sonnenschein.

Wer es nicht mag, wenn die Gitarre auch mal verzerrt und dreckig klingt, ist hier falsch. Auch wer hemmungslosen Rock liebt, wird enttäuscht sein. Das ist keine AC/DC-Veranstaltung. Hier gibt es auch ruhige und besonders melodische Momente, die man genießen muss. Das perfekte Spiegelbild dieses Albums ist der Schusstrack „We’ll Make Time (Even When There Ain’t No Time)“. So schneller Gesang, der pausenlos über eine Minute anhält, dass man sich fragt, wann der Mann Luft holt, dann plötzlich Happy-Soul, bevor die Gitarren aus der flinken Idee eine Hymne zaubern. Das ist einfach fantastisch für alle Fans der kratzbürstigen Musik. Man mag es kaum glauben, wenn man das Album zum ersten Mal hört, aber dieses Album wächst und wächst an seiner Unverbrauchtheit. Als hätte es die letzten zehn Jahre nicht gegeben, schmettert Hawksley Workman einem diese Lieder entgegen, als wäre er ein blutjunger Draufgänger, der nichts zu verlieren hat. Einfach herrlich und hervorragend, welch Energie von diesem Album ausgeht, nur dieser erste Song ist irgendwie befremdend.

Anspieltipps:

  • We’ll Make Time (Even When There Ain’t No Time)
  • Depress My Hungover Sunday
  • Chocolate Mouth
  • French Girl In LA

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