The Chap - Well Done Europe - Cover
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Well Done Europe


  • Label: Lo Recordings/ALIVE
  • Laufzeit: 41 Minuten
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7/10 Unsere Wertung
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Nur weil eine Band aus den beiden größten Meltingpots Europas kommt (London und Berlin) garantiert das noch lange kein Qualitätssiegel höchster Güte. Angesetzt war die Musik absichtlich in die andere Richtung. The Chap begannen ziemlich billig mit Lo-Fi-Pop, der sich der Avantgarde, des Progs und der Kunst leiten ließ. Verspielt, oft sogar niedlich erklingen die Chöre der Chaps in Verbindung mit Synthie-Xylophon, einer guten Spur weiterer Elektronik und hier und da organischen Tönen, die den recht abgehobenen Stil zu erden versuchen. Die Explosion auf dem Cover wirkt zu harsch für die Musik der Chaps, aber abgedreht muss das ganze Projekt auf jeden Fall genannt werden.

Streicher, Stakkato-Gesang und unvorhersehbare Rhythmuspausen. Nicht jedermanns Sache aber auf jeden Fall so abgehoben wie versprochen. Es ist schwer diesen Art-Pop Mix zu beschreiben. Irgendwie passt alles und irgendwie passt es auch wieder nicht. Noch nie klang ein „We hate you!“ so passiv. Auch das minimalistische „Even Your Friend“ mit verstimmter Gitarrenspur und Brummen im Hintergrund lässt den Hörer im Sommerregen stehen. Zwei Minuten versucht man die Popmelodie des niedlichen Tracks zu genießen, ohne sich von der merkwürdigen Instrumentalisierung irritieren zu lassen. Dann kommt mit einem Schlag ein neuer Tempowechsel, die Gitarre findet in die Spur und Chöre verursachen den totalen Indie-Effekt.

Mehr Indie und Art als auf dieser Platte ist wohl kaum mehr möglich. Selbst ein recht harmloser Akustikgitarrentrack („We Work In Bars“) wird mit letztendlich epischen Chören unterlegt, die eine völlig überzogene Atmosphäre erzeugen, ohne nach Breitband zu klingen. Paradox? Man muss es selbst gehört haben! Das Zauberwort ist wohl Post-Wave. Nur so ist diese altmodische, aber so frisch umgesetzte Elektronik zu erklären. Meist noch mit diversen Instrumenten oder Effekten garniert ergibt sich immer wieder etwas völlig Neues. „Obviously“ ist da mit stringenter Natur ein richtig konventioneller Track und auch „Gimme Legs“ kann bis auf eine psychedelische Gitarrenspur behaupten, Normalität in sich zu tragen.

Zwar schaffen es einige Nummern innerhalb der Konventionsskala von 1 bis 10 zu bleiben („Well Done You“, „Pain Fan“, „Few Horoscope“), doch das Gros wird bestimmt von „Nevertheless, The Chap“, „Maroccan Nights“ und anderen verrückten Soundausflügen, die auch mal nach Punkrock („Torpor“) oder TripHop klingen („Chalet Chalet“). Der Art- und Indie-Fan, der eine Schwäche für den poppigen „Wavesinn“ hat, wird voll auf seine Kosten kommen und ein verspielt niedliches Potpourri an farbenfrohem Crazypop vorfinden, das immer wieder für Überraschungen und Abwechslungen sorgen wird.

Anspieltipps:

  • We’ll See To Your Breakdown
  • Nevertheless, The Chap
  • Maroccan Nights

Dieser Artikel ging am um 11:21 Uhr online.
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