Vague Angels - The Sunny Day I Caught Tintarella Di Luna For A Picnic At The Cemetary - Cover
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Vague Angels The Sunny Day I Caught Tintarella Di Luna For A Picnic At The Cemetary


  • Label: Expect Candy/CARGO
  • Laufzeit: 38 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Chris Leo ist eines der vielen Individuen auf diesem Planeten, die an die unendliche Selbstüberschätzung glauben lassen. Nachdem er jahrelang eher unbemerkt mit gleich zwei Bands Amerikanische Kleinstädte unsicher macht, wendet er sich dem Schriftstellern zu und schreibt über (Surprise!) eine Rockband, die den Namen Vague Angels trägt. Als wäre es die Eingebung des Herren selbst, fühlt sich Leo berufen diese fiktive Band in die Realität zu ziehen und beginnt mit Aufnahmen. Das Ergebnis ist allemal eine etwas verschrobene Ein-Mann-Show, ohne große Richtung und besonders ohne Ziel. Die Idee verführt zwar zum Kultgedanken, doch dafür ist die Musik einfach so unkonzentriert.

Jetzt bringt Chris Leo (oder etwa doch seine Vague Angels?) ein neues Album mit verboten langem Titel heraus und man staunt nicht schlecht, dass Leos Mitmusiker guten Einfluss auf ihn üben konnten. Der so zerstreut wirkende Musiker und Schriftsteller wirkt auf der neuen Platte gefestigt und stilsicher, wenn die Akustikgitarre sich der Hauptrolle erfreuen darf. Kein Zufall scheint es zu sein, dass man letztens aus Mexiko von dem verkannten Genie gehört hat. Gleich „So Lonely“ klingt nach Prärie, nach Wüste und einem Schuss Salsa. Dazu Folklore-Einflüsse und Geklatsche, welches den Track erdet ihm Bodenhaftung verleiht. Beinahe fließend geht es in das nicht minder heißblütige „I Know An Altar“ über, welches mit Bläsern noch einen draufsetzt und einen endgültig ins Land der Sombreros entführt.

Verschrobener Lo-Fi-Rock darf natürlich nicht auf der Strecke bleiben und sowieso steht für den berufenen Schriftsteller Storytelling im Vordergrund. „I Did Not Find You In Kips Bay“lebt allein von der Geschichte und knackigem Bass, während das anknüpfende „Suisliding Home Down Battlefield Road“ unerhört eintönig ist und sich allein auf die Wirkung der Spoken Words verlässt. Nicht jedes Experiment kann funktionieren. Diese übertriebene Eingängigkeit der Lieder wird dem Album aber wirklich schnell zum Verhängnis, denn erst „Festigiare De Fete Defeat“ kann ein wenig Bewegung in das Musikkonstrukt bringen und schließlich erlöst wird der Hörer erst von „Esquina Bonita On Diddycoy’s Imbibes“, welches mit melodischem Post-Core überzeugt. Dies ist poetischer Indie-Rock, der kaputt, aber fröhlich stimmend klingt.

So was geht natürlich auch mal voll daneben, wie im nervigen „The Whole Note Has Neither A Flag Nor A Body“, aber dafür kann der Geschichtenerzähler in den letzten beiden Stücken wieder auftrumpfen und sein Album mit einem durchaus respektablen Ergebnis ins Ziel retten. Für wen die Qualität des Gesangs nicht allzu wichtig ist, oder wer sogar gerne Lo-Fi-Rock hört, ist hier an der richtigen Adresse. Ansonsten rumpelt es dem Höhrer wohl doch zu viel und man darf frei darüber entscheiden welchen Wert Leos Geschichten für die Nachwelt haben. Besonders die Kurzgeschichten in seinen Liedern.

Anspieltipps:

  • I Know An Altar
  • Esquina Bonita On Diddycoy’s Imbibes
  • Isis Is Isi

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