The Gaslight Anthem - American Slang - Cover
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The Gaslight Anthem American Slang


  • Label: SideOneDummy/CARGO
  • Laufzeit: 34 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Springsteen-Referenzen können inzwischen etwas kleiner geschrieben werden.

Der unbedingte Wille Brian Fallons, Gitarrist und Sänger von The Gaslight Anthem, mit seiner Band berühmt zu werden, brachte ihm neben ausverkauften Konzerten und einem Auftritt mit seinem Idol Bruce Springsteen auch Schattenseiten zum Vorschein: „Mein ganzes Leben habe ich damit verbracht, in einer Band zu sein, mit dieser Erfolg zu haben und zu versuchen, damit Karriere zu machen. Als es endlich vollbracht war, blieb am Ende nur noch ich selbst übrig und ich merkte, dass ich mich um so einiges in all den Jahren nicht gekümmert hatte“ . Dies sei letztendlich wohl auch der Grund dafür, weshalb das zwei Jahre nach „The '59 Sound“ jetzt vorliegende „American Slang“ persönlicher geworden sei. „And when it was over, I woke up alone“, singt er etwa melancholisch im Titeltrack „American Slang“. „Es ist etwas dunkler, etwas trauriger, Und dennoch ist es eindeutig immer noch hymnisch und wird uns gerecht - die älteren Songs klangen triumphierender; jetzt ist es eher so: Ja, wir haben gewonnen, aber es gab auch Opfer“, kommentiert Gitarrist Alex Rosamilia das neue Album.

Fallons Stimme hat indes immer noch diesen leicht heiseren Klang, er kann diesmal sein Potential aber noch besser ausschöpfen („The Diamond Church Street Choir“) , während die Musik schnörkellos aus den Boxen pfeffert. Auf den ersten Alben umgarnten sich die Gitarren von Fallon und Rosamilia jedenfalls noch nicht so elegant wie man es jetzt auf „American Slang“ ausmachen kann. Das Ungestüme der ersten Platte ist längst verschwunden, doch der mitreissende Sturm, den The Gaslight Anthem entfachen, der dir den Boden unter den Füßen wegreisst und kopfüber duch die Luft schleudert, der ist auch auf „American Slang“ wieder voll präsent. Man höre nur einmal „Stay Lucky“ oder „Boxer“, da hat sich Fallon wieder unfassbar einprägsame Melodien einfallen lassen. Doch „The '59 Sound“ hatte teilweise einfach die besseren Songs parat, da können sich die beiden Gitarristen, Alex Levine am Bass und Benny Horowitz am Schlagzeug noch so sehr an ihren Instrumenten abmühen. Klanglich geht hier weit weniger der Punk ab als früher, vielmehr ist „American Slang“ einfach glasklarer Gitarrenpop mit einem Rock&Roll-Charme und einer Prise Soul, den man von den früheren Alben noch in Erinnerung hat.

Die Springsteen-Referenz kann derweil etwas kleiner geschrieben werden, ja, The Gaslight Anthem finden so langsam zu ihrem ganz eigenen Sound. Als Inspirationsquellen für „American Slang“ nennen sie z.B. Fleetwood Mac, Van Morrison, Rolling Stones und Derek & The Dominos. Es war jedoch Eric Clapton, dessen autobiographischen Worte Fallon dazu motivierten, die Gitarre noch besser zu lernen und zu beherrschen. Tatsächlich hat sich die Band quasi gar nicht veändert, klingt jetzt aber, wie sie selbst sagen „besser“, was sich wohl z.B. am ausgefeilterem Gitarrenspiel und auf den Punkt gebrachtem Songwriting festmachen lässt. Produzent Ted Hutt und Toningenieur Ryan Mall verstehen es dabei, der Band einen glasklaren Sound zu verpassen, der mit der rauhen Attitüde des Debüts nicht mehr viel zu tun hat.

In „The Diamond Church Street Choir“ schnipst das Quartet beschwingt im Takt, das vorsichtig und eher leise tänzelnde „The Queen of Lower Chelsea” glänzt durch fein ausgearbeitete Backing-Vocals und beendet wird das kurze Album durch die wunderbare Ballade „We Did It When We Were Young”, mit der The Gaslight Anthem einmal mehr zeigen, dass sie auch die gefühlvolle Seite des Songwritings beherrschen. Somit ist „American Slang“ ein gutes, zeitweise sehr gutes Album, das seinem grandiosem Vorgänger in seiner Wirkung jedoch einen halben Schritt hinterherhinkt.

Anspieltipps:

  • Stay Lucky
  • Boxer
  • We Did It When We Were Young

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