You Say Party! We Say Die! - XXXX - Cover
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You Say Party! We Say Die! XXXX


  • Label: Snowhite/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 40 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Eigentlich hätten You Say Party! We Say Die! nach ihrem lobgepriesenen Dance-Punk-Debüt und dem leicht lahmen New-Wave-Ausflug auf dem Zweitwerk im Mai diesen Jahres einige Konzerte hierzulande spielen sollen, um ihr sehr schön gewordenes neues, drittes Studioalbum kräftig zu promoten. Eigentlich. Doch dann kam der 16. April 2010, an dem Drummer Davon Clifford ohne Einfluss eines klischeehaften Rock’n’Roll-Lifestyle auf der Bühne, während eines Konzerts in ihrer Heimatstadt Vancouver, einen Hirnschlag erlitt und zwei Tage später verstarb.

Seit dem ist nichts mehr wie es war für die restlichen vier Bandmitglieder, Tourneen und Öffentlichkeitsarbeit ruhen auf Eis, und so erscheint in die Stille der Trauerarbeit nun hierzulande „XXXX“, welches in Kanada, wo der Bekanntheitsgrad der Indie-Rocker ungleich größer ist, bereits Ende 2009 erschien. Es ist, wie gesagt, sehr gelungen ausgefallen, das dritte Studioalbum der als zuckend-hektischen Dance-Punk-Hoffnung irgendwo zwischen den Yeah Yeah Yeahs und den Blood Red Shoes gestarteten Vancouveraner Kombo, die sich mit den Jahren immer mehr entschleunigt und von Indie-Rock zum Indie-Pop umzusiedeln scheint. Natürlich bleibt das Material an sich Indie-Disco-tauglich (vor allem „Glory“ und „Make XXXX“), aber YSP!WSD! beherrschen inzwischen auch die Klaviatur der traurig-düsteren, ruhigen Töne.

Vor allem weil Sängerin Becky Ninkovic enorme gesangliche Fortschritte mit der Zeit vorzuweisen hat und nicht mehr nur wild und schrill politische Parolen zu schreien versteht. Und demzufolge auch, weil es nicht mehr nur um den altbekannten und musikalisch leicht beklagenswerten „Gap (Between The Rich And The Poor)“ (ihre starke erste Hitsingle vor einigen Jahren) geht, sondern der unerschöpfliche Quell menschlicher Empfindsamkeit erste Anlaufstelle zur Kreativwerdung geworden ist. „XXXX“ steht künstlerisch selbstzensiert für Liebe, die ja im englischen nur vier Buchstaben braucht, und ist ferner bereits auf der allerersten, in Eigenregie hergestellten, wie vertriebenen EP der Kanadier, anno 2004, mit dem seltsamen Namen „danskwad“ (erfinderisch für den politisierten Titel „Dance Squad“), verwendet worden, als jedes selbst gestaltete Cover die vier X zierte und noch niemand an die Teenager-Sensation des letzten Jahres aus London mit dem analoghaften Band- und Albumtitel zu denken vermochte.

Um das menschliche Hauptthema dreht sich programmatisch das gesamte Album, dass viel Mut zum Kitsch beweist und offen ausspricht, was Coolness und innere Ängste einem sooft verbieten: Bitte liebe mich, denn ich liebe dich. Gepaart mit einer Intonierung die sphärisch an David Lynch-Kolorit heranreicht und mit tiefstimmigen Bass und wavenden Keyboardklängen zu überzeugen weiß, stoßen YSP!WSD! hiermit erfolgreich in neue Gefilde vor. „There Is XXXX (Within My Heart)”, „Laura Palmer’s Prom“ und das tolle „Lonely’s Lunch“ rühren am meisten im Brei der Erinnerungen eines jeden aus Liebe und Schmerz, Erfüllung und Sehnsucht. Einer dieser drei Songs darf auf keinem Verliebtheitsmixtape diesen Jahrgangs fehlen. Bleibt zu wünschen, dass es irgendwann, irgendwie weitergeht mit Becky Ninkovic und dem verbliebenen Rest ihrer Band. Sie treffen ganz gut diesen Nerv, der uns bedeuten will, dass Musik für unsere Gefühlsverarbeitung wichtig sein kann.

Anspieltipps:

  • Lonely’s Lunch
  • There Is XXXX (Within My Heart)
  • Laura Palmer’s Prom
  • Make XXXX

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