Disco Ensemble - The Island Of Disco Ensemble - Cover
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Disco Ensemble The Island Of Disco Ensemble


  • Label: PIAS/Rough Trade
  • Laufzeit: 43 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Das finnische Quartett Disco Ensemble ist nach zahlreichen Konzerten rund um den Globus und drei bisherigen Alben beim vierten angekommen, das auf den schlichten wie schlüssigen Titel „The Island Of Disco Ensemble“ hört. Denn wie Drummer Mikko Hakila beschreibt, vereint dieses die Merkmale der vorigen Longplayer, ob nun die Aufgeregtheit des Debüts „Viper Ethics“, das reifere „First Aid Kit“ oder die weiter gesteckten Grenzen von „Magic Recoveries“. Disco Ensemble sind also dem Vernehmen nach angekommen in einer Mitte, die man sinnbildlich als Insel sehen kann. Erstmalig in der Historie der Band komplett in Finnland aufgenommen, produziert und gemischt, fährt es eine schlanke wie mitreißende Mischung aus Indie-Pop/Rock, Punkrock und hymnischem Postcore auf.

Stürmisch und nicht weniger zwingend legt „Bay Of Biscay“ mit tanzbaren Rhythmen vor, die von einer deutlich hervorstechenden Gitarren-Melodie getragen werden und mit variantenreichen Breaks für Sogwirkung sorgen. Damit die Gitarre nicht allzu sinnlich in klebrige Classic Rock-Gefilde abrutscht, tun die Vier gut daran, dem beherzte Riffs sowie eine vollmundige Mixtur aus hohen Vocals und raueren Shouts entgegen zu setzen. Da der Härtegrad jedoch immer im radiokompatiblen Ton bleibt, ist es bei Disco Ensemble vor allem Pop/Rock, der in vielen Formen zum Ausdruck kommt und dem Album sehr dienlich seine Stärken in losgelöster Spielfreude mit großen wie simplen Melodien anheftet. „White Flag For Peace“ ist die erste Single und gleichzeitig eine wütende Fahrt durch die Moshpits dieser Welt, wenn auch mit mehr Blink182 als Anti-Flag im Unterton.

Über gezwungene Szene-Gesten oder einer manchmal eher einschränkenden Authentizitäts-Keule braucht man sich beim Disco Ensemble eh keine Sorgen zu machen. Szenelos machen sie das, was sie können und lieben, so fühlt sich „The Island Of Disco Ensemble“ einfach gut an, reißt mit, wie es schwelgen lässt. So stehen sich Stakkato-Songs a la „White Flag For Peace“ und der Punkrock meets flirrende Synthie-Wucht von „So Cold“ umarmenden Midtempo-Hymnen, wie den melancholischen „Get Some Sleep“ oder „Protector“ gegenüber. Atmosphärisch pendeln diese zwischen Niedergeschlagenheit und Aufbruch, während ein Großteil auf „The Island Of Disco Ensemble“ einfach Spaß macht, keine Gefangenen inhaftiert und wie so viele vor Disco Ensemble die gradlinige, euphorisch druckvolle Gitarren-Melodie und große Geste zum Maß aller Dinge werden lässt. Das ist leichtfüßig genau so wie auf Dauer etwas wenig, doch wenn schon der Frühling da ist, sagt man zum vierten Werk der Finnen nicht „nein“, denn ihre Sache machen sie definitiv gut.

Anspieltipps:

  • Bay Of Biscay
  • White Flag For Peace
  • Get Some Sleep
  • Life Of Crime

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