Miley Cyrus - Can´t Be Tamed - Cover
Große Ansicht

Miley Cyrus Can´t Be Tamed


  • Label: Hollywood Records
  • Laufzeit: 50 Minuten
Artikel teilen:
5/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Das Ergebnis ist unterm Strich ganz solider US-Teen-Pop.

Manche grundlegende Dinge ändern sich im Showbiz nie. Zum Beispiel die Frage, wie man vom niedlichen Kinderstar die Kurve zum ernstzunehmenden Künstler bekommt? Wegen dieser Herkules-Aufgabe ist schon so manche Karriere – generationsübergreifend von Heintje (55) bis Britney Spears (28) – ganz böse ins Schlingern geraten. Zum einen, weil das Publikum das Interesse an „gealterten“ Ex-Kinderstars verliert und zum anderen, weil die Herren und Damen Künstler auf dem Weg zum erwachsen sein gerne mal vollkommen durchdrehen.

Der nächste Megastar, der sich diesem Prozess stellen muss, ist Miley Cyrus (17). Als angeblich Milliarden schwerer TV-, Kino- und Musikstar steht die 17-Jährige vor dem Absprung aus der Disney-Kinderserie „Hannah Montana“, um sich als Schauspielerin weiterzuentwickeln und auch musikalisch will die Tochter von Schauspieler und One-Hit-Wonder Billy Ray Cyrus nach mehr als 15 Millionen verkauften Tonträgern neue Wege einschlagen, bei denen sie mehr denn je das Sagen hat. So weit, so gut. Doch kommen wir nun zu der Umsetzung des Ganzen, bei der sich leider wie so oft die Geister scheiden.

Miley Cyrus hat sich offenbar dazu entschlossen, das Publikum und ganz besonders ihre Landsleute im prüden Amerika durch auffällig freizügige Bühnen-Outfits (siehe z.B. der „Rock in Rio 2010“-Auftritt) und mit peinlich-aggressiver Erotik (inkl. „Unten-Ohne-Skandal“) zu schockieren. Dabei dachten wir, dass diese knallhart kalkulierte Nummer seit Britney Spears durch sei. Doch Miley belehrt uns eines besseren und promotet ihr mittlerweile drittes Album (wenn man die künstlich aufgeblasene EP „The Time Of Our Lives“ aus dem vergangenen Jahr als Longplayer wertet und dazuzählt) mit eben dieser Masche. Da können wir nur hoffen, dass das gut geht. Denn eine 17-Jährige, die auf den „Sex Sells“-Zug setzt, muss nun wirklich nicht sein. Aber Augenblick mal, da war doch noch etwas?! Ach ja, die Musik!

Mit „Can’t Be Tamed“ legt Miley Cyrus einen Longplayer vor, den sie gemeinsam mit dem Grammy-dekorierten Star-Produzenten John Shanks (u.a. Bon Jovi, Sheryl Crow, Celine Dion, Kelly Clarkson) einspielte, was grundsätzlich einer Auf-Nummer-Sicher-Entscheidung gleichkommt. Dennoch wiederholt sie nicht das Schema des „Breakout“-Albums, das auf rockige Songs und Balladen setzte. Es ist unschwer zu überhören: Auch auf Miley Cyrus und ihre Songwriter hat der Erfolg von Lady Gaga abgefärbt, wodurch ihr neues Album wesentlich poppiger ausgefallen ist („Can’t be tamed“, „Liberty walk“, „Who owns my heart“, „Robot“), was aufgrund des überwiegend soliden Songwritings ebenso gut wie Mileys Rockschiene funktioniert. Mit „Every rose has it’s thorn“ von Poison hat sich Miley Cyrus zudem eine dankbare Coverversion vorgenommen, die hier einen dezenten Electro-Pop-Anstrich erhält, was dem Song nicht schadet, ihm aber auch nichts Neues abgewinnt.

Mit „Two more lonely people“ und „Forgiveness and love“ gleiten zwei Songs zwar unnötig heftig ins Schlagereske ab und „Permanent december“ orientiert sich peinlich nah an Ke$has Welthit „Tik Tok“, doch das Ergebnis ist und bleibt unterm Strich ganz solider US-Teen-Pop ohne allzu große Ansprüche, der niemanden wehtut und seinen Kinderschuhen entgegen anders lautender Ankündigungen noch nicht entwachsen ist.

Anspieltipps:

  • Stay
  • Scars
  • Take me along
  • My heart beats for love
  • Every rose has it’s thorn

Neue Kritiken im Genre „Pop“
5.5/10

Songs Of Experience
  • 2017    
Diskutiere über „Miley Cyrus“
comments powered by Disqus