Green Day - American Idiot: The Original Broadway Cast Recording - Cover
Große Ansicht

Green Day American Idiot: The Original Broadway Cast Recording


  • Label: Reprise/WEA
  • Laufzeit: 83 Minuten
Artikel teilen:
6/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Das Unternehmen, Green Days „American idiot“ als Broadwaymusical zu inszenieren, ist keineswegs gescheitert.

Die Ausgangslage ist bekannt. Eine Band, die bereits als kommerziell abgeschrieben galt, legt wegen der Unfähigkeit eines gewissen George W. Bush ein trotziges Werk vor, das sie nicht nur wieder zu den Topsellern der Branche macht, sondern auch den Grammy für das Album des Jahres einstreifen lässt. Über 14 Millionen verkaufte Platten von „American idiot“ (09/2004), eine ausgedehnte Tour rund um den Globus (einen hervorragenden Eindruck davon bekommt man beim Live-Mitschnitt „Bullet in a bible“ (11/2005)), und einen ähnlich ambitionierten Nachfolger namens „21st century breakdown“ (05/2009) später sind Billie Joe Armstrong (Gesang, Gitarre), Mike „Dirnt“ Pritchard (Bass) und Frank „Tré Cool“ Wright (Schlagzeug) aber noch nicht am Ende ihres Anti-Amerika-Zyklus angelangt, schließlich heißt es nun das erfolgreiche Spätwerk „American idiot“ als Broadwaystück zu inszenieren. Größenwahn möchte man meinen, alles halb so schlimm wird nach der mittlerweile erhältlichen Doppel-CD des Musicals konstatiert.

Unter der Regie von Michael Mayer, der bereits den Tony Award für seine Aufführung einer rockigen Fassung der Wedekind Erzählung „Frühlings Erwachen“ überreicht bekam, versammelte sich ein etwa 25 Mann und Frau starkes Ensemble, das den Green Day-Kompositionen zu einem ganz speziellem Glanz verhelfen sollte. Wer schon im Formatradio mit der ziemlich schicken Neueinspielung von „21 guns“ überrascht wurde, wird auf „The original broadway cast recording“ keine solcher mitreißenden und aus anderer musikalischer Perspektive erzählten Stücke finden. Der Großteil des 80 Minuten dauernden Musicals ist eine 1:1 Kopie der Green Day-Songs, lediglich mit dem Unterschied, das nicht Billie Joe ins Mikrophon schreien darf, sondern John Gallagher Jr. (Johnny), Michael Esfer (Will), Stark Sands (Tunny), Mary Faber (Heather), Rebecca Naomi Jones (Whatsername), Tony Vincent (St. Jimmy) und Christina Sajous (The Extraordinary Girl) den Gesang der Hauptprotagonisten im Post 9/11-Kosmos übernehmen.

Ausladende Instrumentalpassagen, eigene Themen für die einzelnen Charaktere bzw. leicht identifizierbare Stimmfarben oder andere „klassischere“ Komponenten fehlen völlig, der Eindruck etwas Großem und Dramatischem beizuwohnen offenbart sich nur selten, wenn etwa die ohnehin schon balladesken Songs wie „Boulevard of broken dreams“, „Wake me up when September ends“ oder eben „21 guns“ mit stärkerem Pathos und dezenten Streichern an Emotionen gewinnen, „Last of the american girls“ eine gelungene Hochzeit mit „She´s a rebel“ eingeht, „Give me novocaine“ und „Whatsername“ auf den Punkpart verzichten und stattdessen die Akustische samt Piano auspacken oder die beiden Longtracks „Jesus of suburbia“ und „Homecoming“ von männlichen und weiblichen Gesangsparts, Chor und Punkrock´n´Roll umschlungen werden und somit eine größere Wirkung beim Hörer erzielen. Das hilft aber alles nichts, wenn man eine gute Dreiviertelstunde auf einen überraschenden Knalleffekt oder zumindest ein angemessenes Finale wartet. Damit ist das Unternehmen Green Days „American idiot“ als Broadwaymusical zu inszenieren zwar keineswegs gescheitert, die Erwartungen an die Produktion sollten jedoch nicht allzu hoch gesteckt werden, sonst ist eine dicke Enttäuschung vorprogrammiert.

Anspieltipps:

  • 21 Guns
  • Whatsername
  • Give Me Novocaine
  • Last Of The American Girls / She´s A Rebel

Neue Kritiken im Genre „Punkrock“
Diskutiere über „Green Day“
comments powered by Disqus