Oasis - Time Flies... 1994-2009 - Cover
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Oasis Time Flies... 1994-2009


  • Label: Big Brother/Sony Music
  • Laufzeit: 200 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Das ist er nun also, der offizielle Abgesang auf die einst so grandiose BritPop/Rockband Oasis, die sich – wie immer befürchtet – im Streit der Brüder Liam (37) und Noel Gallagher (43) getrennt hat: „Time Flies... 1994-2009“. Mit diesem Box-Set, das auch als abgespeckte Doppel-CD erhältlich ist, nehmen wir Abschied von einem genialen Musiker (Noel) und einem uneinsichtigen Krawallbruder (Liam), die zusammen zumindest 2½ kongeniale Studioalben abgeliefert haben, bevor Drogen und Größenwahn die Karriere aus dem Ruder laufen ließen.

Oasis wurde 1991 in der Arbeiterstadt Manchester gegründet und nur drei Jahre später gehörte die Band zu den großartigsten und erfolgreichsten Popmusikvertretern, die jemals von der britischen Insel kamen. Auf ihren ersten Alben „Definitely Maybe“ (1994) und “(What's The Story) Morning Glory?” (1995) brannten Oasis ein Feuerwerk aus Hitsingles ab, das es bis dato vielleicht nur noch bei den Beatles gegeben hatte. Doch schon mit „Be Here Now“ (1997) wurde die Lage um Oasis kritisch. Obwohl das Werk bis heute das am schnellsten verkaufte Album aller Zeiten in Großbritannien ist, schien man den Druck, der auf der Band lastete, förmlich aus jeden Song herauszuhören. Von den drei in England ausgekoppelten Singles erreichten dennoch zwei den ersten und eine den zweiten Platz der Charts.

Mit Album Nummer vier, „Standing On The Shoulder Of Giants” (2000), setzte sich das Personalkarussell bei Oasis in Bewegung. Paul Arthurs und Paul McGuigan gingen, Andy Bell und Gem Archer kamen. Wirklich interessant hat das aber eigentlich keinen, denn Oasis waren immer nur Liam und Noel Gallagher, der seinen kleinen Bruder auf dem Album das erste Mal gestattete, eigene Songs beizusteuern. Das waren dann recht http://www.oasisnet.com pathetische Nummern wie „Little James“ (eine Ode an Liams Stiefsohn), die Noel sicher nur deshalb zuließ, um sich größeren Ärger mit seinem Bruder zu ersparen. Insgesamt traf das Album nicht so den Massengeschmack wie vorher, was sich mit „Heathen Chemistry“ (2002) wieder etwas verbessern sollte – auch dank der Singles „Stop crying your heart out“, „Little by little“, „The Hindu times“ und „Songbird“.

Vor den Aufnahmen zu „Don't Believe The Truth” (2005) verließ Schlagzeuger Alan White die Band und wurde durch Zak Starkey (44), dem Sohn des Beatles-Drummers Ringo Starr ersetzt. Künstlerisch hatten sich Oasis gefangen und stabilisiert. Die Abverkäufe blieben im Vergleich zu den letzten Alben stabil und die ausgekoppelten Singles „Layla“, „The importance of being idle“ sowie „Let there be love“ holten im UK wieder zwei erste und einen zweiten Hitparadenplatz. Mit „Dig Out Your Soul” (2008) veröffentlichten Oasis ihr siebtes und letztes Studiowerk. Zak Starkey verließ die Band nach den Aufnahmen wieder und wurde durch Chris Sharrock ersetzt. Es erschien auf dem eigenen Label Big Brother Recordings und erreichte wie alle Oasis-Studioalben zuvor den ersten Platz der UK-Charts. Die einzige physische Singleauskopplung „The shock of the lightning” erreichte den dritten Chartsrang und war damit die einzige Debütsingleauskopplung eines Oasis-Albums, die nicht auf den ersten Platz kam.

Ende August 2009 verkündetet Noel Gallagher seinen Ausstieg bei Oasis. Bruder Liam gab fünf Wochen später das Ende der Band bekannt. Damit schließt sich ein Kapitel in der britischen Rock- und Popmusik, das über 50 Millionen verkaufte Tonträger und 26 UK-Singles hervorbrachte, von denen acht auf dem ersten Platz und 23 in den Top 10 landeten. Diese Singles sowie sämtliche jemals für Oasis produzierten Videoclips findet man in der vorliegenden Box auf zwei CDs und einer DVD. Dazu kommt der Mitschnitt des allerletzten Oasis-Konzerts im Londoner Roundhouse am 21. Juli 2009 auf einer weiteren CD. Allein dadurch ist quasi jeder Fan gezwungen, dieses Box-Set käuflich zu erwerben, um standesgemäß Abschied zu nehmen.

Es kann zwar nicht ausgeschlossen werden, dass Oasis nicht doch irgendwann einmal zurückkehren – bekloppt genug zu diesem Schritt wären die Gallagher-Brüder allemal –, doch bis dahin markiert „Time Flies... 1994-2009“ das Ende einer ebenso verrückten wie genialen Band, die an den Egos ihrer Häuptlinge gescheitert ist.

Anspieltipps:

  • Whatever
  • Wonderwall
  • Live forever
  • Stand by me
  • Little by little
  • Some might say
  • Don’t look back in anger
  • Stop crying your heart out

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