Parkway Drive - Deep Blue - Cover
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Parkway Drive Deep Blue


  • Label: Epitaph/INDIGO
  • Laufzeit: 44 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Daumenschrauben oder doch lieber auf Nummer sicher lautet ab sofort die Devise.

Der Thron des Metalcore ist schon lange nicht eindeutig besetzt, da das Genre auf internationaler Ebene derzeit einfach zu instabil scheint als das man einer Band mit gutem Gewissen die Führungsspitze anvertrauen könnte. Killswitch Engage haben mit ihrer letzten selbstbetitelten Scheibe (06/2009) zwar einiges wieder gut gemacht, an alte Großtaten müssen Dutkiewicz & Co. aber erst anschließen, Unearth sorgten mit „The march“ (10/2008) nicht für den nötigen Langzeiteffekt, Trivium wilderten mit „Shogun“ (09/2008) in allzu undurchsichtig-progressiven Gefilden und Bullet For My Valentine will man trotz ihres ganz ordentlichen, letzten Longplayers „Fever“ (04/2010) ohnehin nicht wirklich als Referenz heranziehen. Da war es umso erfrischender, dass As I Lay Dying mit „The powerless rise“ (05/2010) der gesamten Konkurrenz den Mittelfinger zeigten und eine kompromisslose Vollbedienung vorlegten, die den Amerikanern nicht nur neues Leben einhauchte, sondern auch unmissverständliche Ansprüche auf die Metalcore-Krone erheben ließen.

Nicht ganz zwei Monate später wackeln die Zacken der Herrschaftsinsignien aber ganz gewaltig, denn es treten schließlich Parkway Drive mit „Deep blue“ in den Ring und mischen mächtig auf. Die Zeiten, in denen Winston McCall (Gesang), Luke Kilpatrick (Gitarre), Jeff Ling (Gitarre), Jia O´Connor (Bass) und Ben Gordon (Schlagzeug) als uninspirierte Trittbrettfahrer deklariert wurden sind immerhin vorbei und für viele ist „Horizons“ (10/2007) noch immer die beste Metalscheibe von vor drei Jahren. Dass dieser Status sorgfältig verwaltet werden muss, ist der Band bewusst und so beginnen die fünf Australier Album Nummer drei mit „Samsara“ zaghaft, aber mit umso größerem Knall, wenn die nach und nach an Fahrt aufnehmenden Moshpit-Melodien direkt in „Unrest“ überlaufen und direkt in die Fresse einschlagen.

Parkway Drive 2010 heißt unter anderem erneut: Keine klar gesungenen Passagen, kein Emo-Geplänkel, keine pathetischen Ausflüge in den Leidensweg des lyrischen Ichs. „Deep blue“ setzt bei den altbekannten Metalcore-Zutaten an, mischt sie aber zu einem eigenständigen und wohlschmeckenden Cocktail durch, was in tonnenschwere Breakdowns gipfelt, die sich allerdings im Vergleich zu anderen Genrevertretern nicht schon fünf Minuten vorher ankündigen. Drückendes Material wie „Wreckage“ oder „Deadweight“ triumphiert gelassen über die seelenlosen Hüllen anderer Genrevertreter, die punktgenau aufspielende Rhythmus- und Groove-Abteilung arbeitet auch Hochtouren und trotzdem befindet sich die Scheibe ab der Mitte in einer Identitätskrise.

Daumenschrauben oder doch lieber auf Nummer sicher lautet ab sofort die Devise und der starke Auftakt wird von Unentschlossenheit abgelöst, die unter anderem einen Song wie „Home is for the heartless“ mit fürchterlichem „Woah Ooh“-Chorus generiert. Doch sei´s drum. „Deep blue“ hat seine Momente und die schwächelnde zweite Hälfte wird als livehaftige Inszenierung niemanden interessieren. Außerdem ist es heutzutage keine Selbstverständlichkeit ein Metalcore-Album in die Hände zu bekommen, dass halbwegs einen Anspruch auf Eigenständigkeit versprüht und selbst nach mehreren Umdrehungen noch einigermaßen unverbraucht wirkt.

Anspieltipps:

  • Pressures
  • Wreckage
  • Deadweight

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