Wolf Parade - Expo 86 - Cover
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Wolf Parade Expo 86


  • Label: Sub Pop/CARGO
  • Laufzeit: 55 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Dem dritten Album der Kindsköpfe von Wolf Parade liegt eine besondere Anekdote zugrunde, welche die Band tief in ihre Kindheit zurückführt, als sie noch nicht einmal zehn Jahre alt waren: Auf der Weltausstellung in Vancouver im Jahr 1986 sollen sie demnach einen Pakt geschlossen haben, später einmal eine Rockband zu gründen, wenn erstmal jeder von ihnen ein dafür nötiges Instrument beherrschen würde. Zunächst gab es diverse Streitereien, wer denn singen dürfe (ein Patt zwischen Spencer Krug – welcher außerdem Keyboard spielen sollte – und Dan Boeckner) und um die Stellung des Gitarristen (ein Unentschieden zwischen Boeckner und Dante De Caro).

Im Anschluss wurde um den Posten des Schlagzeugers gewetteifert, den schließlich Arlen Thompson einnehmen sollte. Hadji Bakara ließ daraufhin verlauten, er wolle dann eben mit einem Computer Klänge erzeugen, erntete bei jener Begebenheit jedoch nichts als das Gelächter seiner Freunde. Schließlich würde er nie in der Lage sein, sich einen zu leisten. Nun mag diese ganze Geschichte mit höchster Wahrscheinlichkeit ausgemachte Firlefanzerei von Kinder gebliebenen, erwachsenen Musikern sein, passt aber einfach gut zum Artwork und dem musikalischen Ansatz des Albums.

Fakt ist, dass Wolf Parade ihr drittes Album in Erinnerung an diese Geschichte „Expo 86“ genannt haben, während der zwischenzeitig eingelegten, einjährigen Pause leider einen Mitstreiter, nämlich Hadji Bakara an die Universität verloren haben und nun versuchen, diese Lücke durch einen zusätzlichen Synthesizer zu schließen.

So piept und tutet und orgelt es im herzallerliebsten Retro-Stil aus den brüchigen Tasteninstrumenten auf „Expo 86“ mindestens genauso viel wie auf den vorhergehenden Alben. Ihre Vorliebe für schräge und verschrobene Klänge haben Wolf Parade natürlich nicht verloren. Was man jedoch auf ihrem dritten Album vergeblich sucht, sind die offensichtlichen Hits: Kein „I'll Believe In Anything“, kein „California Dreamer“. Stattdessen haben sie Songs geschrieben, die nicht unbedingt logischen Aufbauten folgen und dementsprechend ein wenig Zeit brauchen, um Wirkung zu entfalten. Es sollte schließlich schnell gehen mit der Produktion von „Expo 86“, nachdem die Entstehungszeit der Vorgängeralben „Apologies To The Queen Mary“ und „At Mount Zoomer“ nach Empfinden der Bandmitglieder viel zu lang gedauert hatten. So merkt man „Expo 86“ vielleicht nicht unbedingt einen besonderen Hang zur Improvisation an, aber eine gewisse „aus-dem-Bauch-heraus“-Attitüde ist auf jeden Fall auszumachen.

Viel Gedanken um Songstrukturen scheinen sich die Jungs jedenfalls nicht gemacht zu haben. Alle Stücke auf „Expo 86“ liegen deshalb stilistisch sehr nahe beieinander, obwohl wieder die eine Hälfte der Lieder aus der Feder von Spencer Krug – für die wirklich neben der Spur liegenden Stücke wie „What Did My Lover Say? (It Always Had To Go This Way)” und „Cave-O-Sapien” verantwortlich – und die andere von Dan Boeckner stammen, der für gewöhnlich die geradlinigeren Stücke schreibt („Little Golden Age“, „Pobody's Nerfect“). Doch hier liegt alles viel näher beieinander, Zuordnungen können manchmal fast nur noch aufgrund der unterschiedlichen Stimmen erfolgen und selbst die können wohl selbst gestandene Fans nicht immer auseinander halten.

Es fehlt dem Album – im Gegensatz zu seinen Vorgängern – etwas der Einfallsreichtum, der aus netten und guten Liedern tolle machen würde. Dennoch wird es auf „Expo 86“ nie richtig langweilig. Der Versuch, den ausgefallenen Klängen des Quartetts zu folgen, macht auch beim dritten Wurf Spaß. Und dennoch hätte „Expo 86“ ein bisschen mehr Konzentration und Feinschliff sicher gut getan, denn es gelingt keinem Song wirklich aus der Masse hervorzutreten. So hört man das dritte Album von Wolf Parade am besten in einem Stück und lässt sich für knapp eine Stunde in die verdrehte Welt von vier verspielten Musikern entführen.

Anspieltipps:

  • What Did My Lover Say? (It Always Had To Go This Way)
  • Little Golden Age
  • Pobody's Nerfect
  • Cave-O-Sapien

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