Ed Kowalczyk - Alive - Cover
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Ed Kowalczyk Alive


  • Label: EarMusic/EDEL
  • Laufzeit: 40 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Abschied fällt immer schwer. Auch nach zwanzig Jahren voller Erfolge mit der Band Live ist Ed Kowalczyk noch immer nicht bereit loszulassen. Nach nicht viel mehr als einem Jahr nach der Trennung der großen Band, kommt er mit seinem ersten Solowerk und auch mit weiteren Musikern plant er schon Projekte. Dass er an den alten Erfolgen hängt, zeigt wohlmöglich der Albumtitel „Alive“, der den alten Bandnamen beinhaltet. Das ist jedoch reine Spekulation. Wichtiger ist, dass auch ein Kowalczyk meint, er könne sich nach zwei Dekaden aufs Neue erfinden. Nach all den Erfolgen will man ihm das natürlich zutrauen, aber er ist nicht der erste Altstar, der vergebens versucht, neue Richtungen einzuschlagen. Die Frage ist, ob Ed Kowalczyk ein neuer Name im Rockgenre wird oder lediglich als Teil von Live in den Gedanken der Hörer bleibt.

Einen Platinhit schüttelt man heute nicht mehr so einfach aus dem Ärmel, möchte man meinen. Spätestens Daughtry war wieder ein Beweis in der Rockspalte, dass das gar nicht so schwer ist. Uninspirierter Rock ohne Tiefgang erobert die weichgespülte Masse und am Ende entscheidet die Lobby. Wer Fans hat, kann meist getrost auf Verkaufszahlen setzen. Leistung wird bei den Großen im Musikbusiness in letzter Zeit wieder stark vernachlässigt. Die Masse folgt wie eine Schafsherde. Ganz so einfach wird Kowalczyk es jedoch nicht haben, da er an seiner alten band gemessen wird und er allein seinen Marktwert erst steigern muss. Da hilft eine Powernummer wie „Grace“ als erste Single auf jeden Fall. Das ist so ziemlich der Rock, den der moderne Rockhörer möchte. Laute Gitarren, emotionale Stimme und eine gute Spur Pathos. Vor ein paar Jahren war so etwas noch Alternativ-Rock. Jetzt ist es ein Kassenschlager.

Insgesamt fokussiert sich das komplette Album auf diesen Stil. Die Melodiebögen sind mal schwächer, mal stärker. Anderorts sucht man vergebens nach interessanten Elementen. „Zion“ bietet einen vielversprechenden Anfang, der sich dann aber auch in einer lauten Rockorgie verliert. All die Routine und auch die gute Stimme des Sängers machen nicht wett, dass die Stimmung des Albums zu gleich bleibend ist. Keine Abwechslung und keine Ideen sind das Ergebnis eines Albums, das – den Aussagen widersprechend – so klingt wie Live. Keine Entwicklung und keine Neuentdeckung der eigenen Fähigkeiten wurden vollzogen. Ob die Fans mit dieser Sicherheitsschiene zufrieden sind, wird sich an den Zahlen ablesen lassen können. Qualitativ ist es nicht anzuzweifeln, dass Kowalczyk das selbsternannte Ziel, etwas Neues zu schaffen, verfehlt hat.

Anspieltipps:

  • Grace
  • Zion
  • Fire On The Mountain

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