Whitechapel - A New Era Of Corruption - Cover
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Whitechapel A New Era Of Corruption


  • Label: Metal Blade/Sony Music
  • Laufzeit: 41 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Im April gaben Despised Icon ihre Auflösung bekannt. Whitechapel sind einer der Gründe, warum sich das Vermissen sehr in Grenzen halten wird. Kurz nach der Jahrtausendwende schossen Deathcore-Bands wie Pilze aus dem Boden und demolierten ihre Umgebung mit technisch versiertem Geknüppel und Gebrüll, bis heute. Dazu gehören Despised Icon genau wie seit 2006 auch Whitechapel. Es bleibt am Publikum hängen, sich aus den manchmal nahezu identischen Bands ein oder zwei Lieblinge herauszupicken, oder es gewinnt die Band mit der erfolgreichsten Werbung. Es wird immer schwieriger, die charakteristischen Eigenschaften der jeweiligen Combos aufzuzeigen, sowohl für die Kritiker als auch die Musiker selbst, denn die Deathcore-Welle neigt sich bislang noch keinem Ende zu.

Was bleibt, ist ein allgemeines „love it or hate it“ sowie die Konzentration auf die persönliche Weiterentwicklung der jeweiligen Band. Über Whitechapel lässt sich allemal sagen, dass sich ihr Sound bis hin zum nun vorliegenden dritten Album „A New Era Of Corruption“ stetig gesteigert hat. Die Produktion, diesmal von Jason Suecof (Trivium, The Black Dahlia Murder), fällt noch eine Ecke knackiger aus als beim Vorgänger und wird durch ein paar kleine elektronische Effekt-Spielereien zusätzlich aufgewertet, wie man das heutzutage eben so macht. Dabei bleiben Whitechapel aber Whitechapel, so wie der geneigte Fan sie seit jeher liebt, mit Abwechslung durch unberechenbare Geschwindigkeitsänderungen und melodische Einschübe, aber stets brachial. Ihren Wiedererkennungswert sichern sich die sechs Herren wieder vor allem durch das surreal tiefe Shouting von Phil Bozeman, auch wenn in letzter Zeit einige Sänger gefährlich nah an diesen Stil heran traten. Dass die Band auf gleich drei statt der üblichen zwei Gitarristen zurückgreift, fällt im Klangbild dagegen nicht auf.

Auffällig in dem schwer zugänglichen Gedonner sind am ehesten „A Future Corrupt“, da am kürzesten und zackigsten, und „Reprogrammed To Hate“, wo man im letzten Drittel meint, der Frontmann der deutschen Metal-/Deathcore-Größe Neaera hätte sich als Gast die Ehre gegeben. Dabei handelt es sich, man höre und staune, um Chino Moreno, den Sänger der Deftones, der hier so markerschütternd kreischt, wie man es bei ihm nur selten hört. Insgesamt läuft das Album in einem Rutsch durch, ohne störende Instrumental-Intermezzi oder überlange Ausschweifungen. Angenehm; dennoch ist das Gesamtbild nicht gerade fesselnd. Mal ehrlich: Ob man nun Whitechapel, Job For A Cowboy, Carnifex oder die besonders kompromisslosen Newcomer Those Who Lie Beneath hört, die Unterschiede sind und bleiben klein bis verschwindend gering. Soundtechnisch leicht verbessert behalten Whitechapel mit „A New Era Of Corruption“ jedenfalls den erspielten Platz irgendwo im vorderen Drittel ihres Genres. Wer beim Deathcore wahres Ideenreichtum sucht, wird höchstwahrscheinlich immer noch mit All Shall Perish vorlieb nehmen.

Anspieltipps:

  • The Darkest Day Of Man
  • Reprogrammed To Hate
  • A Future Corrupt

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