Monrose - Ladylike - Cover
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Monrose Ladylike


  • Label: Starwatch/WEA
  • Laufzeit: 48 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
7.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Der Schock sitzt noch immer tief. Einst beständige Hitsingle-Lieferanten wie die Sugababes verlassen ihr charismatisches Territorium aus netten, unaufdringlichen Popsongs um die US-Charts zu knacken, springen unverhohlen auf den Lady Gaga-Zug auf und legen eine künstlerische wie kommerzielle Bankrotterklärung namens „Sweet 7“ (03/2010) vor, die aufgrund ihrer stupiden Nonsenstexte und austauschbaren 0815-Melodien auf irgendeinem Rechner der hochdotierten Produzentenriege zusammengeschustert wurde. Einen ähnlichen Stilbruch (Hardcorefans der ersten Stunde würden es noch heute Verrat nennen) haben die „neuen Engel“ Mandy Capristo, Senna Guemmour und Bahar Kizil hinsichtlich des discoorientierteren Sounds ihres zweiten Longplayers „Strictly physical“ (09/2007) im Vergleich zum balladengespickten Debüt „Temptation“ (12/2006) ebenfalls vollzogen, allerdings konnte der Wegfall des einschläfernden Schunkelpop hin zu einer ausgewogeneren Mischung aus Disco, R&B, Electro und Pop nur begrüßt werden, was jedoch im Nachfolger „I am“ (09/2008) leider maßlose Übertreibung fand und in verzerrte Stimmen, lästiges Gefiepe und peinliche Dancefloornummern gipfelte.

Eine Auszeit war vonnöten, das Konzept die No Angels durch frische und an den Zeitgeist angepasste Musik vergessen zu machen benötigte eine Frischzellenkur und wurde vorerst auf Eis gelegt. Auftritte als Moderatorinnen und Modeljobs dienten dazu Abstand zu gewinnen um sich letztendlich mit einem Knall zurück zu melden. Das ist in der Tat geglückt. Die Lackfetisch-Outfits im Video zur aktuellen Single „Like a lady“ sind so furchteinflössend, dass der Blick kaum abgewendet werden kann und sich die bizarren Bilder sofort ins Hirn einbrennen. Musikalisch gibt es pumpende Electro House-Beats auf die Ohren, gesanglich wird von den drei Mädels so gut wie nichts abverlangt. Die Idee, „Ladylike“ mit der Hilfe von Produzenten und Songschreibern aus Deutschland (u.a. Toby Gad, Alexander Geringas), Amerika (u.a. Billy Burnette) und England (u.a. Shaznay Lewis) zu kreieren und auf diese Weise internationale Aufmerksamkeit zu erregen, scheint gescheitert. Mandy, Senna und Bahar geben sich 2010 aber nicht so einfach geschlagen, starten mit dem oszillierenden, im Midtempo verweilenden Auftakt „This is me“, dem Eurodance-Gepolter eines „Superstar DJ“ und dem öden, vor sich hin mäandernden „Don´t take it personal“ äußerst schwach, scheuchen mit „Doing fine“ aber eine herzhafte R&B-Ballade aus den Boxen, die nicht nur eine eingängige Hookline besitzt und stimmlich überzeugt, sondern auch den starken Teil der Platte einläutet.

„Definition of a woman“ wandelt mit Tough Girl-Attitüde auf den Spuren von Destiny´s Child, „Love must carry on“ gedenkt der qualitativ hochwertigen Zeit der Sugababes durch eine mehrstimmigen Ballade mit Akustikgitarrenunterstützung, „Breathe you in“ startet als kitschiger Whitney Houston-Verschnitt, steigert sich aber trotz einer gewissen Beliebigkeit im Songaufbau und „All or nothing“ sowie „No no no“ präsentiert Monrose als reduziert agierende Girlgroup, die sich aufgrund der Stimmen und nicht wegen wummernden Synthesizerschleifen hervorhebt, obwohl letztgenannter Song ruhig etwas Bass vertragen hätte, da er in seiner dargebrachten Form etwas halbfertig klingt. Trotzdem sind diese sechs Songs wesentlich gehaltvoller und spannender als beinahe der komplette Vorgänger, wenngleich „Catwalk V-O-G-U-E“ und „Mono“ es zum Abschluss nicht lassen können Lady Gaga und Autotune zu huldigen. Glücklicherweise ist mit „I surrender“ ein Hidden Track versteckt worden, der „Ladylike“ so ausklingen lässt, wie man es von den drei Mädels erwartet: Mit einer rockigen Powerballade, in der sie als Sängerinnen gefordert werden.

Entgegen des unangenehm steril wirkenden Looks auf dem Cover und im Video zur aktuellen Single ist die vierte Monrose nur halb so schlimm ausgefallen wie befürchtet. Mandy, Senna und Bahar (bzw. ihre Songschreiber) besinnen sich für sechs Songs auf ihre Stärken und legen mit „Catwalk V-O-G-U-E“ und „Mono“ nur zwei richtig dicke Rohrkrepierer vor. Dennoch: „Ladylike“ fehlt noch immer eine eigene Identität auf der musikalischen Seite, die Monrose aber wohl bis ins hohe Alter verwehrt bleiben wird, sodass weiterhin erfolgreichen Vorbildern nachgeeifert wird. Im Vergleich zu den Vorgängern ist dieser Umstand dieses Mal jedoch weniger störend und die Popstars-Gewinnerinnen klinken sich überraschenderweise ins Mittelfeld ein.

Anspieltipps:

  • Doing Fine
  • I Surrender
  • Breathe You In
  • Love Must Carry On

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