Mehrzad Marashi - New Life - Cover
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Mehrzad Marashi New Life


  • Label: Columbia/Sony Music
  • Laufzeit: 44 Minuten
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1/10 Unsere Wertung Legende
3.3/10 Leserwertung Stimme ab!

„Deutschland sucht den Superstar“ ohne Dieter Bohlen? Geht nicht! Sieben Staffeln lang schimpft, meckert und faucht der ehemalige Modern Talking-Barde schon über die Darbietung von oberpeinlichen Möchtegerns oder ganz passablen Nachwuchstalenten, die ganz gerne einen Plattenvertrag hätten, aber ihr Glück lieber nicht in die eigenen Hände nehmen, sondern das Fernsehen, genauer gesagt RTL, als optimales Sprungbrett in die Welt der Stars und Sternchen ansehen. Wieso letzten Endes kein Kandidat auch nur annähernd einen Fuß außerhalb von Deutschland, Österreich und der Schweiz in die Charts bekommt, liegt, und damit schließt sich der Kreis, an Dieter Bohlen. Würde der mittlerweile 56jährige Niedersachse in den Castingshows keine Sprüche vom Kaliber eines „Wir suchen hier nach Pralinen und dann stehen da immer irgendwelche Lutscher!“ vom Stapel lassen, niemand würde nach acht Jahren noch Interesse am kaum abgeänderten Talentsuchwettbewerb haben (vor allem nicht im Ausmaß von durchschnittlich 4,24 Millionen Zuschauern pro Folge), den steinigen Weg der hoffnungsvollen Sänger und Sängerinnen mitverfolgen und für jemanden wie Menowin Fröhlich oder Mehrzad Marashi jede Woche seine Telefonrechnung strapazieren um seinen Favoriten ins Finale zu voten.

Dass dem Gewinner am Ende ein von Dieter Bohlen produziertes Album ins Haus steht, vergessen dabei viele, obwohl natürlich immer wieder aufs Neue die Möglichkeit besteht, das bei dieser einseitigen Kollaboration (vorrangig produziert, schreibt und textet Bohlen, der Sieger darf singen) etwas Brauchbares herausschaut und dem Pop-Titan™ etwas Originelleres einfällt als bekannte Melodien, Samples und Rhythmen als seine Kreationen zu verkaufen oder überhaupt zwanzig Jahre alte Songs, die (sofern nicht anders zutreffend) aus seiner eigener Feder stammen, für die aktuelle Hitparade ein wenig aufzupeppen. Mit seinem musikalischen Enkelkind Mark Medlock hat der Gute jedenfalls bei einem von fünf Alben schon etwas halbwegs Anständiges zustande gebracht („Cloud dancer“ von Mai 2008), selbiges dürfte beim neuesten Mitglied in Bohlens eierlegender Wollmilchsau-Produktionsmaschinerie allerdings noch etwas dauern, schließlich kann in den 44 Minuten und 8 Sekunden von „New life“ auch nicht nur der Hauch einer Auseinandersetzung mit dem durchaus vielseitigen Organ von Mehrzad Marashi festgestellt werden. Hier geben sich ehemalige Hitparadenstürmer, Evergreens und One Hit Wonder der vergangenen Dekaden munter die Hand und kopulieren heftig miteinander. Heraus kommt ein ödes, uninspiriertes Potpourri aus Disco, Soul, Funk, R&B und Pop, garniert mit jeder Menge triefenden Balladenschmalz.

Da muss Marashi bei „Roodie roodie“ nicht einmal „Night fever“ in den Mund nehmen und schon weiß der Hörer, was es geschlagen hat, ganz zu schweigen von der äußerst subtilen 1:1 Kopie von Leona Lewis „Bleeding love“ („Don´t believe“). Die Liste ließe sich jedenfalls endlos weiterführen, doch damit immerhin ein wenig Spaß beim Hören von „New life“ erhalten bleibt, darf jeder selbst die Versatzstücke der Songs von unter anderem Rick Astley, Tanita Tikaram, Backstreet Boys, Stevie Wonder, N´Sync, Queen oder Barry White (Aufzählung aus Platzgründen unvollständig) suchen und über deren neue Verwendung urteilen. Gemein wie Herr Bohlen ist, hat er dieses Spiel jedoch schon bei zwei Songs im vorhinein unterbunden und lässt Mehrzad gut aufgelegt mit Mark Medlock im Cover des Inner Circle-Reggaeschunklers „Sweat (A la la la la long)“ Cocktails am Strand schlürfen und ist sich darüber hinaus nicht zu schade den Modern Talking-Klassiker „You´re my heart, you´re my soul“ für seinen Schützling als langsamen Trauermarsch zu inszenieren. Schlussendlich bekommt man nicht eine einzigartige Platte eines einzigartigen Sängers, sondern ein billig zusammengeschustertes Allerlei für einen hohen Einstieg in die Charts mit dazugehörigem tiefen Fall. Wer waren noch mal Alexander Klaws, Elli Erl oder Daniel Schuhmacher? Egal. Jetzt ist Mehrzad unsere neue Nummer 1. Danke, Dieter!

Anspieltipps:

  • I Love You
  • As Long As You Love Me

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