Eminem - Recovery - Cover
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Eminem Recovery


  • Label: Interscope/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 77 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
7.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Aus dem „Rückfall“ wird nun eine „Genesung“, die sich in einem veränderten Klangbild widerspiegelt.

Rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln… Eigentlich wollte Rapper Eminem ja die im Mai 2009 begonnene „Relapse“-Story mit einem zweiten Teil weitererzählen, doch schon „Relapse: Refill“ (12/2009) war nicht mehr als eine Resteverwertung, da Eminem bei der Albumproduktion bemerkte, dass sich sein Songwriting musikalisch wie inhaltlich verändert hatte und nicht mehr zum „Relapse“-Konzept passte: „Was den Sound betrifft, klingt ‘Recovery’ vollkommen anders als ‘Relapse’, und ich finde, dass dieses Album definitiv seinen eigenen Namen verdient hat“ (Eminem).

Dann soll es eben so sein! Aus dem „Rückfall“ wird nun eine „Genesung“, die sich in der Tat in einem veränderten Klangbild widerspiegelt, das poppiger und optimistischer angelegt ist, wobei Eminem in seinen Texten auch weiterhin kein Blatt vor den Mund nimmt und mit scharfzüngigen Maschinengewehrraps austeilt, freilich ohne thematisch Neuland zu betreten. So werden z.B. wieder reichlich prominente Namen in die Texte integriert, bei denen es dann ganz genau hinzuhören gilt, ob der gute Marshall Mathers das nur aus reiner Nettigkeit macht oder mit der Verbalkeule unterwegs ist. Dass am Ende ein verdienter „Parental Advisory Explicit Content“-Stempel dabei herausspringt, dürfte selbstverständlich sein.

Des weiteren fällt auf, dass Haus- und Hofproduzent Dr. Dre nur einen geringen Teil zum Gelingen der Songs beigetragen hat und mehr als Oberaufseher fungierte. Mehr als ein halbes Dutzend Produzenten durften sich stattdessen auf „Recovery“ austoben und für einige hochinteressante Arrangements sorgen, bei denen neben Gitarren und Synthesizern u.a. auch Samples von Black Sabbath (!) in „Going through changes“ und Haddaway (!!) in „No love” verwendet werden, was bei einigen Stilwächtern für Diskussionen sorgen könnte, zumal die Ergebnisse nicht gerade zu den Sternstunden des Albums zählen. Doch solche Kleinigkeiten machen den HipHop wieder interessant, ebenso wie eine Gästeliste, die bis auf Lil’ Wayne mal nicht die üblichen Verdächtigen des Genres präsentiert.

So darf Popstar P!nk in „Won’t back down” ihren Gesang beisteuern. Dem Song ist das allerdings egal, da er so aufgebaut ist, dass die P!nk-Vocals im Mix mehr oder weniger untergehen. Der Name P!nk wirkt auf dem Albumcover allerdings verkaufsfördernder als Lieschen Müller, womit das Motiv für das scheinbare Megastarduett geklärt sein dürfte. Ganz anders wirkt dagegen die Zusammenarbeit mit dem nächsten weiblichen Popstar: Rihanna. Die 22-Jährige hat in der Ballade „Love the way you lie“ einen großen Part, indem sie den eingängigen Refrain singen darf und dem Song dadurch ihren Stempel aufdrückt.

Auch hier ist der gewünschte Effekt klar: Rihanna hat sicher nicht die beste Stimme im Popzirkus, aber sie sticht markant heraus. Zudem zählt die Sängerin zu den aktuellen Topstars des Business, womit wir wieder beim Thema Verkaufsförderung wären. Doch solche Aktionen sind zum Glück nicht alles. Eminem zeigt sich z.B. in der ersten Singleauskopplung „Not afraid“ als brillanter Rapper, der wie ein Orkan durch sein Textheft fliegt. Bei „Cold wind blows“ hören Nicht-Volljährige besser weg und wenn Em’ und Lil’ Wayne zu Haddaways „What is love?“ rappen, hören vielleicht auch beinharte Eminem-Fans besser weg, obwohl einige Rapparts wirklich grandios sind.

Obwohl Eminem mit „Not afraid“ seinen besten Track seit Jahren am Start hat, er viel gesünder klingt (und aussieht) und sich einiges traut, kann er mit „Recovery“ nur bis zu einem bestimmten Grad überzeugen, wobei „Recovery“ unterm Strich ein gutes Album geworden ist. Für ein herausragendes Werk wären allerdings mehr Tracks im Stil von „Not afraid“ nötig gewesen. Stattdessen haben sich ein paar Langweiler wie „Cinderella man“ eingeschlichen. Und ein poppiger Track mit Pink Floyd meets „Hotel California“-Glückseligkeit wie „Space bound“ ist alles, nur keine authentische Eminem-Nummer. Diese Kritik dürfte Marshall Mathers indes einkalkuliert haben, zumal es sich um ein „Klagen“ auf hohem Niveau handelt. In diesem Sinne: „Fuck you HipHop, I’m leaving you“.

Anspieltipps:

  • On fire
  • Not afraid
  • Space bound
  • Cold wind blows
  • Love the way you lie

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