Kele - The Boxer - Cover
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Kele The Boxer


  • Label: Cooperative/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 41 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Wirklich überzeugen kann Oreke nur streckenweise.

„Intimacy“ – das letzte Album von Kele Orekes Band Bloc Party aus dem Jahr 2008 – zeigte bereits die electroaffine Seite des Protagonisten der ursprünglich im britischen Indie-Rock angesiedelten Gruppe. Es gab sicher einige Fans, die bei dem aufgekratztem, mit Loops und Synthie-Bläsern aufgebauschten „Mercury“ verwirrt aufschreckten. Oreke jedoch fand das Ganze scheinbar großartig. Es ist insofern wenig verwunderlich, dass „The Boxer“ keine Rückkehr Orekes zum Gitarren-Rock von „Silent Alarm“ (2005) darstellt, sondern vom Sound des Drittwerks seiner Hauptband maßgeblich geprägt ist und diesen Ansatz konsequent erweitert. Dies bedeutet im Klartext: Mehr Synthesizer, mehr Drum Machine, mehr programmieren anstatt der gewohnten Gitarrenarbeit.

Für Oreke war, laut eigener Aussage, insbesondere das Programmieren von Drum Beats eine völlig neue Erfahrung, die nun auf „The Boxer“ in Form von Songs zu hören ist, die sich hemmunglos in den Gefilden des synthetischen Pop, Dance und Electronic breit machen. Oreke belässt seine Songs dabei gerne auf das Nötigste beschränkt, so eröffnet „Walk Tall“ mit stampfendem Bass, rauschenden Beats und durch Loops verstärkten Gesang. Das ist über weite Strecken vielleicht ein bisschen zu steril und gefühllos geraten, ist mit seinem drängendem Dancefloor-Verweis jedoch effektiv. Einfach nur noch runtergespult wirkt dagegen „The Other Side“, welches die immer gleichen Beats und Gitarre in eine Endlosschleife packt und damit nur noch nervt. Da kommt das als reines Popstück fungierende „Everything You Wanted” gerade recht, denn hier singt Oreke endlich mal wieder richtig und verwebt elektronische Elemente gekonnt mit Klavierklängen. Das funktioniert auch mit dem leisen Glockenspiel von „Rise“ gut, welches erst zum Ende hin in ekstatische Electro-Rhythmik übergeht – ein Highlight.

Wirklich überzeugen kann Oreke jedoch nur streckenweise: Das auf gezupfte Streicher reduzierte „The New Rules“ oder die Ballade „All The Things I Could Never Say“ zum Beispiel sind etwas ideenleer geraten. Es gelingt Oreke mit „The Boxer“ jedoch, tanzbare Musik mit teilweise schwer melancholischen Stimmungen zu verbinden. Eigenständigkeit lässt er ebenfalls bis zu einem gewissem Maß nicht missen, die große Emanzipation von seiner Hauptband Bloc Party findet jedoch nicht statt – als Beispiel sei hier „Unholy Thoughts“ genannt. Auch sind viele der Lieder doch ein wenig flach geraten: Mit den Beats von „Tenderoni“ beispielsweise bewegt sich Oreke gefährlich nahe am Stumpfsinn von David Guetta, gibt sich jedoch nie vollständig die Blöße. Auf „The Boxer“ geben sich somit Licht und Schatten die Klinke in die Hand, sodass Orekes Alleingang letztendlich als gehobener Schnitt bezeichnet werden kann.

Anspieltipps:

  • Walk Tall
  • Everything You Wanted
  • Rise

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