Equilibrium - Rekreatur - Cover
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Equilibrium Rekreatur


  • Label: Nuclear Blast/WEA
  • Laufzeit: 62 Minuten
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4.5/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Die ersten beiden Schöpfungen aus der Hand der bayrischen Equilibirum waren schon eine Fundgrube für die unterschiedlichsten Strömungen innerhalb des Metal, aber wie soll das Debüt „Turis fratyr“ (02/2005) und der Überraschungshit „Sagas“ (06/2008), das auf Anhieb Platz 30 der deutschen Charts erreichte, ohne sich zu wiederholen getoppt werden, wenn das Angebot an stilrichtungkreuzenden Bands schon lange nicht mehr überschaubar ist und neben Exoten wie Alestorm oder Orphaned Land ohnehin eine Truppe (mehr oder weniger) wie die andere klingt? Die Gründungsmitglieder René Berthiaume (Gitarre, Keyboard), Andreas (Gitarre) und Sandra Völkl (Bass) kontern die Erwartungshaltung einfach mit Umstrukturierung, entledigen sich Sänger Helge Stang und Drummer Manuel Di Camillo, holen stattdessen Robert Dahn (Gesang) und Tuval Refaeli (Schlagzeug) ins Boot und machen ansonsten wie gehabt weiter.

„Rekreatur“ weist darauf gleich beim Cover hin, wodurch der niedliche Wolpertinger sinnbildlich für die Stilvielfalt des Fünfers stehen soll, die wie das Vogelhasenhirschvieh aus den „verschiedensten Richtungen, sei es asiatisch, irisch oder karibisch“ ihre bunte Mischung bezieht. Wem also bereits die zarten Panflötenklänge eines „Unbesiegt“ (zu finden auf „Sagas“) nicht behagt haben, der darf sich getrost eine andere Beschäftigung suchen, denn der dritte Cocktail aus Bayern ist mit den gleichen Zutaten gemixt worden wie seine Vorgänger. Schade ist daran eigentlich nur, dass das farbenfrohe Geflecht den Hörer erneut erschlägt, sodass detaillierte Kompositionen einer überladenen Reizüberflutung Platz machen müssen. Mit anderen Worten: Nicht selten prügelt die Bassdrum unbarmherzig auf einen ein, während gleichzeitig gefühlte zwanzig Spuren (angefangen bei Instrumenten, sowie Folk- und Hörspielelementen) um Aufmerksamkeit buhlen.

Dieser schnell ermüdende Zustand wird zwar mit verschiedenen Tempovariationen etwas aufgebessert, wenn bei einem majestätisch stampfenden „Verbrannte Erde“, dem an ein Musical erinnernden „Der Wassermann“, dem gebremsten Schlachtengetümmel „Wenn Erdreich bricht“ oder der mit karibischem Flair ausgestatten „Affeninsel“ in den hauptsächlich zwischen fünf und neun Minuten dauernden Songs trotzdem die Samplewut mit eiserner Hand regiert, ändert das am Gesamteindruck recht wenig. Neuzugang Dahn, der mit seinem Organ in tiefere Regionen als sein Vorgänger vorstößt, sorgt darüber hinaus für einige gewöhnungsbedürftige Momente auf „Rekreatur“, wenn er z.B. kaum verständlich seine schwarzmetallischen Growls aus der Lunge kotzt oder seine „normale“ Singstimme im gleichen Raspelton durch die Songs hetzt.

Ein richtiger Ohrenschmaus ist hingegen das fast viertelstündige „Kurzes Epos“, welches vollständig ohne Text auskommt und sich trotzdem als gelungener Fantasysoundtrack erweist, der einen gemütlichen Brettspielabend a la „Heroquest“ musikalisch untermalen könnte, was letztendlich aber nur einen Bruchteil der überfrachteten Kompositionen auf „Rekreatur“ vergessen macht. Facettenreiche Kurzweil dürfte wohl der gut gemeinte Vorsatz gewesen sein, den Equilibrium beim Schreiben der Songs im Kopf hatten. So lässt es sich wohl erklären, wieso der dritte Output der Bayern bereits nach einigen Durchläufen eine drastische Kürzung der Halbwertszeit zu verbuchen hat und schnell wieder aus dem Abspielgerät verschwindet.

Anspieltipps:

  • Fahrtwind
  • Kurzes Epos
  • Der ewige Sieg

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