Herbie Hancock - The Imagine Project - Cover
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Herbie Hancock The Imagine Project


  • Label: Classical/Sony Music
  • Laufzeit: 66 Minuten
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3.5/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Allgemein zu wenig für einen Musiker dieses Kalibers.

„The Imagine Project“ hört sich vom Titel gewaltig an und wenn man die ganzen illustren Gäste aufgelistet sieht, die auf dem Album mitmischen, wie Pink, Seal, Jeff Beck oder Dave Matthews, verspürt man eine gewisse Erwartung. Will Herbie Hancock etwa ein Album abliefern, welches im Jazzsegment eine ähnliche Stellung einnimmt wie „Aida“ von Elton John und Tim Rice für die Popmusik? Möglicherweise ist es auch ein Versuch Jazzmusik der breiten Öffentlichkeit schmackhaft zu machen? Im Grunde nichts von all dem. Ein Pianist, der eine solche Größe des Jazz darstellt, hat solche Annäherungsversuche an die breitere Musikhörerschaft nicht nötig und zudem ist er nicht zuletzt dank des Klassikers „Cantaloupe Island“ (Eine Coverversion lief in einer Ariel Werbung) bekannt genug.

Die Idee hinter dem „Imagine Project“ ist der Globalisierung etwas Positives abzugewinnen, ein Nationen übergreifendes Musikprojekt, das die menschliche Vielfältigkeit zeigen und gleichzeitig an den gemeinsamen Ursprung erinnern soll. Um dieses Ziel zu erreichen, begab sich der 70jährige auf Reisen und nahm in zahlreichen Städten wie London, San Francisco, Mumbai oder Bamako mit unterschiedlichen Musikern auf. Das Ergebnis ist nur stellenweise dem Jazzgenre zuzuordnen, eher kann dieser neue musikalische Ausflug des mehrfachen Grammy-Gewinners mit Weltmusik in Verbindung gebracht werden. Positiv formuliert ist es eine entspannte Musik zum Nebenbei hören oder anders ausgedrückt ein für diesen Musiker eher enttäuschend ödes und uninspiriertes Album mit nur wenig wirklich vorzeigbaren Stücken.

Die größten Sorgenfalten löste im voraus der Klassiker „Imagine“ von John Lennon aus, der allein aus ideologischen Gründen auf das Album musste. An das Original erinnert nur der Beginn, denn ansonsten ist eine sehr eigenständige Interpretation daraus geworden. Mitverantwortlich dafür sind die in andere Sprachen übersetzten und gesungenen Texte sowie die vielen musikalischen Einflüsse aus fernen Ländern. Dabei wird deutlich, dass Herbie meist nur das Grundgerüst der vielen Coversongs verwendet um mit ihnen zu experimentieren und sie völlig neu zu interpretieren. Leider sind die meisten Lieder zu sehr in die Länge gezogen worden, wirken dadurch ideenlos, vor sich hin plätschernd und langweilig. Zu hören in „Don't Give Up“, ursprünglich von Peter Gabriel und Kate Bush gesungen, oder in „The Times, They Are A Changin'“.

Kennt jemand ein spanisch gesungenes Lied indem nicht mindestens einmal das Wort Corazon fällt? „La Tierra“ stellt jedenfalls keine Ausnahme dar, fällt ansonsten so blass aus wie die meisten Lieder des Albums. Zwar kann Dave Matthews ein wenig Leben einhauchen („Tomorrow Never Knows“), aber nicht wirklich überzeugen. Einzig das dem Gospel und Blues zugewandte „Space Captain“ mit klasse Gitarrenklängen von Derek Trucks und das vom Soul geprägte „Tomorrow Never Knows“, indem endlich der Jazz mit dem Klavier von Hancock auflebt, besitzen einen Wiedererkennungswert. Da wäre noch „The Song Goes On“, welches dank Sitar eine orientalische Jazz-Weltmusik Stimmung besitzt, die den Namen auch verdient. Allgemein zu wenig für einen Musiker dieses Kalibers.

Anspieltipps:

  • Space Captain
  • A Change Is Gonna Come
  • The Song Goes On

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