Crayfish - Sticky Sweet Sins - Cover
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Crayfish Sticky Sweet Sins


  • Label: Stereosatellite/CARGO
  • Laufzeit: 44 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Da sind sie wieder, die Erinnerungen an all die großen und minder großen Liebesfilme der Jahrtausendwende. Immer wenn Enttäuschung herrschte, wurde nicht über Balladen, sondern über emotionalen Rock das Bild der Gefühle ausgedrückt. Ganz unrealistisch war der Gedanke nie, dass die neue Jugend ihre Gefühle mit etwas lauteren Tönen verarbeitet, auch wenn der Trend in den letzten zehn Jahren still und heimlich wieder in Richtung der Balladen gegangen ist. College-Rock hat trotzdem viele Leute geprägt und hat sich als einfacher und wirksamer Stimmungsmacher etabliert. Mädchen dürfen zu etwas lauteren Tönen schmachten und auch Jungs müssen allein im Zimmer nicht allzu leise drehen, weil niemand so schnell auf die Weichei-Idee kommt, solange die Gitarren noch scheppern.

Geheimnisvoll gibt sich die Truppe mit ihrem neuen Album. Der Opener soll mysteriös und spannend klingen, doch gleich mit der ersten Nummer ist Crayfish auf jene Weise zurück, die man von ihnen gewohnt ist. Hier und da ein paar Gitarren, die schon Liquido so gekonnt eingesetzt hat, ohne aber in die Pop-Welt einzutauchen. Hierfür gibt es straighte Rockmusik für junge Leute. Musik, die einem nicht viel abverlangt. Entweder ist es ruhiges Geklimper, um das Feuerzeug mal nicht nur für die Zigarette zu verwenden („Cupid Can Come“) oder es geht Richtung Jimmy Eat World, ohne so zuckersüß, aber auch ohne so tiefgehend zu klingen (z.B. „Broken Bridge“). Fans der Intro-Musik der Serie Friends und alles was vergleichbar ist, werden sich schnell bei Crayfish zu Recht finden. Das wirkliche Positive an dieser Gruppe ist aber, dass deutsche Bands zumindest stylistisch an ihre Vorbilder heranreichen. Wenn jetzt noch Musik von Heute so gekonnt umgesetzt wird, dann kann man sich auf Einiges gefasst machen.

So ist „Sweet Sticky Sins“ nur eine Ansammlung netter Lieder, die in beschwingter Belanglosigkeit aus den Boxen dröhnen. Auf Dauer ist diese Musik keine Antwort auf Probleme, aber so ist es mit College-Rock oft. Er ist nicht zeitlos, sondern klar auf einen Lebensabschnitt getrimmt. Dieser Stil ist leider so harmlos, dass von der Musik die da aus den Boxen klingt, nicht mal Fliegen weggeweht werden. Gitarren hin oder her, aber auf „Sweet Sticky Sins“ wird musikalisch mehr gekuschelt als getanzt und die klebrigen Sünden sucht man auch mehr oder weniger vergebens. Zumindest süß ist es. Bon Appetit.

Anspieltipps:

  • Hello Hell
  • Today’s Topic
  • Broken Bridge

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