Chau Chat - Le Début - Cover
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Chau Chat Le Début


  • Label: Dienje/Rough Trade
  • Laufzeit: 43 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

So einfach und simpel die Wahl des Titels für ihr Erstlingswerk auch gefallen sein mag, hinter Chau Chat versteckt sich weit mehr als nur eine ideenlose Indie-Band aus Deutschland, die ihr Debüt schlicht „Le début“ nennt. Bestehend aus den beiden Multiinstrumentalisten Christian Illi und Ron Flieger wollen die Münchener nämlich ihrem Namen nach mit den vierzehn Komposition alle Sinne ansprechen und eine Brücke zu Thomas Manns Bildungsroman „Der Zauberberg“ schließen, in dem der Hauptprotagonist mit Politik, Philosophie, Krankheit, Liebe und Tod konfrontiert wird als auch einer gewissen Madame Chauchat über den Weg lauft, und gemäß ihrer zweiten Bedeutung, das an ein französisches Sturmgewehr angelehnt ist, eben jene mit sanften als auch lauten Klängen der Klassik und des Pop perforieren.

Dabei profitiert das Duo von einer glasklaren, räumlichen Abmischung mit Kammerspielcharakter, die sogleich im eröffnenden Instrumental „Apfelkura“ eine eindringlich-melancholische Vorstellung auf E-Musik-Basis gibt, während es in „My little girl“ das Zusammenspiel verschiedener Instrumente und Spuren zu bewundern gibt, die ihren schillernden Glanz jedoch wegen Illis stimmlicher Darbietung verlieren, welche ein wenig zuviel Pathos abbekommen hat und an The Kooks-Sänger Luke Pritchard erinnert. Dieses Manko wird in den übrigen Stücken mit Text allerdings nur minimal behoben, sodass viele Songs ihren hervorragend in Szene gesetzten Klangkörper nicht optimal präsentieren können, was zusätzlich einer gewissen Redundanz in den Lyrics (z.B. „By my side“) geschuldet ist.

Das ist natürlich besonders schade, weil Chau Chat ihrem Erstlingswerk auf musikalischer Basis eine wunderbare Tiefe verleihen, sei es mit elegischen Streichern („Wispy clouds“), dezent eingewobenen Rockgitarren („Konfusion – Stigmata“), groben Synthesizerschleifen und betörenden Pianomelodien („Ignorance is killing“) oder zurückhaltendem Schlagzeugspiel in Herzschlagfrequenz („The key“, „Lee & me“). Mut zu unkonventionellen Konstrukten kann den Beiden ebenfalls nicht abgesprochen werden, da einige Kompositionen plötzlich eine unvorgesehene Abzweigung einschlagen und trotz ihrer minimalistischen Herangehensweise fordernd bleiben. Zum Leidwesen des Hörers funkt aber ziemlich oft der extrem gewöhnungsbedürftige Gesang dazwischen und zerstört, wie etwa Brian Molko Placebos selbstbetiteltes Debüt (07/1996), viele eindringliche Momente auf „Le début“, die ohnehin meist nach keinem Text bedürft hätten.

Anspieltipps:

  • Apfelkura
  • X.Y. Op. 39
  • Wispy Clouds

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