Simone Kopmajer - Didn´t You Say - Cover
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Simone Kopmajer Didn´t You Say


  • Label: Redange/EDEL
  • Laufzeit: 62 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Gefühlvolle Jazz-Interpretinnen hat die Welt schon einige gesehen und gehört und selbst in unserem schnelllebigen Internetzeitalter dürfte genug Platz für eine weitere Diana Krall oder Rebekka Bakken sein, glaubt man zumindest dem Pressezettel zu Simone Kopmajers Europa-Debüt „Didn´t you say“. Geboren in Schladming in der Steiermark profitierte die Österreicherin von ihrer weichen Stimmfarbe und versuchte ihr Glück nach der Auszeichnung mit dem Hans Koller-Preis für ein Stipendium in New York in den Vereinigten Staaten. Dort nahm die mittlerweile 29jährige ihr erstes Album „Moonlight serenade“ auf, dass allerdings mehr Anklang im japanischen denn im angestrebten amerikanischen Raum fand. Nichtsdestotrotz folgten noch drei weitere Platten („Romance“, „Taking a chance on love“, „Let´s fall in love“), durch die Kopmajer ihren Status als hauchzarte Jazz-Interpretin unter Beweis stellen konnte, was erneut mit mehreren tausend verkauften Platten auf dem viertgrößten Inselstaat der Welt dafür sorgte, dass „Didn´t you say“ nun auch in unserem Breitenkreisen aufschlägt, womit ein prüfendes Ohr auf die Darbietungen der Schladmingerin geworfen werden darf.

Besonders auffallend ist die bunte Mischung, die Kopmajer dem Hörer anbietet. Es finden sich nämlich nicht nur altbekannte Jazz-Standards und Evergreens vom Broadway oder aus dem Great American Songbook in der Songauswahl wieder, sondern mit neuen Interpretationen von modernen Popsongs wie z.B. „Kiss“ von Prince schlägt die Dame einen mutigen Weg ein, der hohes Crossover-Potential für alle Nicht-Jazzhörer bietet. Diesen Pluspunkt kann Kopmajer aber nicht auf Albumlänge gewinnbringend umsetzen, da viele Stücke ihren Originalen oder den bekanntesten Covers hinterher hinken und zu Skip-Kandidaten werden. Das bereits erwähnte „Kiss“ besticht zwar durch lockeren Groove, bleibt aber gesichtslos im vom Jazz-Besen getriebenen Midtempo hängen, „How sweet it is“ (ursprünglich von Marvin Gaye aufgenommen) verkommt zur monoton-fingerschnippenden Redundanz und „S´Wonderful“ (von George und Ira Gershwin) beginnt hastig und unkontrolliert, wechselt zu einer durchwachsenen Scat-Vorstellung Kopmajers, die so ihrem Vorbild Ella Fitzgerald Tribut zollen will und endet in einer Instrumentalpassage, der sich die Sängerin in den Schlusssekunden anschließt und über die Zielgerade bringt.

„Didn´t you say“ deswegen abzuschreiben wäre allerdings zu früh, denn mit dem mit dezentem Reggae-Rhythmus versetztem „Pathway“, dem gedimmten und mit schummriger Film Noir-Atmosphäre ausgestatten „I´ve never been in love before“ und den wärmenden Balladen „Come fly with me“, „Forgetting to breathe“ und „Tennessee waltz“ kann die 29jährige ihre unterschiedlichen Stimmfarben ausleben und in entzückender Manier aus den Lautsprechern perlen lassen. Schade nur, dass Kopmajers Europa-Debüt zu zwiegespalten ist um einen weitgehend positiven Eindruck zu hinterlassen, denn mit der emotionalen Performance eines „Forgetting to breathe“ betört sie zwar den Hörer, die ermüdende Monotonie und facettenarme Standardvorstellung vieler anderer Nummern lässt schnell das Interesse verlieren.

Anspieltipps:

  • Pathway
  • Didn´t You Say
  • Forgetting To Breathe
  • I´ve Never Been In Love Before

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