Korn - Korn III: Remember Who You Are - Cover
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Korn Korn III: Remember Who You Are


  • Label: Roadrunner/WEA
  • Laufzeit: 62 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
6.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Der geneigte Hörer ahnt, wohin Korn mit ihrem Album wollen, muss aber auch mit anhören, dass ihre Mittel beschränkt sind.

Am Ende der Tour zum „Untitled“-Album (2007) war der Moment gekommen, an dem die Nu-Metaller aus Bakersfield, Kalifornien selbst einsehen mussten, dass sie an einem toten Punkt ihrer Karriere angelangt waren. Ihre Band Korn konnte sich zwar weiterhin auf eine treue Fanschar berufen, mit der sich Clubs ausverkaufen und von jedem Album weltweit bis zu zwei Millionen Einheiten absetzen lassen. Doch im Grunde hatten sich die Mannen um Jonathan Davis (39) mit ziellosen Stilexperimenten, überraschenden Line-Up- und Plattenfirmenwechseln sowie dem damit verbundenen kommerziellen Absturz auf großer Linie verzettelt.

So wollte man im Korn-Lager nach 17 mehr oder weniger gemeinsamen Jahren und 35 Millionen verkauften Alben also nicht mehr weitermachen und suchte nach Lösungen. Mit Ray Luzier stieß 2007 ein neuer Schlagzeuger zu der Band, der im März 2009 zum festen Nachfolger des 2006 ausgestiegenen David Silveria erklärt wurde, nachdem sich vorher die verschiedensten Schlagwerker die Klinke bei Korn in die Hand gaben. Dies war für die Entstehung des neuen Albums sehr wichtig, da die Rhythmusabteilung bei der Kaliforniern einen immens wichtigen Part einnimmt. Der zweite wichtige Schritt war die Verpflichtung des Korn-Ur-Produzenten Ross Robinson (Sepultura. Machine Head, Slipknot, Soulfly), der die Band musikalisch zurück zu ihren Wurzeln führen sollte. Schließlich behauptet Robinson, ganz allein für den markanten Sound der ersten beiden Korn-Alben verantwortlich zu sein.

Trotzdem dürfte das „Comeback“ der alten Korn nicht leicht werden. Denn in Sachen Härte und durchgeknalltem Auftreten haben längst andere Bands dem Quintett den Rang abgelaufen und der Reiz des Neuen und der Überraschungseffekt ist sowieso auf der Seite der jüngeren Konkurrenz. Somit können sich Korn „nur noch“ auf ihr musikalisches Können beziehen, was ja bekanntermaßen nicht allein ausschlaggebend für ein kommerziell erfolgreiches Album ist. Nichtsdestotrotz wird auf „Korn III: Remember Who You Are“ der klassische Sound aus abgehackten doomigen Riffs, satten Bass-Grooves und einer kranken Gesangsperformance hervorgekramt.

Diese Entscheidung ist im Grundsatz gut, doch das Ergebnis birgt nicht mehr den Reiz und die Raffinesse der frühen Jahre. „Korn III: Remember Who You Are“ bietet zwar in Ansätzen deutlich besseres Material als auf den zum Teil wirren Alben für Virgin Records zu hören war, doch bleibt es leider nur bei diesen Ansätzen. So knattert und bollert „Oildale (leave me alone)“ durchaus mächtig aus den Boxen, während „Pop a pill“ mit verschachtelten Rhythmen um sich schmeißt. Damit wären wir – wenn man so will – auch schon durch. Denn was Korn in den folgenden Tracks aufbieten, ist nur noch eine Wiederholung der genannten Standards, bei denen sich Jonathan Davis in seinen Texten wie gewohnt über Gott und die Welt auskotzt, ohne dass auf musikalischer Seite besondere Glanztaten dabei herausspringen.

Der geneigte Hörer ahnt, wohin Korn mit ihrem Album wollen, muss aber auch mit anhören, dass ihre Mittel dazu beschränkt sind und nur selten Gänsehautatmosphäre aufkommt („Let the guilt go“, „Never around“). Der neue „alte“ Sound ist zwar schön erdig und man erkennt auch eine gewisse Zielstrebigkeit in den Kompositionen, doch gemessen am eigenen – bereits nachgewiesenen – Können stellt „Korn III: Remember Who You Are“ nur gehobenen Durchschnitt dar, an dem das einzig Geniale das düstere Coverartwork mit seiner doppeldeutigen Message ist.

Anspieltipps:

  • Never around
  • Let the guilt go
  • Lead the parade
  • Fear is a place to live
  • Oildale (leave me alone)

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