Demians - Mute - Cover
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Demians Mute


  • Label: InsideOut/EMI
  • Laufzeit: 50 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Es gibt ja immer wieder Bandnamen bei denen sich raus stellt, dass es gar keine Bands sind, sondern einzelne Individuen. Oft führt das nicht gerade zur großen Verwunderung, wenn ein Musiker am Synthesizer alles einspielt oder der klassische Mann mit der Gitarre seine Lieder vom Stapel haut. Was wenn die Musik sich tatsächlich nach einer begabten vierköpfigen Band anhört und in Wahrheit steckt ein einzelner Franzose dahinter? Dann sprechen wir von Demians und dieser talentierte Einzelgänger, der alles komponiert, selbst einspielt und produziert heißt Nicholas Chapel. Seine Musik wandelt irgendwo zwischen Art-Rock, Prog-Rock und Alternative. Das wichtigste aber ist die emotionale Tiefe seiner Kompositionen, die sich erst nach und nach entfaltet.

„Mute“ zeigt mit vielen bissigen Riffs mehr Härte und ist dank vieler laut-leise-Kontraste in sowie zwischen den Liedern abwechslungsreicher als „Building An Empire“. Chapels typische Gitarrenarbeit und die Parallelen zum Erstwerk fallen erst nach mehrmaligem Hören auf. Dieses Album ist nicht auf einer durchgehenden Atmosphäre aufgebaut, es zeigt mehr Gesichter. Mit dem interessanten Spannungsaufbau des Albums, der wie eine Sinuswelle auf und ab schwingt, beweist der Franzose, dass er alles durchdacht hat. Der erste Titel heißt auch sehr treffend „Swing Of The Airways“ und enthält eine große Portion Kraft, die zwar irgendwo schlummert sich aber nicht ganz offenbaren möchte. Ganz anders in „Feel Alive“, das uns seinen emotionalen Ausbruch entgegen schreit.

Die Lautstärke wird gedrosselt und es folgen ein mit Elektronik und seichten Streichern erfülltes „Porcelain“ und ein sehr fragiles, Klavier geleitetes „Black Over Gold“ bevor die Dramatik wieder wächst. Dabei durchläuft die Schwingung ein orientalisch angehauchtes, orchestrales Musikstück („Overhead“), eine gewöhnliche Rocknummer mit Stakkato-Riffs („Tidal“) und erreicht schließlich in „Hesitation Waltz“ das Crescendo mit einer richtigen Noise-Gitarrenwand und eindringlichem Trommelwirbel. Erinnert ein wenig ans Soloalbum von Steven Wilson.

Die Dramatik des Albums verläuft wie in jedem guten Roman und nebenbei bemerkt leitet sich der Name Demians vom Roman von Herman Hesse ab. Zum Schluss muss dementsprechend die Luft wieder raus gelassen werden und mit dem minimalistischen „Falling From The Sun“ gelingt dieser Druckabfall bestens. Kaum zu glauben, dass der Franzose alles im Alleingang erledigt, egal ob Streich-, Zupf-, Tasten- oder Schlaginstrumente. Seine Stärke liegt dabei in den ruhigeren, emotionalen Stücken.

Nicolas Chapel ist zum zweiten Mal ein sehr in sich stimmiges Werk mit vielen offenen und versteckten Kontrasten und Feinheiten gelungen, die erst Schritt für Schritt entdeckt werden müssen. Die Musik lässt sich Zeit einen bleibenden Eindruck beim Hörer zu hinterlassen. Sie fordert viel Aufmerksamkeit, Langzeitspaß ist somit garantiert. Wem der grandiose Vorgänger „Building An Empire“ nicht gefallen hat, der hat sich nicht genug Zeit genommen und auch bei „Mute“ wird sich die Klasse erst auf lange Sicht beurteilen können. Fans von Porcupine Tree, Anathema oder Oceansize sollten unbedingt rein hören und dabei alles um sich herum ausblenden oder besser gesagt verstummen lassen.

Anspieltipps:

  • Porcelain
  • Black Over Gold
  • Overhead
  • Hesitation Waltz

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