Pendulum - Immersion - Cover
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Pendulum Immersion


  • Label: Warner Bros.
  • Laufzeit: 67 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Was haben In Flames, Porcupine Tree und The Prodigy gemeinsam? Im Grunde genommen eigentlich so gut wie gar nichts. Wirft man allerdings einen Blick auf die Trackliste des neuesten Pendulum-Outputs „Immersion“ dürften einem nicht nur die Augen vor Staunen platzen, sondern auch das Interesse obsiegen, wie ein elektronisch aufgeladener Sample- und Bassbulldozer klingt, der über eben jene Bands niederfährt, sind dieses Mal schließlich Liam Howlett (The Prodigy), Björn Gelotte, Peter Iwers, Anders Friden (In Flames) und Steven Wilson (Porcupine Tree) die illustren Gäste auf dem dritten Longplayer der Wahl-Londoner geworden. Zwar konnte die ersten beiden Album-Vorboten „Watercolour“ und „Witchcraft“ aufgrund ihres allzu offensichtlichen Kommerzdenkens (siehe „In silico“ und dessen stark songorientierte Herangehensweise) nicht wirklich punkten und ließen Erwartungen an einen bombastischen Kracher im zappeligen Drum and Bass-Gewand rapide in die Tiefe sinken, doch gleich das ironische Soundtrack-Intro „Genesis“ mit 8-bit-Sounds und die darauffolgende Synthesizer-Groove-Schleuder „Salt in the wounds“ belehrt jeden eines Besseren. Pendulum pfeifen zu großen Teilen auf hausgemachten Pseudo-Pop und lehren jedem Subwoofer das Fürchten.

Allein „Set me on fire“ stapft herrlich ungeniert durch den übergroßen The Prodigy-Gemüsegarten Marke „The fat of the land“ trifft „Invaders must die“, obwohl noch kein Lebenszeichen von Mr. Howlett und seiner Crew zu hören ist und auch „Crush“ setzt den eingeschlagenen Prodigy-Kuschelkurs mit recht zweckmäßigem Gesang von Chef-Pendel Rob Swire fort. Mit „Under the waves“ vereinen die Australier dann „Hold your colour“ mit „In silico“ und kredenzen einen wuchtigen Reißer, der trotz tranceartigem Refrain nicht so schnell aus dem Kopf zu bekommen sein wird. Die eigentliche Zusammenarbeit zwischen den zwei elektrifizierten P´s in „Immunize“ fällt dafür recht gewöhnlich aus. Der Bass brummt, das Keyboard schnalzt über die Tasten und ein paar Wortfetzen befeuern das Trommelfell. Hier hätte man sich von Howlett und Swire doch etwas mehr erhoffen können. Der anschließende Doppelschlag „The island“ geht von der Grundidee her (ein musikalisches Thema mit zwei unterschiedlichen Ausführungen, das auf der einen Seite ruhig seinen Dienst verrichtet („Dawn“) und auf der anderen („Dusk“) aus dem vollen Effektrepertoire des australischen Acts schöpft) zwar in Ordnung, ein einziger, durchdachter Track wäre dennoch der ungleich höhere Segen gewesen.

Wo Pendulum dann mit dem schon fast in zackige Nine Inch Nails-Industrial-Sphären abdriftenden „Comprachicos“ hinwollen, bleibt vorerst ein Rätsel, das selbst die knallige Prodigy-Hommage „The vulture“ nicht beantworten kann. Bevor die Australier schlussendlich „Encoder“ als hässlich-aufgebrezelten „Club tropicana“ anbieten, dürfen noch In Flames und Steven Wilson ins Geschehen eingreifen und überraschen („Self vs. Self“) mit einer gelungenen Metal-Bollerbeat-Melange bei der beide Seiten zu gleichen Teilen in den Track eingepflegt wurden bzw. enttäuschen („The fountain“) durch auf der Stelle tretendes Synthie-Gedudel, das bestenfalls an so etwas wie die besseren Tage von Moby erinnern soll. Alles in allem ist „Immersion“ jedoch in vielen Belangen der wesentlich bessere Nachfolger zu „Hold your colour“. Das dritte Bombastsound-Konglomerat schließt mit seiner direkt, nach vorne preschenden Art zwar nicht den Vogel ab und überholt das 2005er Opus Magnum, dafür erweitern Pendulum trotz Stillstand ihr knallbuntes Repertoire um ein paar garantierte Live-Kracher, die noch mehrere Stunden nach ihrem Genuss in den Ohren dröhnen werden und selbst im Wohnzimmer, Auto oder sonst wo den Schweiß von der Decke tropfen lassen.

Anspieltipps:

  • Self vs. Self
  • Set Me On Fire
  • Under The Waves
  • Salt In The Wounds

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