Danger Mouse & Sparklehorse - Dark Night Of The Soul - Cover
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Danger Mouse & Sparklehorse Dark Night Of The Soul


  • Label: Parlophone/EMI
  • Laufzeit: 45 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Nicht selten steht hinter einem Erfolg ein tragisches Ereignis. Nirgends ist dieses Phänomen bekannter als in Hollywood. Schauspieler, die nie zur ganz großen Garde gezählt werden, werden über Nacht zur Ikone und daran sind Autounfälle, Medikamente oder andere Unglücksfälle schuld. Es bewahrheitet sich immer wieder, dass der Mensch erst nach dem Tod die Unsterblichkeit erlangen kann. Denken wir nur an Heath Ledger, der posthum den Oscar für seine Darbietung des „Jokers“ in „The Dark Knight“ erhielt. Es ist durchaus fragwürdig, ob Hollywood auch ohne dieses Unglück den Mut gehabt hätte, einer Comicverfilmung solch einen wichtigen Oscar zu geben.

Ein wenig beunruhigend ist die Namensparallele zu diesem Album schon. „Dark Night Of The Soul“ hat gleich zwei Leben der Hauptakteure gekostet. Selbstmorde, so heißt es. Und es ist diese kleine, unscheinbare Zeile „in Memory of MARK LINKOUS and VIC CHESNUTT“, die die Veröffentlichung dieses Albums erst möglich gemacht hat. Branchenriese EMI sah in den Werken von Danger Mouse keine Verwendung. Eine Tatsache, die verwundert, da auch die großen Plattenfirmen schon so viel Plastikmüll auf den Markt geworfen haben, dass ein Szenename wie Danger Mouse normalerweise zumindest eine Verkaufszahlengarantie mitbringt, wenngleich sie nicht fantastisch ist, so sollte jedes Geschäft mit schwarzen Zahlen doch im Erstreben der Marktriesen liegen. Aber erst jetzt, wo das Album seine tragische Hintergrundgeschichte erfahren hat, lohnt es sich in den Augen von EMI dieses Album zu veröffentlichen.

Ob da jemand nur sein Gewissen beruhigen möchte, soll außen vor bleiben, da es nicht in unserem Aufgabengebiet liegt, die Plattenfirmen zu be- oder verurteilen. Es muss jeder für sich entscheiden, ob er bei diesem Marketingwahnsinn, der nicht einmal vorm Jenseits Halt macht, mitwirken möchte.

Dabei hat diese Platte so einen Schub überhaupt nicht nötig. In einer Saison, in der Art-Pop sich langsam wieder neben dem übermächtigen R&B etabliert, hat „Dark Night Of The Soul“ einiges zu bieten. Zwar ist es für den Ottonormalhörer einen Tick zu düster geraten, was aber keine Hürde für gute Promotion stellen sollte. „Revenge“ und „Jaykub“ sind genau die Art von Retro-Indie-Pop, der gut ankommt. Musik zum zurücklehnen, die dank des gefächerten Einsatzes von Synthies und Gitarre nie ihre Kanten verlieren. Dazwischen versteckt sich dann noch ein „Just War“, das in seiner ruhigen, aber vorantreibenden Art perfekt für das kleine Kino wäre, wenn ein Charakter verloren durch die Straßen einer Großstadt läuft. Herrliches Kopfkino für die Ohren.

Natürlich wird auch (absichtlich) über die Strenge geschlagen, wie im „Insane Lullaby“. Bei dieser Modern-Trash-Musik-Orgie ist es wohl unmöglich einzuschlafen. Dagegen ist das gut bei der Akustikhymne „Daddy’s Gone“ möglich. Durch den Einsatz vieler Gastmusiker ist ein bunter Mix entstanden, der sich am Ende doch zusammenfügt. Es ist nicht so, dass ein Lied vollkommen aus der Art schlägt, sondern eher ist es ein homogenes Gebilde wie „Plastic Beach“ aus der Feder Damon Albarns.

Es fehlt zwar das Hitpotenzial an vielen Stellen, doch lässt sich „Dark Night Of The Soul“ auch besser mit Albarns Werk „The Good, The Bad And The Queen“ vergleichen, wo es allein um die virtuosen selbst geht und nicht darum, große Radiohits zu schreiben. „Dark Night Of The Soul“ bietet ausnahmslos ehrliche Pop-Perlen, die mal Art, mal Noir, mal Indie sind. Für jeden, der seine Musik nicht völlig durchgekaut mag, ist hier etwas dabei. Genug Ecken und Kanten zum daran stoßen und lernen. Dieses Album ist altmodisch und doch zeitlos und hochmodern zugleich. Wenn schon ein Kniefall vor den Songwriterstrukturen der letzten Jahrzehnte, dann so!

Anspieltipps:

  • Daddy’s Gone
  • Just War
  • Jaykub

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