Nina Hagen - Personal Jesus - Cover
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Nina Hagen Personal Jesus


  • Label: Polydor/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 43 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Dass die Ost-Berlinerin Nina Hagen (55) seit über 30 Jahren zu den außergewöhnlichsten und sicher auch schrägsten Künstlerinnen der deutsch-deutschen Popkultur zählt, muss wohl niemanden mehr beigebracht werden. Dabei spielte es in der öffentlichen Wahrnehmung nie eine Rolle, ob sie sich musikalisch in der Punk- oder Pop-Ecke tummelte, mit Hausbesetzern sympathisierte, mit ihrem wechselnden Glauben kokettierte, über UFOs, Außerirdische und andere „ganz normale“ Phänomene philosophierte, politische Ansichten preisgab, mit Drogen- und Nahtoderfahrungen aufräumte, als Schauspielerin agierte oder als Jury-Mitglied bei Casting-Shows auftrat – es war immer irgendwie Kunst und das Volk mehr oder weniger hautnah dabei bzw. gut informiert.

Nachdem sich Nina Hagen schon vor einiger Zeit zu Jesus Christus bekannt hat und sich im vergangenen Jahr sogar taufen ließ, wird auch diese Episode im spannenden Leben der öffentlichen Person Nina Hagen künstlerisch umgesetzt. Denn mit „Personal Jesus“ bringt die 55-Jährige nun ein Album „zur Ehre Gottes allein“ auf den Markt, das mit einer Auswahl von Gospels, Pop- und Rocksongs sowie Traditionals die wiederentdeckte christliche Religion unterstreichen soll. Mit der Vertonung ihrer Spiritualität betritt Nina Hagen freilich kein Neuland, da schon unzählige Künstler vor ihr diesem inneren Aufruf gefolgt sind. Doch eines hat Frau Hagen allerdings sicher: Wenn sie sich voller Inbrunst in Gospels wie „I’ll live again“ oder „Run on“ wirft und mal mit tiefer und dann wieder mit rauchig-kreischiger Stimme von Gott predigt, hat dies durchaus etwas faszinierend Skurriles an sich.

Auch die musikalische Umsetzung so mancher Coverversion erstaunt. So wird Depeche Modes „Personal Jesus“ zum staubtrockenen Bluesrocker, sie schleppt sich im Tom-Waits-Manier (!) durch den Blues „Mean old world“, schmachtet sich mit rrrrollendem R durch den Elvis-Presley-Titel „Help me“, springt auf den Rock’n’Roll-Train auf („On the battlefield“) und taucht mit „Nobody’s fault but mine“ ganz tief in die Country- und Westernecke ein, die sich auf „Personal Jesus“ ungewöhnlich breit macht und das gesamte Album entscheidend prägt – mehr noch als der Gospelanteil. Hier muss dann auch spätestens attestiert werden, dass Nina Hagen das Rad zunehmend überdreht und ihre gottesfürchtigen Lieder im Country-, Western- und Blues-Stil mit der Zeit kaum noch Überraschungen bieten und zum Schluss sogar richtig altbacken daherkommen, was so gar nicht zu Nina Hagen passen will.

Anspieltipps:

  • Personal Jesus
  • Down at the cross
  • Take Jesus with you

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